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Iran-Krieg bremst Konjunktur: Österreich droht Mini-Wachstum und höhere Inflation

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Markus Marterbauer

©SEPA.Media, IMAGO

Die Eskalation im Iran-Konflikt trübt die Wirtschaftsaussichten deutlich. Ökonomen erwarten für Österreich nur noch geringes Wachstum, während Energiepreise und Inflation steigen könnten.

Die anhaltende Eskalation im Nahen Osten wirkt sich zunehmend auf die wirtschaftlichen Erwartungen für Österreich und die Eurozone aus. Sowohl Analysten als auch die Bundesregierung rechnen mit spürbaren Belastungen durch steigende Energiepreise und wachsende Unsicherheiten.

Aus Sicht von Raiffeisen-Research-Chefanalyst Gunter Deuber ist der europäische Aufschwung für dieses Jahr „scheinbar abgesagt“. Grundlage ist ein Szenario, in dem die Kampfhandlungen über mehrere Monate andauern und die wichtige Handelsroute durch die Straße von Hormuz blockiert bleibt.

Deutlich schwächere Wachstumsprognosen

Für Österreich prognostiziert Raiffeisen Research in diesem Fall nur noch ein Wirtschaftswachstum von 0,3 Prozent. Zuvor war man von gut einem Prozent für 2026 ausgegangen. Auch für die Eurozone wurden die Erwartungen deutlich nach unten korrigiert: Statt 1,4 Prozent Wachstum wird nun ein Plus von 0,5 Prozent erwartet.

Parallel dazu steigen die Inflationsrisiken. Für die Eurozone wird eine durchschnittliche Teuerung von rund 3,5 Prozent erwartet, wobei zwischenzeitlich auch monatliche Werte von 5 bis 6 Prozent möglich seien. In Österreich könnte die Inflation laut Deuber sogar leicht über dem Eurozonen-Niveau liegen.

Energiepreise als zentraler Faktor

Haupttreiber dieser Entwicklung ist der Anstieg der Energiepreise. Aktuell würden vorhandene Ölreserven die Preisschwankungen noch dämpfen. Sollte der Konflikt jedoch länger andauern, könnte sich die Versorgungslage verschlechtern und die Märkte entsprechend reagieren.

Raiffeisen Research rechnet derzeit mit einem durchschnittlichen Brent-Ölpreis von 125 US-Dollar im ersten Quartal. Eine anhaltende Blockade der Straße von Hormuz würde den globalen Energiemarkt zusätzlich belasten.

Risiken für Finanzmärkte

An den Börsen sind die Auswirkungen bislang begrenzt, eine weitere Eskalation sei laut Deuber noch nicht vollständig eingepreist. Insbesondere in Europa bestehe die Gefahr eines „Bärenmarktes“, also einer längeren Phase fallender Aktienkurse.

Auch geldpolitisch könnten die Entwicklungen Folgen haben: Die Europäische Zentralbank dürfte laut Einschätzung von Raiffeisen Research ab April reagieren und den Einlagensatz bis Herbst um 50 bis 75 Basispunkte erhöhen.

Regierung prüft Maßnahmen

Auch innerhalb der Bundesregierung wächst die Sorge. Finanzminister Markus Marterbauer zeigte sich angesichts der Eskalation „zunehmend pessimistisch“. Sollte sich die Lage nicht rasch entspannen, drohe eine deutliche Verschärfung der Energiekrise.

Die Regierung prüft daher weitere Maßnahmen zur Dämpfung der Energiepreise. Eine Arbeitsgruppe wurde bereits eingesetzt. Gleichzeitig wird mittelfristig der Ausbau erneuerbarer Energien forciert, entsprechende gesetzliche Grundlagen sind in Vorbereitung.

Eine ursprünglich diskutierte Abschaffung des Dieselprivilegs ist angesichts steigender Treibstoffpreise vorerst kein Thema mehr.

Budget und wirtschaftspolitische Debatte

Trotz der unsicheren Lage hält der Finanzminister an der Erstellung eines Doppelbudgets fest. Das Defizitziel für 2025 könnte nach aktueller Einschätzung erreicht werden. Gleichzeitig laufen Diskussionen über zusätzliche Einsparungen bis 2028.

Der Österreichische Gewerkschaftsbund erneuerte in diesem Zusammenhang seine Forderung nach Vermögens- und Erbschaftssteuern. Leistungskürzungen im Sozialbereich lehnt die Arbeitnehmervertretung ab.

Unsicherheit bleibt hoch

Die weitere wirtschaftliche Entwicklung hängt maßgeblich von der Dauer und Intensität des Konflikts ab. Steigende Energiepreise, Inflationsdruck und mögliche Marktverwerfungen bleiben zentrale Risikofaktoren für Österreich und Europa.

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