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Benko, Kurz und der Staatsfonds: Kein Märchen aus 1001 Nacht

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Sebastian Kurz und René Benko

©APA-Images / APA / Helmut Fohringer

Das Internationale Schiedsgericht der ICC sprach dem Staatsfonds Mubadala knapp 700 Millionen Euro zu. Betroffen ist auch die Laura Privatstiftung der Familie Benko. News-Recherchen zeigen: In der Vorgeschichte spielte ein ehemaliger Bundeskanzler eine zentrale Rolle.

René Benko hatte sich bereits Jahre zuvor um Kapital aus dem arabischen Raum bemüht. Doch der große Durchbruch blieb zunächst aus. Selbst der bestens vernetzte Investor Martin Schlaff wurde im Herbst 2017 eingeschaltet, um Kontakte zu intensivieren und das erhoffte Investment aus Abu Dhabi voranzubringen. Ohne nachhaltigen Erfolg.

Der Türöffner

Erst mit dem politischen Machtwechsel in Wien änderte sich die Dynamik. 2018 reist eine österreichische Wirtschaftsdelegation unter Führung des damaligen Bundeskanzlers Sebastian Kurz nach Abu Dhabi. Offiziell geht es um Wirtschaftsbeziehungen und Investitionen. Mit an Bord: René Benko.

In den darauffolgenden Jahren fließen Hunderte Millionen Euro aus dem Staatsfonds Mubadala in die Signa-Gruppe. Für Benko wird die Reise mit dem damaligen Kanzler zum Wendepunkt.

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Reise-Diplomatie: Sebastian Kurz und René Benko teilten über Jahre ein ausgeprägtes Interesse am arabischen Raum.

 © APA-Images / APA / Helmut Fohringer

Wie eng Sebastian Kurz und René Benko schon in dieser Phase miteinander verwoben waren, zeigt eine Nachricht Benkos an einen Top-Mubadala-Manager. Darin heißt es sinngemäß: Er habe in der vergangenen Woche mit Bundeskanzler Sebastian Kurz gesprochen.

Dieser habe ihm berichtet, er habe vor wenigen Tagen mit Scheich Mohammed bin Zayed Al Nahyan telefoniert – zur Vorbereitung des Staatsbesuchs in Österreich. Dabei sei auch das Joint Venture mit Signa zur Sprache gekommen. Beide Seiten würden diese Zusammenarbeit als Chance sehen, die strategische Partnerschaft zwischen Abu Dhabi und Österreich zu vertiefen. Zudem solle er die besten Grüße des Bundeskanzlers übermitteln.

Offenbar eine Botschaft mit Signalwirkung. Schon wenig später intensivierten sich die Gespräche zwischen Mubadala und der Signa-Gruppe weiter.

Das Abendessen im Penthouse

Es war kein offizieller Termin einer Wirtschaftsdelegation. Keine Presse, kein Protokoll. Am 4. Februar 2020 um 19 Uhr trafen sich im Penthouse von René Benko am Wiener Fleischmarkt hochrangige Vertreter des Staatsfonds Mubadala mit dem Immobilienunternehmer – und mit dem damaligen Bundeskanzler Sebastian Kurz wie News-Recherchen erstmals zeigen. Auch der damalige OMV-Chef Rainer Seele soll an dem Abend anwesend gewesen sein. Ein vertrauliches Treffen im kleinen Kreis, fernab öffentlicher Aufmerksamkeit.

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Diskretes Treffen: Im Jänner 2020 lud René Benko die Staatsfondsmanager zum Dinner in sein Wiener Penthouse ein.

 © NEWS Magazin

Schon einen Tag später meldete sich Benko persönlich bei einem Mubadala-Manager aus der zweiten Reihe, zuständig für die technische Abwicklung der Signa-Investments aus Abu Dhabi. In einer Nachricht heißt es: „By the way hatte gestern ein super meeting in Wien mit Khaldoon und Walled inkl. Private Dinner bei mir zu Hause.“ Und schon kurz danach verschickte Benko die nächste Investorenpräsentation an die arabischen Partner. In den Monaten darauf intensivierten sich die finanziellen Beziehungen zwischen Mubadala und der Signa-Gruppe weiter.

Die letzte Runde

Zwei Jahre später, Anfang 2022, sind bereits Hunderte Millionen Euro aus Abu Dhabi in das Signa-Konstrukt geflossen. Sebastian Kurz ist inzwischen nicht mehr Bundeskanzler, sondern als Lobbyist für René Benko tätig. Er nutzt seine in der Politik geknüpften Kontakte, begleitet Gespräche und verleiht Benkos Bemühungen um weiteres Kapital aus der Region zusätzliches Gewicht. Es kommt zu gemeinsamen Flügen im Signa-Jet und zu zahlreichen Treffen vor Ort in den Emiraten.

Anfang Februar 2022 wendet sich Benko erneut direkt an Manager des Staatsfonds. In seiner Nachricht schlägt er wie gewohnt sofort einen persönlichen Ton an. Es sei lange her, seit man einander gesehen habe – zuletzt beim Besuch Ende März des Vorjahres in Abu Dhabi. Und beim gemeinsamen Abendessen in seinem Apartment in Wien, „zusammen mit Sebastian“, zwei Jahre zuvor. Unglaublich, wie schnell die Zeit vergehe, schreibt Benko.

Persönliche Garantien

Die Botschaft ist scheinbar klar: Es geht nicht nur um Zahlen und Verträge, sondern um das Herstellen von persönlicher Nähe. Die Investoren aus Abu Dhabi beteiligen sich in dieser Phase auch am später gescheiterten Börsenflop Signa Sports United. Zugleich verlangen sie von Benko zunehmend persönliche Sicherheiten für ihre Engagements.

Und genau diese Garantien rücken nach dem Zusammenbruch in den Mittelpunkt. Ende 2023 kollabiert das Geflecht der Signa-Gruppe. Zentrale Gesellschaften melden Insolvenz an. Und Mubadala fordert sein Investment zurück – und zieht schlussendlich vor ein internationales Schiedsgericht. 2025 wird in Zürich und Genf verhandelt, unter Ausschluss der Öffentlichkeit.

Der Schiedsspruch

Und Ende Jänner 2026 ergeht durch das Schiedsgericht ein finaler Spruch. News liegt dieser vor: Mubadala wurden rund 700 Millionen Euro zugesprochen. Bei den verurteilten Signa-Gesellschaften ist allerdings kaum verwertbares Vermögen vorhanden. Damit geraten jene in den Fokus, die Garantien abgegeben haben – darunter mehrere Gesellschaften der Laura Privatstiftung sowie René Benko persönlich. Mit dem Schiedsspruch werden diese Zusagen rechtlich schlagend. Auf die Laura Privatstiftung dürfte somit eine Zahlung in dreistelliger Millionenhöhe zukommen.

Kaum Cash

In der Laura Privatstiftung werden nach News-Recherchen weiterhin Vermögenswerte im dreistelligen Millionenbereich vermutet. Dabei dürfte es sich vor allem um Beteiligungen im Immobilienbereich handeln – nicht um frei verfügbare liquide Mittel.

Genau darin liegt das Problem. Über ausreichend Liquidität, um die zugesprochenen Forderungen der arabischen Investoren zu begleichen, dürfte die Stiftung wohl eher nicht verfügen. Sollte Mubadala, wie erwartet, auf eine rasche Durchsetzung des Schiedsspruchs drängen, könnte das die Laura Privatstiftung in gehörige Schwierigkeiten versetzen. Vielleicht lässt sich aber auch ein Vergleich ausverhandeln? Vielleicht mit Hilfe eines Lobbyisten.

Dieser Beitrag ist ursprünglich in der News-Printausgabe Nr. 07/2026 erschienen.

Causa René Benko

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