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Volles Panini-Album kostet ohne Tauschen 1.500 Euro

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Die Panini-Alben genießen weltweit Kultstatus
Für viele Fans, vor allem Kinder, gehört das Sammeln von Panini-Pickerln zum fixen Bestandteil eines jeden Fußball-Großereignisses. Seit der WM 1970 produziert das norditalienische Unternehmen die klassischen Sammelalben zu den Männer-Weltmeisterschaften - nach der WM 2030 verlieren die Italiener jedoch das Milliardengeschäft an den US-Glücksspielkonzern Fanatics. Wer nicht mit anderen tauscht, muss mit Kosten von rund 1.500 Euro für ein volles Stickeralbum rechnen.

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Eine Packung mit sieben Stickern kostet in Österreich 1,50 Euro. Mit 980 Stickern ist die heurige Ausgabe die bisher umfangreichste. Das liegt daran, dass beim Turnier in den USA, Mexiko und Kanada erstmals 48 Teams auf 112 Seiten vertreten sind. Pro Land gibt es 20 Sticker mit 18 Spielern, dem Wappen des Teams und einem Mannschaftsfoto, dazu kommen Sonder-Sticker.

Das Heft enthält jedoch auch Spieler, die bei der WM fehlen werden. Der Grund dafür ist nach Panini-Angaben der frühe Redaktionsschluss. Da erst seit 1. Juni die Kader aller 48 Teilnehmerländer final feststehen, verspricht Panini aber ein "Update-Set". Dieses soll dann während der Weltmeisterschaft erscheinen. Aus Österreich finden sich die 18 Konterfeis alle auch im ÖFB-Kader wieder. Für den einzigen "Nuller" kann der Hersteller nichts: Offensivmann Christoph Baumgartner verletzte sich am Montag und muss bei der WM zuschauen.

Rein rechnerisch liegen die Kosten für ein vollständiges Album ohne doppelte Sticker bei 210 Euro. Da man doppelte Pickerl aber nicht verhindern kann, liegen die wahren Kosten um ein Vielfaches höher. Eine vom deutschen Nachrichtenportal "Focus online" durchgeführte "Monte-Carlo-Simulation", die auch im Glücksspielsektor angewendet wird, ergab, dass im Schnitt über 1.000 Packungen gekauft werden müssten, um das Heft voll zu kriegen. Das entspricht Kosten von 1.549,36 Euro, bei einer Fehlertoleranz von 15 Euro.

Laut Panini wird jeder Sticker gleich oft gedruckt. Es empfiehlt sich daher, seine doppelten Sticker mit anderen Sammlerinnen und Sammlern zu tauschen, entweder online, in der Schule oder auf Tauschbörsen. Für die letzten 50 noch fehlenden Sticker bietet Panini einen Nachbestellservice an.

Die Panini-Pickerl werden in Österreich in rund 7.000 Geschäften verkauft. Das Sammelfieber dürfte hierzulande stärker verbreitet sein als in Deutschland oder der Schweiz. "Genau beziffern können wir das nicht, aber wenn man die Abverkäufe mit den Einwohnern ins Verhältnis setzt, sind die Österreicher Spitzenreiter dieser drei Länder, trotz einer 'wiedererstarkten' Nachfrage aus Deutschland, verglichen mit der WM 2018 und 2022. Dass sich aber der ÖFB für die WM 2026 qualifiziert hat, gibt natürlich auch noch mal einen Boost in Österreich", erklärte eine Panini-Sprecherin auf APA-Anfrage.

Panini mit Sitz in Modena bringen die Fußball-Sticker einen Milliardenumsatz. Laut einem Bericht des US-Portals "The Athletic" kalkulieren die Italiener heuer mit Einnahmen von mehr als 1,2 Mrd. Euro, bei der nächsten WM 2030 sollen es 1,3 Mrd. Euro sein. Das Unternehmen produziert zwar auch Sammelkarten für Mangaklassiker wie "Dragon Ball", Kollektionen für Disney-Serien oder "Marvel"-Superhelden, das Kerngeschäft sind aber die Fußball-Großereignisse.

Doch die Panini-Ära geht zu Ende. Die Panini-Sammelalben gehören nach der WM 2030 und 60 Jahren auch bei FIFA-Turnieren der Geschichte an. Der Fußball-Weltverband schloss mit Fanatics, dem Mutterkonzern des US-Herstellers Topps, einen ab 2031 gültigen Langfristlizenzvertrag für Sammelkarten und Pickerln ab. Die UEFA hatte die Zusammenarbeit mit Panini bereits vor der EM 2024 beendet, auch der Europaverband setzt seither auf Topps.

Mit Fanatics erwirbt die Rechte ausgerechnet ein Unternehmen, das neben Lizenz-Artikeln auch Sportwetten und Onlinecasinos anbietet. Zwar ist das Sticker-Sammeln rechtlich gesehen kein Glücksspiel, aus psychologischer Sicht weist es aber Parallelen dazu auf, weil das Öffnen der Packerln - wie auch sogenannte Lootboxen in Computerspielen - im Belohnungszentrum des Gehirns eine ähnliche Dynamik erzeugen kann. Das Prinzip der künstlichen Verknappung seltener "Glitzer-Bilder" triggert zudem Dopamin-Ausschüttungen wie beim Glücksspiel.

Fans hingegen betrachten das Sammeln oft auch als eine Art Investition. Rare Sticker und ganze Alben früherer Turniere werden online um hohe Summen angeboten. 2021 wurde ein Panini-Sticker von 1979 mit dem damals 19-jährigen Diego Maradona für rekordverdächtige 470.000 Pfund (543.600 Euro) versteigert.

Panini und Fanatics bekämpfen sich in den Vereinigten Staaten auch vor Gericht. Panini wirft dem Rivalen vor, durch den Erwerb vieler hochwertiger Sportlizenzen den US-Markt monopolisiert zu haben und das Geschäftsmodell von Panini zu untergraben. Fanatics wiederum hält Panini vor, den Spielern potenzielle Tantiemen vorzuenthalten und den Zweitmarkt, auf dem teils hohe Summen erzielt werden, Drittanbietern wie Ebay zu überlassen. Fanatics will diesen Zweitmarkt mit einer eigenen Plattform kontrollieren.

Der Machtkampf zwischen Panini und Fanatics wirkte sich bei der letzten Europameisterschaft auch auf die Sammelhefte aus. Im offiziellen Topps-Stickeralbum von Fanatics fehlten nicht nur Stars wie der deutsche Torhüter Manuel Neuer oder der Franzose Kylian Mbappe, sondern auch die Logos und Trikots mehrerer Nationen, weil sie Exklusivverträge mit Panini hatten.

Unter den weltweit mehr als 100 Millionen Sammelwütigen befindet sich übrigens auch der eine oder andere Spieler selbst. Panini-Lizenzdirektorin Elisabetta Mussini schilderte dem deutschen "Spiegel" in einem Interview kürzlich, einem Profi ein volles Album geschickt zu haben. "Wir haben das mal bei einem spanischen Nationalspieler gemacht, der sich dann umgehend meldete und eine neue Sendung verlangte, mit separaten Stickern - er wollte sie unbedingt selbst einkleben."

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