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Lehrer fordern von Politik mehr Einsatz für Schulskikurse

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Skikurse und Wintersportwochen für Schulen immer schwieriger
©APA, THEMENBILD, BARBARA GINDL
Die Teuerung macht es für Schulen immer schwieriger, Skikurse und Wintersportwochen anzubieten, sagt der oberste Lehrervertreter Paul Kimberger (FCG) zur APA. Viele Familien könnten oder wollten sich die Kosten für Ausrüstung, Liftkarte und Quartier nicht mehr leisten. Es gibt zwar finanzielle Unterstützung von Bund und Ländern, die ist laut Kimberger aber zu gering. Er fordert mehr Einsatz von Politik und Wirtschaft für den Erhalt von Schulveranstaltungen.

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"Hier braucht es eine Gesamtstrategie", sieht der Lehrervertreter Bildungs- und Sportpolitik gefordert. Skikurse, Wintersportwochen mit Alternativangeboten wie Schneeschuhwandern und andere Schulveranstaltungen seien ein wichtiger Teil des Schullebens und stärkten die Klassengemeinschaft. Und in Zeiten, in denen Kinder und Jugendliche immer mehr Zeit vor digitalen Geräten verbringen, fände der frühere Sportlehrer Kimberger gemeinsame Aktivitäten an der frischen Luft umso wichtiger. "Wir haben Kinder in den Zentralräumen, die dabei zum ersten Mal sehen, was in einem alpinen Gebiet so los ist."

Tatsächlich hat die schwarz-rot-pinke Koalition das Thema selbst schon auf ihre To-Do-Liste gesetzt: Im Regierungsprogramm hat sie sich ein "Konzept zur Rettung der Schulsportwochen auch durch innovative Maßnahmen" vorgenommen, die Wintersportwochen werden dabei extra hervorgehoben. Man bekenne sich zur "Positionierung als Skination Nummer eins", wird betont.

Auch von der Wirtschaft, speziell der Tourismusbranche, würde der Gewerkschafter sich mehr Engagement für leistbare Angebote erwarten - schon aus Eigeninteresse. "Das sind ja die Kunden von morgen." Die bestehenden Förderungen vom Bund - erst 2023 wurde ein "Schulsportwochen-Hunderter" eingeführt - und den Ländern seien angesichts der Kostendynamik der vergangenen Jahre zu wenig. Nicht überall könnten Elternvereine einspringen.

Laut der Schulkostenstudie der Arbeiterkammer (AK) haben Eltern für mehrtägige Schulveranstaltungen zuletzt (2023/24) im Schnitt 400 Euro ausgegeben. Bei den Älteren kann ein Schulskikurs laut Elternvertretern aber durchaus auf bis zu 700 Euro kommen, seit Jahren beklagen sie die hohen Kosten.

Doch auch schon vor Beginn der jüngsten Teuerungswelle haben laut Kimberger immer weniger Klassen die 70-Prozent-Klausel erfüllt, die seit der Abschaffung der Teilnahmepflicht an mehrtägigen Schulveranstaltungen Mitte der 1990er gilt. Seit damals müssen mindestens 70 Prozent einer Klasse teilnehmen, sonst findet die Veranstaltung nicht statt. Mittlerweile werde diese Regelung von den Schulbehörden schon "sehr großzügig" gehandhabt, indem etwa mehrere Klassen zusammengefasst werden, schildert der Lehrervertreter.

Geht es nach der Servicestelle Schulsportwochen, sollte die derzeitige Regelung überarbeitet werden. Die Behörde könne zwar schon jetzt Schulveranstaltungen auch dann genehmigen, wenn der Schwellenwert nicht erreicht wird. Es wäre aber "ein ambitioniertes Ziel und förderlich", wenn in Zukunft schon die Zustimmung von Eltern-, Lehrer- und Schülervertretern im Schulgemeinschaftsausschuss bzw. Schulforum genügen würde, hieß es gegenüber der APA.

Aktuelle offizielle Zahlen zu Skikursen und Wintersportwochen gibt es nicht. Die letzte Erhebung des Bildungsministeriums stammt aus 2018/19, damals fuhren rund 159.000 Kinder und Jugendliche auf Wintersportwoche, 44.000 davon ohne auswärtige Übernachtung. Seither dürfte die Lage insgesamt stabil sein, wird in der Schulsport-Abteilung im Bildungsministerium aufgrund der Rückmeldungen der Bildungsdirektionen vermutet.

Dabei haben die Schulskikurse und Wintersportwochen einen jahrzehntelangen Abwärtstrend hinter sich: Während die Teilnahmequote Mitte der 1980er noch bei fast einem Fünftel der Schüler lag, waren es am bisherigen Tiefpunkt Anfang der 2011 nur noch 13,5 Prozent. In den letzten verfügbaren Daten 2018/19 gab es mit 14,5 Prozent wieder eine Tendenz nach oben.

Im Detail dürfte die Lage allerdings je nach Bundesland bzw. Region recht unterschiedlich ausschauen, legen diverse Berichte von Regionalmedien nahe. Während man in Kärnten abseits der Bundesschulen (AHS, BMHS) immer weniger Skitage registriert und das auf die gestiegenen Kosten zurückführt, kamen Rekordmeldungen aus Tirol, wo man die Unterstützung für Schulskikurse im Vorjahr weiter ausgebaut hat und seither neben den Skipässen auch An- und Abreise fördert. In Oberösterreich, wo bei Kursen im Bundesland die Kosten der Liftkarte übernommen werden, lag die Teilnahmequote mit 89 Prozent der Schulen zuletzt wieder höher als vor Corona. In Vorarlberg wiederum nehmen trotz diverser Vergünstigungen bei Liftkarten, Transport und Ausrüstung seit Jahren immer weniger Kinder und Jugendliche am Schulskikurs teil. Einschränkung: An ländlichen Schulen ist der Wintersport immer noch populär. Und in Salzburg gibt es zwar insgesamt keinen Rückgang, an Mittelschulen im Zentralraum müsse man aber teils um das Erreichen der 70-Prozent-Quote zittern.

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