Leiner-Haus: Benko im Visier der WKStA

Wien. Mariahilfer Straße 10 – 18. Dort stand Jahrzehnte lang das Flaggschiff der Möbelkette Leiner. Heute steht dort ein Rohbau des Kaufhauses Lamarr, das in Wien wie kein zweites Bauwerk den Niedergang der Signa symbolisiert. Seit Dezember 2023 stehen die Arbeiten still.

von Leiner-Haus: Benko im Visier der WKStA © Bild: imago images/VISTAPRESS

Der spektakuläre Immo-Deal rund um Weihachten 2017 wird seit Kurzem von der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) ganz genau unter die Lupe genommen. Im Zentrum: Der bankrotte Tiroler Immobilienspekulant René Benko und ein ehemaliger Top-Manager von Kika Leiner. Der Verdacht: Sie sollen laut einer "Krone" und "News" vorliegenden Strafanzeige damals gemeinsam zum Schaden des vorherigen Eigentümers der Liegenschaft, Kika Leiner, agiert haben. Der Vorwurf: Benko habe den damaligen Top-Manager von Kika Leiner dazu gebracht, das Haus viel zu billig an Benkos Immobiliengruppe zu verkaufen. Der Anzeiger: Der neue Besitzer der Kika-Leiner Immobilien. Durch den angeblich viel zu billigen Verkauf im Jahr 2017 soll ein Millionenschaden entstanden sein. Kika Leiner wurde bekanntlich im Mai 2023 von der Supernova-Gruppe des deutschen Unternehmers Frank Albert gekauft. Der damalige Verkauf des Kaufhauses in der Mariahilferstraße wurde in den letzten Monaten offensichtlich von den neuen Eigentümern des Möbelhändlers intern im Detail aufgearbeitet. Es geht um den Verdacht auf Untreue und schweren Betrug. Es gilt die Unschuldsvermutung.

Baustelle beim ehemaligen Leinerhaus auf der Mariahilferstraße, Wien.
© IMAGO/CHROMORANGE Baustelle beim ehemaligen Leinerhaus auf der Mariahilferstraße (Wien 2022)

Politische Rückendeckung durch Kurz

Bereits im Jahr 2019 hatte die Rechercheplattform "Addendum" auffällige Details zum spektakulären Deal enthüllt. So gab es beim Kauf durch Benko kurz nach Weihnachten 2017 sogar politische Rückendeckung durch den damals frisch angelobten Bundeskanzler Sebastian Kurz; man nahm im Sinne einer zügigen Abwicklung für Benko Einfluss auf das Grundbuchgericht und sprach später von "serviceorientierter Verwaltung".

Causa Benko, Dokumente
© News WERTSTEIGERUNG: Innerhalb weniger Monate wurde das Gebäude von Benkos Laura Privatstiftung mit ordentlichem Schnitt an die Signa-Gruppe weiterverkauft
Causa Benko, Dokumente
© News MEHRERE ANGEBOTE: Nicht nur Benkos Stiftung bot für das Leiner-Haus. Trotz höherer Angebote bekam der Immobilienjongleur den Zuschlag

Zwei weitere Angebote

Schon 2019 wurde von "Addendum" berichtet, dass für den Verkauf des überregional bekannten Leiner-Hauses in der Wiener Mariahilfer Straße 10 – 18 eine weitere Offerte vorgelegen sein soll, die signifikant über den von Benko gebotenen 60 Millionen Euro lag: Nämlich bei 90 Millionen. Heute liefert die Strafanzeige neue Details: Es soll sogar zwei höhere Angebote gegeben haben. Eines über 70 Millionen Euro von der WertInvest-Gruppe des Unternehmers Michael Tojner. Eines über 90 Millionen Euro durch die Welser XXXLutz-Gruppe. Dennoch erhielt Benko damals für 60 Millionen den Zuschlag. Federführend hatte dieser den Deal über die Weihnachtsfeiertage 2017 selbst verhandelt. Als "Addendum" später darüber berichtete, ließ Benko umgehend eine Klage einbringen.

Bereits damals war auffällig, dass Benko den supergünstigen 60-Millionen-Deal über seine Laura Privatstiftung und nicht etwa mit seinem damaligen unternehmerischen Flaggschiff Signa abschloss. Benkos Laura Stiftung machte mit dem Kaufhaus-Schnäppchen jedenfalls in kürzester Zeit einen ordentlichen Schnitt: Benkos Signa-Gruppe kaufte der Laura Stiftung die Immobilie rund ein Jahr später laut der nun vorliegenden Sachverhaltsdarstellung für 190 Millionen Euro ab.

Vormerkung im Grundbuch

Nun interessieren sich also offenbar auch die Oberstaatsanwälte der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft sowie die Ermittler der Soko Signa für das Immobiliengeschäft von damals. Für den laufenden Verkaufsprozess des ursprünglich als Kaufhaus Lamarr geplanten Shopping-Tempels verheißt die aktuelle Entwicklung jedenfalls nichts Gutes:

Aufgrund der Anzeige wurde eine Vormerkung über die laufenden strafrechtlichen Ermittlungen im Grundbuch erwirkt. Ein Umstand, der auf potenzielle Interessenten eher eine abschreckende Wirkung entfalten dürfte.

Causa Benko, Dokumente
© News GRUNDBUCH: Ein staatsanwaltschaftliches Ermittlungsverfahren dürfte den Verkauf erschweren

Die Causa Benko - News berichtete:

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