Später zahlen wird schwieriger: Was sich ab 20. November beim Kauf auf Rechnung für Sie ändert
Ab 20. November gilt in Österreich ein neues Verbraucherkreditgesetz. Es erfasst erstmals auch „Jetzt kaufen, später zahlen“ und viele Rechnungskäufe. Was die strengere Prüfung für Ihre Online-Einkäufe bedeutet und welche Ausnahmen es gibt.

Wer im Internet auf Rechnung oder in Raten einkauft, muss sich ab 20. November auf neue Regeln einstellen. An diesem Tag tritt in Österreich das Verbraucherkreditgesetz 2026 in Kraft. Es erfasst erstmals auch zins- und gebührenfreie Zahlungsaufschübe, also Modelle wie „Buy now, pay later“ und viele Käufe auf Rechnung, wie sie Zahlungsdienste wie Klarna anbieten. Vor solchen Geschäften muss künftig die Kreditwürdigkeit geprüft werden. Fällt die Prüfung negativ aus, darf der Zahlungsaufschub nicht gewährt werden.
Ausgenommen bleiben unter bestimmten Bedingungen Rechnungskäufe, bei denen der Händler selbst die Zahlungsfrist gewährt. Wer bar, per Vorauskasse oder mit einer gängigen Kreditkarte zahlt, ist von der Neuerung nicht betroffen.
Ab 20. November gilt ein neues Gesetz
Grundlage ist eine EU-Richtlinie über Verbraucherkreditverträge aus dem Jahr 2023, die ab 20. November 2026 in allen Mitgliedstaaten anzuwenden ist. Der Nationalrat hat das österreichische Umsetzungsgesetz am 21. Mai 2026 beschlossen, mit den Stimmen von ÖVP, SPÖ und NEOS. Am 10. Juni wurde es im Bundesgesetzblatt kundgemacht.
Das bisherige Verbraucherkreditgesetz aus dem Jahr 2010 tritt mit Ablauf des 19. November außer Kraft. Für Verträge, die bis dahin abgeschlossen wurden, gilt es grundsätzlich weiter. Wer also vor dem Stichtag auf Rechnung bestellt hat, muss nichts unternehmen.
Welche Zahlungsarten betroffen sind
Neu ist, dass auch Zahlungsaufschübe ohne Zinsen und Gebühren als Kredit gelten können. Die Wirtschaftskammer nennt in ihrem Überblick für Onlinehändler ausdrücklich „Buy now, pay later“ und den „Kauf auf Rechnung, in 30 Tagen zahlen“ als Beispiele. Nicht erfasst sind Sofortzahlung, Vorauskasse und gängige Kreditkarten.
Ob ein Rechnungskauf unter das Gesetz fällt, hängt davon ab, wer die Zahlungsfrist gewährt und wie lange sie läuft. Ausgenommen ist laut Paragraf 39 des Gesetzes ein Aufschub, den der Händler selbst gewährt, ohne dass ein Dritter einen Kredit anbietet. Der Preis muss dabei zins- und gebührenfrei sein und spätestens 50 Tage nach der Lieferung vollständig bezahlt werden.
Für große Onlinehändler ist die Grenze enger: Wer kein kleines oder mittleres Unternehmen ist und im Internet verkauft, ist nur dann ausgenommen, wenn innerhalb von 14 Tagen gezahlt wird und kein Dritter die Forderung übernimmt. Bietet ein Zahlungsdienstleister den späteren Bezahlvorgang an, greift die Ausnahme laut Wirtschaftskammer nicht. Wann genau ein Dritter beteiligt ist, sei rechtlich allerdings noch nicht in allen Fällen geklärt.
Strengere Prüfung, keine Daten aus sozialen Netzwerken
Kern der Neuerung ist die Prüfung der Kreditwürdigkeit. Der Kreditgeber muss vor Vertragsabschluss eingehend prüfen, ob die Rückzahlung wahrscheinlich ist, und darf den Kredit bei einem negativen Ergebnis nicht vergeben. So fasst es das Justizministerium in seiner Information zur Kundmachung zusammen. Wird automatisiert bewertet, haben Kundinnen und Kunden ein Recht darauf, dass ein Mensch eingreift.
Daten aus sozialen Netzwerken dürfen für die Prüfung nicht herangezogen werden, ebenso wenig besonders sensible Daten wie etwa Gesundheitsdaten. Außerdem darf kein Kredit ohne vorherigen Antrag gewährt werden. Gerät jemand mit Zahlungen in Rückstand, ist der Kreditgeber künftig zu Nachsichtsmaßnahmen verpflichtet.
14 Tage Rücktrittsrecht und ein Warnhinweis
Wer einen Kreditvertrag abschließt, kann laut Paragraf 25 innerhalb von 14 Tagen ohne Angabe von Gründen zurücktreten. Fehlen die vorgeschriebenen Vertragsinformationen, verlängert sich diese Frist auf bis zu zwölf Monate und 14 Tage.
Auch für die Werbung gelten strengere Vorgaben. Sie muss einen Warnhinweis wie „Achtung! Kreditaufnahme kostet Geld“ enthalten. Verboten ist Werbung, die nahelegt, ein Kredit verbessere die finanzielle Lage oder ersetze Ersparnisse.
Was das für Ihren nächsten Einkauf bedeutet
Für Kundinnen und Kunden kann der Kauf auf Rechnung künftig einen zusätzlichen Prüfschritt bedeuten. Wer die Prüfung nicht besteht, muss auf eine andere Zahlungsart ausweichen. Wie streng die einzelnen Anbieter prüfen und wie sie ihre Bezahlvorgänge umstellen, entscheiden sie selbst.
Die Regeln gelten nicht nur in Österreich. Auch Deutschland hat die EU-Richtlinie umgesetzt, laut Bundesregierung treten die neuen Kreditregeln dort ebenfalls im November 2026 in Kraft und erfassen ausdrücklich auch „Buy now, pay later“.
Quellen
RIS, Bundesgesetzblatt: Verbraucherkreditrechts-Änderungsgesetz 2026, BGBl. I Nr. 36/2026 (10.06.2026)
Parlament Österreich: Verbraucherkreditrechts-Änderungsgesetz 2026, Regierungsvorlage 473 d.B. (2026)
oesterreich.gv.at: Veröffentlichung im Bundesgesetzblatt: Verbraucherkreditrechts-Änderungsgesetz (VerKRÄG 2026) (10.06.2026)
Wirtschaftskammer Österreich: E-Commerce: Verbraucherkreditgesetz 2026 im Überblick (2026)
EUR-Lex: Richtlinie (EU) 2023/2225 über Verbraucherkreditverträge (2023)