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Die Forschungsinstitute haben die österreichische Ölversorgung analysiert. Die Ergebnisse zeigen, dass 94 Prozent des in Österreich verbrauchten Rohöls über die Trans-Alpine-Pipeline (TAL) ins Land kommen, die vom Hafen im italienischen Triest nach Österreich und weiter nach Deutschland verläuft. Die restlichen sechs Prozent des hierzulande verbrauchten Öls stammen aus der heimischen Produktion am Ölfeld Matzen. Die TAL sei damit "der mit Abstand kritischste Infrastrukturpunkt der österreichischen Energieversorgung", hieß es in der Aussendung.
Die Verwundbarkeit der österreichischen Versorgung hat sich laut den Forschenden zuletzt gezeigt, als ein beschädigter Strommast in Udine den Ölfluss über die TAL für drei Tage lahmgelegt hatte.
Rund 52 Prozent des österreichischen Öls kommen aus Kasachstan: Es fließt über die CPC-Pipeline (Caspian Pipeline Consortium) zum russischen Schwarzmeerhafen Noworossijsk und wird von dort per Tanker nach Triest verschifft. Der Exportterminal in Noworossijsk sei in den vergangenen Wochen mehrfach von ukrainischen Drohnen getroffen worden, die kasachischen CPC-Exportanlagen seien bisher unbeschädigt geblieben, so die Forschenden.
Die Exportrouten der österreichischen Ölversorgung "zählen heute zu den am stärksten konfliktbelasteten der Welt", sagte Studienautor Stefan Thurner, Präsident des Complexity Science Hub, laut Aussendung. "Was unsere Analyse sichtbar macht, ist die extreme Konzentration: Wenn 94 Prozent der Ölversorgung über einen einzigen Korridor laufen, reicht eine einzige Störung, um die gesamte Lieferkette unter Druck zu setzen", so Peter Klimek, Direktor des ASCII.
Österreich hält eine strategische Ölreserve, die für 100 Tage normalen Verbrauch reicht. Die Studie beleuchtet in drei Szenarien mögliche Versorgungsausfälle.
Im ersten Szenario wurde der Ausfall der Nahost-Importe modelliert, was 12 Prozent der österreichischen Importe entspricht. Die Reserve würde hier graduell sinken und wäre bei unverändertem Verbrauch nach etwas über zwei Jahren aufgebraucht. Im Szenario 2, bei einem Ausfall des kasachischen Öls, was 55 Prozent der Importe entspricht, wären die österreichischen Vorräte nach rund sechs Monaten erschöpft. Bei einer vollständigen Schließung der TAL, Szenario 3, was praktisch 100 Prozent der Importe betreffen würde, würde die Reserve für weniger als vier Monate reichen.
"Das unterstreicht die Notwendigkeit einer deutlich diversifizierteren Energieversorgungsinfrastruktur und verstärkter Anstrengungen zur Verringerung der Energieabhängigkeit in den kommenden Jahren", so Thurner.
Angesichts der Verwerfungen auf den internationalen Energiemärkten plädierte der europäische Akademienverbund EASAC zuletzt auch für rasches Handeln in Sachen Energiewende. "Es scheint, dass Europa von einer Energiekrise zur nächsten taumelt", sagte Neven Duić, Professor an der Universität Zagreb, vergangene Woche. Auch er kritisierte Europas Import-Abhängigkeit bei fossilen Brennstoffen, die Lösung sieht er im Umstieg auf "lokale, erneuerbare Energiequellen".






