Gregor Bloéb von

"Political Correctness ist
eine einzige Scheinheiligkeit"

Gregor Bloéb - "Political Correctness ist
eine einzige Scheinheiligkeit" © Bild: imago/SKATA

Gregor Bloéb, Bühnenstar und Ehemann von "Vorstadtweib" Nina Proll, rechnet mit der Political Correctness ab und verrät sein Beziehungsgeheimnis.

News: Proll und Bloéb sitzen abends zusammen vor dem Laptop und amüsieren sich über die empörten Postings, die Prolls provozierende Metoo-Wortmeldungen auslösen: Ist das ein stimmiges Bild?

Gregor Bloéb: Vollkommen falsch, ich bin ja nicht einmal bei Facebook. Und außerdem ging es da nicht um Provokation, sondern letztendlich um eine Art von Selbstverteidigung: Sie sagte, dass sie noch nie sexuell belästigt wurde und bei Castings trotzdem die eine oder andere Rolle bekommen hat – und diese Aussage durfte sie anscheinend nicht kundtun.

Warum nicht?

Weil es die grassierende Political Correctness nicht zulässt, die behauptet, dass eine sexuelle Anzüglichkeit oder Anmache einmal prinzipiell etwas Böses ist. Die Möglichkeit, dass sie ja auch ein Kompliment sein kann, weil man jemanden interessant findet, oder schön oder einfach geil, die wird nicht zugelassen. Sexuelle Annäherung beinhaltet normaler Weise eigentlich nicht, dass ich jemanden deppert finde oder beruflich unfähig. Es ist absurd, das nur eine Haltung erlaubt wird . Nämlich die der Empörung

»Mobbing ist eine Erfindung aus Amerika«

Haben Sie diese Kombination aus Sexualität und Macht, bei der es in der Metoo-Debatte letztendlich geht, nie erlebt?

Nein, habe ich noch nicht erlebt, aber da bin ich auch mit Sicherheit der denkbar schlechteste Ansprechpartner, denn ich halte ja schon "Mobbing" für eine Erfindung aus Amerika: Warum geht man nicht einfach zu der betreffenden Person und fragt sie: „Warum willst du mich zur Schnecke machen, du Idiot?“ Warum kann der Mensch nicht mehr den Mund aufmachen? Hierarchien und Abhängigkeiten lasse ich nicht gelten. Jeder von uns ist von irgendjemandem abhängig, auch ich bin von Intendanten und Regisseuren abhängig, wie auch Regisseure und Intendanten von irgendwem abhängig sind. Es gibt schlicht und einfach keine Unabhängigkeiten, und mit dem Wissen kann ich dem anderen auch auf Augenhöhe begegnen, selbst wenn er ein Vorgesetzter ist. Wenn man sich nicht traut, muss man daran arbeiten. Aber natürlich ist es viel anstrengender zu sagen: “Ich bin anderer Meinung.“, als zu sagen „Ich bin verletzt."

© APA-FOTO: Robert Parigger Gregor Bloéb mit seiner Ehefrau Nina Proll

Den Zustand der Schwäche lassen Sie nicht gelten?

Doch, selbstverständlich, nur die Schwäche kann ja nicht die Regeln bestimmen.
Ein Beispiel: Als ich gerade in München am Theater war, mussten die Biergärten immer noch früher zusperren. Irgendwann war dann um 19:00 Uhr Schluss mit lustig, weil sich immer irgendein einzelner Anrainer gefunden hat, der es als "belästigend" empfunden hat.
Ein einziger schwacher, sensibler Mensch entscheidet, dass für hundert andere an einem hübschen Sommertag um 7 Uhr abends Sperrstund' ist? Die bayrische Landesregierung musste die Biergärten als "Kulturgut" gesetzlich verankern, damit man wenigstens bis 21.00 an einem lauschigen Abend draußen sein Bier trinken darf.

Es wird immer "Schwächere" und noch "Sensiblere" geben und der eine findet "Lärm", die andere "Sexualität" und der Dritte "unpassende Kleidung" als belästigend. Die Regeln erwachsenen Zusammenlebens können sich deswegen nicht an den Schwächsten orientieren, das geht sich nicht aus.

»Political Correctness ist eine einzige Augenauswischerei«

Wie ist denn das mit den Blowjob-Angeboten, derer Sie sich, wie Ihre Frau in einem Interview sagte, kaum erwehren können ?

Was meine Frau damit meint: Es gibt, was die sexuelle Aggressivität betrifft, keinen grundsätzlichen Unterschied zwischen Männern und Frauen. Es ist doch absolute Normalität, dass du als Mann auch manchmal einer ungustiösen Anmache ausgesetzt bist. Ja, das kann lästig sein, aber lästig ist eine Fliege auch.

Die Aufgabe von erwachsenen Menschen ist, dass man mit Lästigkeiten umzugehen hat. Wenn man eine genaue Definition haben will, was jetzt erlaubt ist und was nicht, dann beschneidet man auf der anderen Seite auch das Spiel, die Überraschung und die Neugierde. Das gibts dann halt auch nicht mehr.

Weil sie durch die Political Correctness unterbunden wird?

Die Political Correctness ist eine einzige Augenauswischerei, eine einzige Scheinheiligkeit, deswegen ist sie seit ihrer Erfindung ein einziges Versagen. In Wirklichkeit hat sie sich nie durchgesetzt: Wann sagt man Eskimo, wann Inuit? Geben sie mir die Antwort.

Hat sich das Binnen-I durchgesetzt, der Unterstrich? Es gibt nichts, was sich durchgesetzt hat. Entstanden ist eine einzige Verunsicherung die damit auch noch hausieren geht. Bei der großen, staatstragenden Eröffnung der Salzburger Festspiele kommt der Moment, wo alle aufstehen und die Bundeshymne singen. Es gibt mittlerweile nichts Peinlicheres. Es kommt zur Stelle "großer Söhne und Töchter" - Kameras zoomen. Man schaut auf die Lippen - singt er "Töchter Söhne" oder gar nur "Söhne" - Gelächter - beschämtes Gelächter. Danke, politische Correctness.
Daran sind letztendlich ja auch meine Grünen gescheitert: Nämlich, dass sie sich auf diese kleine Symbolpolitik beschränkt haben, die niemanden - niemanden, der halbwegs mit "zwoa Fiaß im Leben steht", wirklich interessiert.

Sind Sie ein Macho?

Was soll das sein? Sie reden mit jemandem der 20 Jahre seines Lebens Windeln gewechselt hat.

Wenn die Gattin zum Fußball das Bier serviert, ist das okay?

Wir haben bei uns zu Hause öfters berufliche Besprechungen in größerer Runde, manchmal geht es da um Ninas Projekte, manchmal um meine. Als es einmal um ihr Ding ging, habe ich gekocht, ein bisserl was serviert und mich ansonsten rausgehalten. Dann hatte ich ein Projekt, ein Produzent war da, ein Regisseur, ein Autor und meine Frau hat uns Kaffee und Kuchen gebracht und dabei eine Schürze getragen. Da haben die Männer alle geschaut: „Wahnsinn, was ist jetzt los?!“ Dabei ist es doch die größte Normalität, dass ich für meine Frau alles tue, was geht – und umgekehrt genauso. Nina fühlt sich jetzt nicht als Frau diskriminiert, wenn sie mir ein Bier bringt oder einen Kaffee macht. Ich fühle mich jetzt aber auch nicht als vollkommenes Weichei, wenn ich für sie koche. Diese Diskussionen kenne ich gar nicht, das sind Diskussionen, die es im normalen Leben bei normalen Menschen überhaupt nicht gibt. Das passiert nur in dieser "Medien-Künstler-Poltiker"– Landschaft. Die alleinerziehende Supermarktkassiererin macht sich darüber ganz sicher keine Gedanken und mein Elektriker-Freund auch nicht.

Durch die Metoo-Debatte steht Ihre Frau derzeit medial ziemlich im Fokus – ist es für Sie schwierig, als „der Mann von …“ apostrophiert zu werden?

Die Leute kommen zu mir und gratulieren mir zu meiner Frau, das ist doch etwas Schönes! Das kratzt nicht am Selbstbewusstsein - das schmeichelt.

Wie erziehen Sie eigentlich Ihre Kinder?

Ich bin ein vollkommener Anti-Erzieher, ich bin nur ein Vorleber. Vorleben ist das einzige, was funktioniert: Du kannst einem Kind zehnmal sagen, dass Rauchen ungesund ist – solang du selber rauchst, ist das unglaubwürdig und sinnlos, einen Pubertierenden zum Nichtraucher erziehen zu wollen. Was ich weiterzugeben versuche, ist viel Liebe und somit Selbstbewusstsein.

Es ist ganz, ganz wichtig, dass Kinder von klein auf lernen, Konflikte selbst zu lösen und mit Frustrationen und Niederlagen umzugehen. Auch sie haben das Recht zu scheitern und sich selbst aus dem Sumpf herauszuziehen. Wenn ich einem Kind zutraue, dass es etwas alleine schafft, wächst es daran und wird stärker.

»Beim Motorradfahren spüre ich einen gewissen Altersschub «

Sie wurden zu Jahresbeginn 50 Jahre alt – hatte das für Sie etwas Zäsurhaftes?

Bisher noch nicht, vielleicht kommt das noch mit 51. Naja, jetzt wo sie mich so fragen, vielleicht beim Motorradfahren spüre ich einen gewissen Altersschub, da kommt jetzt einfach auch Angst daher. Angst, sich zu verletzten. Und gewisse Dinge nicht mehr erledigen zu können. Ich hab immerhin 4 Kinder. Ich fühle mich nicht mehr so unbesiegbar.

»Ich tue alles, was sie möchte, und sie tut alles, was ich möchte«

Sie feiern im Sommer Ihren zehnten Hochzeitstag: Wie halten es zwei allein schon berufsbedingt egozentrierte Menschen so lange miteinander aus, gibt es da ein Geheimnis?

Das ist kein "Aushalten“, sondern ein tagtägliches "Genießen".

Ich tue alles, was sie möchte, und sie tut alles, was ich möchte. Und es fühlt sich keiner klein oder vernachlässigt, wenn er für den anderen da ist.

Kommentare

Ich mache € 91 pro Stunde von zu Hause aus. Ich war schockiert, als mein Nachbar mir sagte, dass er im Schnitt € 101 kostet, aber ich sehe, wie es jetzt funktioniert. Ich fühle so viel Freiheit, dass ich mein Chef bin ...

Das ist was ich tue ............>>>>>>>>>>>>>>>>>> ­w­w­w­.­H­a­n­d­e­l­9­0­.­c­o­m

Lucas Di Lorenzo

Herzerfrischen, klar und ehrlich. Endlich mal ein Statement was nicht von Political Correctness-Journalisten und sonstigen "Gutmenschen" manipuliert war. Es wird endlich Zeit, dass diese verlogene von Medien künstlich hochgespielte Diskussion auch mal
klar und authentisch gesagt wird, was sich die stille Mehrheit denkt.

Stephan Pestitschek

Endlich wieder ein Promi, der nicht mit dem Mainstream mitschwimmt und ohne nachzudenken das nachplappert, was die guten Vordenker vorschreiben. Wahrscheinlich sucht man jetzt auch in seiner Vergangenheit, ob er nicht doch als Kind "10 kleine N.gerlein" gehört hat. Dann trifft auch ihn die Zensur- und Nazi-Keule.

vielen herzlichen dank. man kommt allmählich doch zu der auffassung, dass nicht ALLE diesen schwachsinn gut finden! danke!

Domenicus Hagenauer

Sehr gut. Eines der besten Interviews die ich seit langem wieder gelesen habe. Trifft die Sache genau auf den Punkt.

Veronika Zolnaritsch

Gratulation, dem ist nichts hinzuzufügen, außer: Schwache dürfen nicht die Welt regieren, aber gehört müssen sie werden. Nicht alles ist unvernünftig ;) - und zu Mobbing: ja in vielen Fällen lässt man es einfach zu. Erzieht unsere Kinder zu selbstbewussten Menschen (zur Erklärung: das hat nichts mit Egoismus zu tun), dann wird es das eine oder andere Thema bald nicht mehr geben.

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