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4,5 Millionen Öffi-Netzkarten für Salzburg-Gäste ausgegeben

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Auch der Mikro-ÖV könnte durch die Mehreinnahmen ausgebaut werden
©APA, Barbara Gindl
Das "Guest Mobility Ticket" in Salzburg ist seit der Einführung am 1. Mai 2025 rund 4,5 Millionen Mal ausgegeben worden. Das Bundesland ist das erste, das jedem Nächtigungsgast für die Dauer seines Aufenthalts eine flächendeckende Netzkarte für den Öffentlichen Verkehr zur Verfügung stellt. Kurz vor dem Jahrestag zog der ressortzuständige Landeshauptfraustellvertreter Stefan Schnöll (ÖVP) am Mittwoch positive Bilanz und sprach von einem Wettbewerbsvorteil für Salzburg.

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"Anfängliche Widerstände und Zweifel - etwa wegen drohender Überfüllung der Öffis oder wegen Problemen bei der technischen Umsetzung - sind mittlerweile gewichen", betonte Schnöll. "Der Erfolg zeigt auch, dass Touristen ein hohes Mobilitätsbedürfnis haben." In einer Umfrage haben 95 Prozent der Gäste angegeben, das Ticket habe sie motiviert, umliegende Orte und Attraktionen zu besuchen. "Ziel ist es, dass die Urlauber - wenn sie schon mit dem Auto nach Salzburg anreisen - ihr Auto zumindest am Urlaubsort stehen lassen."

Insgesamt nahmen im ersten Jahr seit der Einführung 55 Prozent aller Übernachtungsgäste im Bundesland das Guest Mobility Ticket in Anspruch. Von den 4,5 Millionen Tickets gingen 87 Prozent an Erwachsene und 13 Prozent an Kinder. Das Gros der Fahrkarten wurde im Pinzgau (2,2 Mio. Stück) und im Pongau (1,1 Mio. Stück) ausgegeben, in der Landeshauptstadt waren es rund 770.000 Stück. "Im Sommer nutzen es rund zwei Drittel der Gäste, im Winter etwa die Hälfte", erklärte Schnöll. Dies sei der Tatsache geschuldet, dass man sich im Winter in der Regel eher im Skigebiet bewege.

In der Umfrage haben rund 35 Prozent der befragten Gäste erklärt, dass das Ticket ihre Buchungsentscheidung beeinflusst habe. 90 Prozent sahen darin einen Grund für eine erneute Buchung. 58 Prozent fühlen sich zur verstärkten Anreise nach Salzburg mit Öffis motiviert. Bisher dürften rund 80 Prozent aller Urlauberinnen und Urlauber im Bundesland per Auto anreisen.

Finanziert wird das Ticket mit einem Zuschlag zur Nächtigungsabgabe, d. h. die Gäste bezahlen es selbst. Aktuell beträgt der Mobilitätszuschlag 50 Cent pro Tag, ab 1. Mai 2027 wird der Beitrag auf 1,10 Euro pro Tag angehoben. Das Ticket wird direkt in den rund 11.600 Beherbergungsbetrieben ausgegeben und ist entweder in ausgedruckter oder digitaler Form erhältlich.

Mit den zusätzlichen Einnahmen soll vor allem der Ausbau des ÖV-Angebots im Bundesland finanziert werden. "Wir werden mit den Mitteln des Mobilitätsbeitrags im Sommer etwa im Gasteinertal oder auf der Strecke zwischen Zell am See und Kaprun einen 15-Minuten-Takt anbieten und auf der Straße zwischen Salzburg und Bad Ischl zusätzliche Verstärkerbusse einsetzen", betonte Johannes Gfrerer, Geschäftsführer des Salzburger Verkehrsverbunds (SVV). "Da haben auch die Einheimischen viel davon." Zugleich trage das Guest Mobility Ticket zu einem stabileren Fahrplan bei. "Wenn die Tickets nicht mehr beim Busfahrer gekauft werden, sondern nur mehr gescannt werden, geht alles schneller. Dadurch auch weniger Verspätungen."

Im Endausbau soll der Beitrag der Gäste jährlich rund 20 Mio. Euro bringen, rund acht Mio. Euro davon fließen dabei an die Verkehrsunternehmen. "Das heißt, wir rechnen mit rund zwölf Mio. Euro, die wir in den Angebotsausbau und in die Taktverdichtungen in den Regionen investieren können", so Schnöll. Gemeinsam mit Touristik-Fachleuten werden gerade Richtlinien entwickelt, wie man das Geld verwenden kann. Detail am Rande: Im Winter wird in Zukunft die Hälfte der Abgabe (55 Cent) bei den Tourismusverbänden verbleiben, weil diese im Winter schon viele Verkehre wie Skibusse schultern.

Walter Veit, Präsident der Österreichischen Hoteliersvereinigung (ÖHV), sprach am Mittwoch von einer Vorreiterrolle Salzburgs und einer "Win-Win-Win"-Situation. "Zum einen profitiert der Gast selbst, wenn er vor Ort auf sein Auto verzichten kann. Dann profitiert die Bevölkerung von einem dichteren Takt und neuen Linien. Und nicht zuletzt kommt das Ticket der Umwelt zugute." Veit räumte zwar einen Zusatzaufwand für Beherbergungsbetriebe ein und meinte: "Die Abgabe ist natürlich eine neue Belastung für den Gast. Aber er bekommt sehr viel dafür."

Kritik am Ticket kam bei der Einführung vor gut einem Jahr von der Sparte Tourismus und Freizeitwirtschaft in der Wirtschaftskammer Salzburg. Gewarnt wurde vor hohem bürokratischen Aufwand, Rezeptionen würden zudem zu Öffi-Auskunftsstellen mutieren. Außerdem sei die Abgabe verfassungswidrig. Allerdings gab das Landesverwaltungsgericht Salzburg Ende November 2025 einer entsprechenden Klage eines Betriebes nicht statt. Der Hotelier legte aber Beschwerde gegen die Entscheidung ein.

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