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Dem Erfolg tun auch die Millionenstrafen in Sachen Baukartell, die Gerichtsverfahren rund um den sanktionierten russischen Großaktionär Oleg Deripaska und der lahmende Wohnungsneubau in Österreich keinen Abbruch. Wachstumstreiber waren den Konzernangaben zufolge der Infrastrukturbau in den Bereichen Mobilitäts-, Energie- und Wasserinfrastruktur sowie der Hightech-Industriebau. Zu den Aufträgen gehören etwa die Südlink-Stromtrasse in Deutschland sowie Halbleiter- und Hightech-Produktionsstätten und Rechenzentren.
Auch der Bereich "Defense" wachse stark. Gemeint ist damit die Errichtung von Infrastruktur, die militärisch genutzt wird. Bei der Strabag entfallen aktuell etwa 400 Mio. Euro an Bauleistung auf dieses Geschäftsfeld. "Wir bauen Mannschaftsquartiere, einen NATO-Flughafen und Spitäler", zählte Kratochwill exemplarisch auf. Generell sei Infrastruktur im Verteidigungsbereich die Basis, vor allem auch Brücken.
"Das ist schon ein stark wachsendes Geschäftsfeld", vermerkte Finanzvorstand Christian Harder. Das sei nicht nur in Deutschland, sondern in ganz Osteuropa ein Thema. "Es wird überall aufgerüstet - das ist wirklich ein Markt, der uns in den nächsten Jahren sehr stark beschäftigen wird", bekräftigte der CFO.
Als Herausforderungen im abgelaufenen Jahr nannte der Konzern den späten Budgetbeschluss in Deutschland sowie fehlende kommunale Mittel in Österreich. Auch die saftigen Millionenstrafen in der Causa Baukartell hinterließen Spuren im Ergebnis der Strabag auf dem heimischen Markt.
"Österreich entwickelte sich trotz angespannter Gemeindefinanzen und schwachem Wohnungsbau nahezu stabil", berichtete Harder mit Blick auf die Produktionsleistung. Der Gewinn vor Zinsen und Steuern (EBIT) war allerdings rückläufig, sagte der Finanzvorstand mit Blick auf den Einzelmarkt. "Die sehr guten Ergebnisse des Vorjahres konnten nicht wiederholt werden." Das sei zum einen auf die Auswirkungen der fehlenden kommunalen Mittel und zum anderen auf Belastungen im Zusammenhang mit dem Kartellverfahren zurückzuführen.
Zunächst hatte die Strabag in der Affäre Baukartell als Kronzeuge eine Buße von 45,4 Mio. Euro ausgefasst. Das Verfahren wurde aber wegen neuer Beweismittel neu aufgerollt. Heuer im März hat das Wiener Kartellgericht dem Baukonzern schließlich den Kronzeugenstatus aberkannt und die Kartellstrafe auf 146 Mio. Euro - die mit Abstand höchste je in Österreich verhängte Summe - empfindlich nach oben gesetzt.
Gebremst ist die Stimmung auch im Wohnungsbau in Österreich. "Angebot und Nachfrage gehen immer noch weit auseinander", kritisierte Kratochwill. Der Wohnungsbau sei "immer noch auf einem sehr niedrigen Niveau". Jährlich müssten 70.000 neue Wohnungen gebaut werden, um den Bedarf zu decken. Doch die Baugenehmigungen seien gegenüber 2022 um 50 Prozent zurückgegangen. "Gleichzeitig wächst die österreichische Bevölkerung und der Leerstand ist quasi abgebaut", so der CEO.
Die Baukosten seien gestiegen, teure Grundstücke ein "Preistreiber". Auch die restriktive Kreditvergabe der Banken führte der Strabag-Chef als Manko ins Treffen. Innerhalb des Konzerns macht der Bereich Wohnbau allerdings nur 7 Prozent der Produktionsleistung aus. Für den Sektor Immobilien-Development geht Kratochwill davon aus, "dass die Talsohle durchschritten" ist. "Einen spürbaren Anstieg erwarten wir jedoch nicht vor 2027."
Der Auftragsbestand des Gesamtkonzerns lag 2025 mit 31,37 Mrd. Euro und einem Plus von 24 Prozent erstmals über der 30-Milliarden-Euro-Marke. Der Personalstand der Strabag vergrößerte sich von weltweit 78.174 Beschäftigten auf 80.211 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.
"Mit dem Markteintritt in Australien, dem Ausbau unseres Wasserinfrastrukturgeschäfts sowie Lösungen für leistbares Wohnen ist es uns gelungen, entscheidende Schritte zu setzen - gleichzeitig haben wir ein operativ starkes Ergebnis erwirtschaftet", hatte Kratochwill bei der Ergebnisbekanntgabe in der Früh zusammenfassend erklärt.
Die Strabag übernahm rund um den Jahreswechsel 2024/25 die australische Georgiou Group, die auf Straßen- und Infrastrukturbau spezialisiert ist. Der Neuerwerb habe im abgelaufenen Geschäftsjahr bereits über 500 Mio. Euro an Infrastrukturaufträgen gebracht und 800 Mio. Euro zum Auftragsbestand beigetragen. Das Gros der Aufträge kam aber aus Deutschland und Großbritannien. Auf die Australien-Tochter war laut Finanzvorstand Harder 2025 auch "rund die Hälfte des Leistungsanstiegs" zurückzuführen. Am stärksten gewachsen seien aber Polen, Tschechien und Deutschland.
Die Strabag erwarb weiters die deutsche Umwelttechnik-Tochter Wassertechnik GmbH (WTE) mit über 500 Ingenieurinnen und Ingenieuren vom niederösterreichischen Versorger EVN. "Damit sind wir zum Komplettanbieter für Wasserinfrastruktur geworden", hielt Kratochwill fest.
"Für 2026 gehen wir von einer Leistung von rund 22 Mrd. Euro aus, was einem Zuwachs von rund 8 Prozent entspricht", stellte der Konzernchef in Aussicht. Die Prognose stützt sich auf den hohen Auftragsbestand und erwartete Beiträge aus den erfolgten Übernahmen. Einen Dämpfer erwartet die Strabag allerdings bei der EBIT-Marge, die auf 5 bis 5,5 Prozent zurückgehen soll. "Es lassen sich nicht alle Ergebnisbestandteile aus dem Vorjahr wiederholen", so der CEO.
Bei den Investitionen werde heuer mit höchstens 1,4 Mrd. Euro - vornehmlich für Akquisitionen und Baumaschinen - gerechnet. 2025 hatte sich der Cashflow aus der Investitionstätigkeit auf 813,35 Mio. belaufen. Zu Buche schlug dabei etwa die Übernahme in Australien. Derzeit läuft die Akquisition des britischen Tiefbauspezialisten Van Elle mit über 600 Beschäftigten und einem Jahresumsatz von rund 150 Mio. Pfund (rund 173 Mio. Euro), die sich die Strabag knapp 59 Mio. Pfund kosten lässt. "Das Closing erwarten wir im Jahr 2026", sagte Kratochwill, also noch heuer.
Infolge des Iran-Krieges seien derzeit Preissteigerungen bei einzelnen Inputfaktoren wie Treibstoff, Gas und Bitumen zu beobachten. Die Auswirkungen hängen den Angaben zufolge maßgeblich von der Dauer des Kriegs ab. Die Strabag arbeite mit unterschiedlichen Vertragsmodellen und setze soweit möglich Preisgleitklauseln ein. Grundsätzlich verfolgt der Konzern "eine lokal und langfristig ausgerichtete Beschaffungspolitik mit längerfristigen Rahmenvereinbarungen". Die Resilienz des Geschäftsmodells habe sich bereits während der COVID-19-Pandemie gezeigt, die ebenfalls von erheblichen Preissteigerungen geprägt gewesen sei.
Für die weitere Zukunft gute Geschäfte erwartet sich die Strabag auch in Deutschland. Die dortige Regierung will im Rahmen des sogenannten "Sondervermögens" 500 Mrd. Euro in die Infrastruktur investieren. "Die erhöhte Ausschreibungstätigkeit sehen wir noch nicht", stellte Kratochwill fest. Die ersten nennenswerten Projekte könnten "ab Ende 2026 auf den Markt kommen". Für heuer seien in Deutschland immerhin 22 Mrd. Euro für Straßen- und Bahnbau geplant. Die Infrastruktur in Deutschland sei in der Vergangenheit "einfach kaputtgespart worden".






