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UniCredit plant Russland-Teilausstieg mit Milliardenverlust

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Deal kostet UniCredit bis zu 3,3 Mrd. Euro
©Afp, APA, GABRIEL BOUYS
Die italienische Bank-Austria-Mutter UniCredit will sich mit einem Verlust von bis zu 3,3 Mrd. Euro von einem Teil ihres Russlandgeschäfts trennen. UniCredit habe eine unverbindliche Vereinbarung mit einem privaten Investor aus den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) unterzeichnet, teilte das Mailänder Geldhaus am Donnerstag mit. Ob das Geschäft tatsächlich zustande kommt, ist jedoch offen. Ein Abschluss wird von der UniCredit für das erste Halbjahr 2027 erwartet.

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Der Deal stehe aber noch unter dem Vorbehalt bindender Verträge und behördlicher Genehmigungen. Der Deal würde zu einer Ertragsbelastung von 3,0 bis 3,3 Mrd. Euro führen. Eine Entscheidung über den Teilverkauf ist nach Angaben der Regierung in Moskau noch nicht gefallen. "Sobald ein entsprechender Antrag gestellt wird, wird er geprüft", sagte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow. Er verwies auf ein komplexes Genehmigungsverfahren, bei dem Faktoren wie Gegenseitigkeit und die aktuelle wirtschaftliche Lage berücksichtigt würden.

Mit dem Schritt will UniCredit den Rückzug aus Russland weiter vorantreiben. Die Transaktion soll nach Angaben der Unicredit so umgesetzt werden, dass Kontinuität und Stabilität für Kunden und Beschäftigte gewährleistet bleiben. Kunden sollen während des gesamten Prozesses weiterhin Zugang zu den bestehenden Zahlungsdiensten behalten. Vorgesehen ist eine beschleunigte Übergangsphase, in deren Verlauf zwei getrennte Banken mit jeweils klaren Geschäftsmodellen entstehen sollen.

Geplant ist ein Spin-off eines Teils der Aktivitäten in eine neue Einheit, während die verbleibenden Geschäfte an den Käufer gehen sollen. UniCredit soll nach Abschluss 100 Prozent der neuen Bank halten, der Käufer 100 Prozent der verbleibenden Bank. UniCredit will so eine neue Einheit zur Abwicklung internationaler Zahlungen für nicht sanktionierte Firmenkunden behalten, während der Rest an den Käufer aus den Emiraten gehen soll.

Auswirkungen auf die Dividendenpolitik der Unicredit soll es trotz des hohen, teils währungsbedingten Verlusts nicht geben. Wegen geringerer Extremrisiken rechnet die Bank mit einem positiven Effekt auf die Kapitalausstattung. Auch die Gewinnziele des Plans "UniCredit Unlimited 2028-2030" bleiben nach Unternehmensangaben unverändert.

Auf Druck der Europäischen Zentralbank (EZB) und der italienischen Regierung - die in den russischen Interessen der Bank eine Gefahr für die nationale Sicherheit sah - fuhr UniCredit ihre Präsenz zuletzt zurück. So halbierte die russische Tochter AO Bank ihr Kreditvolumen im vergangenen Jahr auf 600 Millionen Euro, der Nettogewinn stieg jedoch auf 814 (577) Millionen Euro. Bankchef Andrea Orcel hatte in der Vergangenheit stets betont, das Russlandgeschäft nicht wie einige Konkurrenten mit Verlust verkaufen zu wollen.

Neben der UniCredit ist auch die Raiffeisen Bank International (RBI) noch in Russland vertreten. Die RBI hat in den vergangenen Jahren bereits mehrere Versuche gestartet, sich von ihrer Russland-Tochter zu trennen, ist bisher aber jedes Mal gescheitert. Sie treibt jedoch den Abbau des Russland-Geschäfts weiter voran. Ihre belarussische Tochter konnte die RBI jedoch an die Soven 1 Holding Limited aus den Vereinigten Arabischen Emiraten verkaufen.

Ein Rückzug westlicher Banken aus Russland ist seit dem Ausbruch des Krieges in der Ukraine mit hohen Hürden verbunden. Nach russischen Vorgaben müssen Unternehmen aus sogenannten "unfreundlichen Staaten", also Ländern mit Sanktionen gegen Russland, bei einem Verkauf in der Regel hohe Abschläge hinnehmen und eine erhebliche Abgabe an den Staat leisten.

Eine weitere in Russland vertretene italienische Bank, Intesa Sanpaolo, erhielt zwar bereits im September 2023 das für den Verkauf erforderliche Präsidialdekret, wartet aber weiterhin auf die Freigabe der Zentralbank. Dass solche Vorhaben auch scheitern können, zeigt das Beispiel der niederländischen Bank ING. Das Institut hatte den Verkauf seines Russlandgeschäfts bereits angekündigt, die Transaktion später jedoch abgesagt, da der Käufer die nötigen Genehmigungen nicht erhielt. Einigen Instituten gelang der Ausstieg dennoch: Die französische Societe Generale verkaufte ihr Russlandgeschäft 2022, die britische HSBC schloss ihren Ausstieg 2024 ab.

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