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Ist Christoph Kolumbus
"Amerikas erster Terrorist"?

So sehen indianische Ureinwohner den "Entdecker" Amerikas.

Christopher Kolumbus, Porträt von Sebastiano del Piombo © Bild: Wikimedia Commons

In der Schule wird uns beigebracht, Christoph Kolumbus hätte Amerika entdeckt. Der Segler gilt als mutiger und tollkühner Abenteurer, in den USA und Kanada gibt es sogar einen staatlichen Feiertag, der nach Kolumbus benannt wurde. Auch heute, wenn die Amerikaner und Kanadier zu "Thanksgiving" ihren traditionellen Truthahn verspeisen, ist die Kolonialisierung Lateinamerikas ein großes Thema. Doch gibt es an diesen Tagen wirklich Anlass zu feiern? Ein Video unterstreicht nun die Debatte darüber, ob Kolumbus nicht eher als "Terrorist" als als Nationalheld gelten sollte.

In einem YouTube-Video von WatchCut Video wird deutlich: Für viele ist Kolumbus nicht der Held, als der er weltweit gefeiert wird. Mit einem Wort beschreiben hier Amerikaner indigener Abstammung, was ihnen zum "Entdecker Amerikas" einfällt. "Das Böse, das pure Böse", sagt eine Frau mit traurigen Augen, "seine Gräueltaten, die er beging, waren grotesk und die Narben davon, sind bis heute zu spüren." Ein andere Frau meint: "Eindringling - Er hat sich verirrt, als er zu uns kam und nannte uns Indianer, weil er dachte, er wäre in Indien. Er ist keine gute Figur für die einheimische Gemeinschaft."

»Kolumbus hat Amerika gestohlen.«

"Mörder", "Rassist", "Vergewaltiger" - Kolumbus erscheint plötzlich in einem völlig anderem Licht. "Fuck Kolumbus" hört man noch. Und: "Er war der erste Terrorist Amerikas, so viel ist sicher", meint ein Mann. "Kolumbus hat Amerika gestohlen", sagt ein anderer.

© Video: www.youtube.com/user/watchcut

Diskussionen um den "Kolumbus Day" gibt es seit jeher - viele fordern, den Tag umzubenennen, in "Tag der indigenen Völker" oder "Immigration Day". Mit dem Video wollen amerikanische Ureinwohner an die dunkle Seite des "Thanksgiving"-Fests erinnern.

Fakten zu Christoph Kolumbus

Schon als junger Mann war Kolumbus von der Idee besessen, über die Westroute nach Asien zu gelangen. Aus Indien und dem Kaiserreich China bezogen die Europäer Gewürze, Seide und andere Reichtümer. Der Vormarsch der Osmanen versperrte ihnen den Landweg nach Fernost. Die Idee von Kolumbus war für die damalige Zeit revolutionär, weil sich die Ansicht noch nicht ganz durchgesetzt hatte, dass die Erde eine Kugel war. In Portugal, der wichtigsten Seemacht, legte er seinen Plan dem König dar. Die Portugiesen lehnten es aber schließlich ab, das Vorhaben zu finanzieren. Sie setzten darauf, über die Route um Afrika nach Asien zu gelangen. Auch die Spanier zögerten, aber Königin Isabella sagte nach längerem Hin und Her ihre Unterstützung zu.

Kolumbus
© 2006 AFP/Getty

Am 3. August 1492 stach Kolumbus mit drei Schiffen von Palos de la Frontera in See. Am 12. Oktober ertönt der ersehnte Ruf: "Land in Sicht." Der Admiral hatte die Neue Welt erreicht und ging auf einer Bahamas-Inseln an Land. Wenig später entdeckte er noch Kuba und schuf auf Hispaniola (heute Haiti und Dominikanische Republik) die erste spanische Kolonie in Übersee. Bei seiner Rückkehr nach Spanien wurde er begeistert gefeiert.

Er unternahm noch mehrere andere Reisen und starb in dem Glauben, den Seeweg westwärts nach China und Indien gefunden zu haben. Erst der Florentiner Seefahrer Amerigo Vespucci (1451-1512) lieferte die entscheidenden Anhaltspunkte dafür, dass es sich in Wirklichkeit um einen neuen Kontinent handelte. Nach ihm wurde Amerika dann auch benannt.

Völkermord. Der Dominikanermönch Bartolomé de Las Casas beschrieb in seiner Streitschrift "Kurzbericht über die Verwüstung Westindiens" (1542) wie die Spanier mit den Indianern umgingen. Er spricht in diesem Zusammenhang von Massenmorden, Verbrennungen, Vergewaltigungen und Zerstückelungen, wobei auch Kinder, Schwangere oder Alte nicht verschont wurden. Ob Kolumbus auch selbst für derartige Taten direkt verantwortlich war, ist unklar. Entgegen des ausdrücklichen Wunschs des spanischen Königspaar nahm Kolumbus Indianer als Sklaven, einen Teil davon schickte er während seiner zweiten Reise nach Spanien. Die Hälfte der versklavten Indianer überlebten die Überfahrt nicht.

Demografische Katastrophe. Zusammen mit anderen Ursachen, vor allem eingeschleppte Krankheiten, löste die von Kolumbus begonnene Kolonisation der Karibischen Inseln eine demografische Katastrophe aus. Auf den Karibikinseln wie vor allem der Insel Hispaniola kann man regelrecht vom Aussterben der Urbevölkerung sprechen. Hier ging die indigene Bevölkerung im Lauf der folgenden gut 150 Jahre insgesamt um circa 90 Prozent zurück. Auch in Europa breiteten sich Krankheiten wie Pocken, Pest und Typhus aber auch Grippe oder Masern pandemisch aus.

Kommentare

Lynxx

Martín Alonso Pinzón, Kapitän der Pinta, einem der beiden Begleitschiffe der Santa Maria, war einer der entschiedensten Förderer des Kolumbus und zugleich sein entschiedenster Gegenspieler. Wie es heißt, war er ein besserer Seefahrer als Kolumbus. Man ging so weit, Pinzón als den tatsächlichen „Entdecker Amerikas“ herauszustellen. Heute spricht niemand von Pinzón, sondern alle nur von Kolumbus.

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