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Morbus Crohn: Ursachen,
Symptome und Behandlung

Nachgefragt - Morbus Crohn: Ursachen,
Symptome und Behandlung © Bild: iStockphoto.com

Manche Patienten haben bis zu 15 Mal täglich Stuhlgang. Auch in der Nacht. Unbehandelt geht Morbus Crohn mit einer enormen Einschränkung der Lebensqualität einher. Doch Betroffene sind der Erkrankung nicht hoffnungslos ausgeliefert. Prof. Harald Vogelsang von der Spezialambulanz für Morbus Crohn und Colitis ulcerosa klärt auf.

Was genau ist Morbus Crohn?

"Morbus Crohn ist eine entzündliche Darmerkrankung, die praktisch alle Teile des Darms betreffen kann", erklärt Vogelsang. Betroffen seien vor allem Menschen im jungen Erwachsenenalter. Meist kommt es zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr zu einem Ausbruch. Die Krankheit könne aber ebenso bei Kindern und älteren Personen auftreten. Morbus Crohn zählt zur Gruppe der Autoimmunerkrankungen. Die überschießende Entzündung kann den Darm regelrecht zerstören.

Wie erkenne ich Morbus Crohn?

Morbus Crohn zeigt sich auf sehr vielfältige Weise - meist in Form von chronischen Durchfällen mit flüssigem, teils blutigem Stuhl, die mehr als vier Wochen anhalten. Auch Bauchschmerzen sind möglich. "Sie sind ein Zeichen der Darmdehnung" erklärt der Internist, dem zufolge die Erkrankung anfangs oft einem Infekt gleiche. Mitunter treten auch Symptome auf, die man nicht zwingend mit Morbus Crohn in Verbindung bringen würde. "Manchmal hat man auch nur Fieber oder Gelenkschmerzen."

»Selbst wenn man eine genetische Veranlagung hat, muss man die Krankheit nicht bekommen«

Wie entsteht die Krankheit?

Morbus Crohn ist genetisch bedingt. Was aber noch lange nicht heißt, dass man zwangsläufig erkrankt, wenn eines der Elternteile betroffen ist. "Selbst wenn man eine genetische Veranlagung hat, muss man die Krankheit nicht bekommen", beruhigt der Experte der MedUni Wien. Es empfiehlt sich allerdings, Risikofaktoren wie Rauchen und Stress zu meiden. Auch Infektionen und diverse Medikamente können das Entstehen wie auch den Verlauf der Erkrankung fördern.

Was bedeutet Morbus Crohn für Betroffene?

Manche Patienten müssen aufgrund der Erkrankung zwei, drei Mal täglich die Toilette aufsuchen. Andere bis zu 15 Mal. "Darunter auch in der Nacht", erklärt Vogelsang. Besonders beeinträchtigend sei Morbus Crohn im jungen Erwachsenenalter. "Die Phase der Berufsausbildung, der sozialen Eingliederung und der Partnerfindung ist eine sensible, verletzliche Phase." Längere Krankheitsphasen, die mitunter einen Krankenhausaufenthalt fordern, wirken hier äußerst hemmend. Ganz zu schweigen von den Krankheitssymptomen.

Wie wird Morbus Crohn behandelt?

"Um die Erkrankung in den Griff zu bekommen, ist meist eine langfristige immunsuppressive Therapie notwendig", erklärt der Experte. Immunsuppressiv deswegen, weil Morbus Crohn eine Autoimmunerkrankung ist. Mit der richtigen Therapie könne man diese aber zum völligen Stillstand bringen. Und ohne Entzündung auch keine Symptome. Wichtig dabei sei eine möglichst frühe Diagnose. Denn je früher die Krankheit behandelt wird, desto besser ist in der Regel der Verlauf.

»Im schlimmsten Fall kann es zum Darmverlust kommen«

Wie gefährlich ist Morbus Crohn?

Wird die Krankheit nicht behandelt, schreitet sie unweigerlich voran. Damit einher geht eine krankhafte Veränderung der Schleimhaut vom Mund bis zum Anus. Es können sich Fisteln bilden, die operativ entfernt werden müssen. "Im schlimmsten Fall kann es sogar zum Darmverlust kommen", sagt Vogelsang. Je früher sich erste Symptome zeigen, desto schwerer für gewöhnlich der Verlauf. Zudem kann Morbus Crohn bei Kindern zu Wachstumsverzögerungen führen. "Wenn die Krankheit als Ursache rechtzeitig erkannt und behandelt wird, können sie aufholen", so der Experte. Wenn nicht, bleiben sie ihr Lebtag kleiner.

Müssen Betroffene Diät halten?

"Bisherige Studien konnten weder einen positiven noch einen negativen Einfluss der Ernährung auf die Erkrankung belegen", erklärt Vogelsang. So gelte für Betroffene in gleicher Weise wie für gesunde Personen herauszufinden, welche Lebensmittel man möglicherweise nicht verträgt. Doch selbst wenn man auf diese verzichte, habe das keinen wesentlichen Effekt auf den Verlauf der Krankheit.

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Hier finden Betroffene Rat und Hilfe:

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