Reportage von

Ukraine: Als der Krieg kam...

NEWS über vier Schicksale, die der Krieg in Donbas schrieb

© Video: NEWS.AT

Sie hatten dem alten Mann geraten, wegzuziehen. Alles zurückzulassen, um sein Leben zu retten. Sie, das waren die Separatisten, die Rebellen, die neuen Herren hier. „Schau“, hatte ihm deren Kommandant zugeraunt, „du hörst ja, die Raketen schlagen schon ständig ein. Dein Haus liegt zwischen den Linien. Wir werden versuchen, es zu verteidigen. Aber du kannst dabei auch draufgehen. Es ist deine Wahl, Opa.“ Und so nahm Alexander Sergejewitsch seine Frau, packte ein paar Habseligkeiten und ging. Das war im Mai des vergangenen Jahres. Nur wenige im Westen ahnten damals, dass sich dort im Osten der Ukraine, in der Kohleregion Donbas, etwas zusammenbraute, das das weitere Schicksal Europas für immer verändern würde.

Nun steht Alexander Sergejewitsch inmitten des Schutts, trottet durch eine Ruine, die sein Haus war. Sieht er ein Papierstück am Boden liegen, bückt er sich langsam und prüft, ob er es noch brauchen kann. Er ist 64, hat wache Augen, aber Knochen, die ihm zu verstehen geben, dass er kein neues Haus mehr bauen wird. Er zeigt, wo die Küche lag, wo das Wohnzimmer, wo die Kammer, in der die Tochter aufwuchs. Als er und seine Frau nach ein paar Wochen zurückgekehrt waren, fanden sie ihr Haus so vor. „Ich weiß nicht mal, wer es zerschossen hat: die Unsrigen oder die aus Kiew“, sagt Alexander.

Mit den Unsrigen meint er die Separatisten, die hier in Slowjansk ihr Hauptquartier errichtet hatten. Als die ukrainische Armee den Belagerungsring zuzog, brachen sie aus und setzten sich in die Gebietshauptstadt Donezk ab. „Ich bin niemandem böse“, sagt Alexander, „aber ich begreife es nicht. Alles hat mit diesem Maidan in Kiew angefangen. Was war denn so schlecht an Präsident Janukowitsch? Wir hatten unsere kleine Rente und Frieden. Und jetzt? Hyperinflation, 70 Euro Pension und ein kaputtes Haus.“

Die ganze Story finden Sie im aktuellen NEWS - das ab sofort immer am Samstag erscheint - in Ihrem Zeitschriftenhandel oder als E-Paper-Version.

Kommentare