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In 20 Minuten 6,3 Milliarden weg: Die größten Hacks und Diebstähle der Geschichte

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Ko-CEO Richard Teng muss viel Geld hinterherschauen
©Afp, APA, LUDOVIC MARIN

In nur rund 20 Minuten haben Hacker bei der Kryptobörse Binance digitale Werte von etwa 6,3 Milliarden Dollar abgezogen. Der Fall reiht sich in eine lange Liste spektakulärer Coups ein: von geplünderten Bitcoin-Börsen über eine Notenbank bis zum Kunsthistorischen Museum in Wien.

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Was bei Binance passiert ist

Am Abend des 29. Oktober 2026 flossen von Wallets der weltgrößten Kryptobörse Binance auf einen Schlag Milliarden ab. Laut dem Blockchain-Analyseunternehmen TRM Labs verschob ein Angreifer rund 6,36 Milliarden US-Dollar über zehn Blockchains, den Großteil davon innerhalb von etwa 20 Minuten. Nach Einschätzung von TRM Labs wurde dafür die Signatur-Infrastruktur der sogenannten Hot Wallets der Börse kompromittiert.

Die US-Bundespolizei FBI machte am 31. Oktober eine nordkoreanische Hackergruppe verantwortlich, die sie unter dem Namen „TraderTraitor“ führt. Rund drei Milliarden Dollar konnten gemeinsam mit Partnerfirmen rasch eingefroren werden. Binance kündigte an, die Verluste aus eigenen Mitteln zu tragen, und nahm am 1. November die Auszahlungen schrittweise wieder auf. Mehr zum Ablauf: FBI: Nordkorea hinter milliardenschwerem Krypto-Diebstahl.

Damit ist der Angriff der größte bekannte Krypto-Diebstahl und übertrifft den bisherigen Rekord um mehr als das Vierfache. Ein Blick zurück zeigt, wie sich die Dimensionen verschoben haben.

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Goldfarbene Bitcoin-Münze
 © Unsplash/André François McKenzie

Die größten Krypto-Hacks

Bybit, Februar 2025: Bis Ende Oktober 2026 galt der Angriff auf die Kryptobörse Bybit als Rekord. Rund 1,5 Milliarden Dollar in virtuellen Vermögenswerten wurden gestohlen. Das FBI schrieb die Tat ebenfalls Nordkorea und der Gruppe TraderTraitor zu und rief Börsen und Analysefirmen auf, Transaktionen von den Täteradressen zu blockieren.

Ronin Network, März 2022: Über die Blockchain des Onlinespiels Axie Infinity erbeuteten Hacker rund 620 Millionen Dollar, darunter 173.600 Ether. Der Diebstahl fiel erst Tage später auf. Das FBI ordnete ihn den nordkoreanischen Gruppen Lazarus und APT38 zu.

Poly Network, August 2021: Ein Angreifer zog 611 Millionen Dollar von der Plattform ab, die Kryptowerte zwischen Blockchains überträgt. Das Kuriose daran: Schon am Tag darauf begann er, das Geld zurückzugeben, am Ende fast vollständig.

Mt. Gox, Februar 2014: Die Tokioter Börse wickelte zeitweise den Großteil des weltweiten Bitcoin-Handels ab, bis rund 850.000 Bitcoin verschwanden, damals etwa sieben Prozent aller existierenden Bitcoin. Mt. Gox meldete Insolvenz an, rund 200.000 Bitcoin tauchten später wieder auf. Der Fall gilt als Urkatastrophe der Kryptobranche.

Der Notenbank-Coup per Mausklick

Lange bevor Kryptobörsen ins Visier gerieten, traf es eine Zentralbank. Im Februar 2016 schickten Angreifer gefälschte Zahlungsaufträge über das Bankennetzwerk SWIFT und versuchten, fast eine Milliarde Dollar vom Konto der Bangladesh Bank bei der Federal Reserve in New York abzuziehen. Die meisten Überweisungen wurden gestoppt, 81 Millionen Dollar flossen dennoch ab.

Das US-Justizministerium erhob 2018 Anklage gegen den Nordkoreaner Park Jin Hyok, der der Lazarus-Gruppe angehören soll. Ihm werden auch der Hackerangriff auf Sony Pictures 2014 und die Schadsoftware WannaCry zur Last gelegt. Die Spur der Lazarus-Gruppe zieht sich damit von der Bangladesh Bank bis zum Binance-Angriff.

Klassische Raubzüge: Gemälde, Diamanten, Postsäcke

Isabella Stewart Gardner Museum, Boston, 1990: In der Nacht auf den 18. März 1990 verschafften sich zwei als Polizisten verkleidete Männer Zutritt zum Museum. Nach 81 Minuten waren sie mit 13 Kunstwerken verschwunden, darunter Arbeiten von Rembrandt, Vermeer, Degas und Manet. Der Wert wird auf bis zu 500 Millionen Dollar geschätzt. Es gilt als größter Kunstraub der Geschichte, die Werke sind nie aufgetaucht. Das Museum bietet fünf Millionen Dollar Belohnung, die leeren Rahmen hängen noch an der Wand.

Diamantenzentrum Antwerpen, 2003: Am Wochenende des 15. Februar 2003 räumte eine Bande einen als uneinnehmbar geltenden Tresorraum im Antwerpener Diamantenviertel aus. Die Polizei bezifferte die Beute auf mehr als 100 Millionen Dollar. Drahtzieher Leonardo Notarbartolo wurde zu zehn Jahren Haft verurteilt, die Diamanten wurden nie gefunden.

Postzugraub in England, 1963: Am 8. August 1963 stoppte eine Bande den Postzug von Glasgow nach London und erbeutete rund 2,6 Millionen Pfund in gebrauchten Banknoten. Der Großteil des Geldes wurde nie gefunden.

Louvre, Paris, 2025: Am 19. Oktober 2025 drangen Täter mit einer Hebebühne in die Galerie d’Apollon ein und entwendeten in wenigen Minuten acht Stücke der französischen Kronjuwelen. Die Pariser Staatsanwaltschaft bezifferte den Schaden nach Schätzung des Museums auf 88 Millionen Euro, ohne den historischen Wert.

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Die Saliera von Benvenuto Cellini im Kunsthistorischen Museum Wien
 © Wikimedia Commons/Jerzy Strzelecki/CC BY 3.0

Österreichs berühmtester Kunstraub: die Saliera

Auch Wien hat seinen Jahrhundert-Coup. In der Nacht auf den 11. Mai 2003 kletterte ein Einbrecher über das Baugerüst des Kunsthistorischen Museums, schlug ein Fenster ein und stahl die Saliera, das goldene Salzfass von Benvenuto Cellini. Das Werk aus den Jahren 1540 bis 1543 ist die einzige erhaltene, gesicherte Goldschmiedearbeit des Renaissancekünstlers. Ihr Wert wurde auf rund 50 Millionen Euro geschätzt.

Das Museum setzte 70.000 Euro Belohnung aus, eine weltweite Fahndung lief an. Erst im Jänner 2006 gestand ein Wiener Experte für Alarmanlagen die Tat. Die Saliera war in einer Kiste in einem Waldstück bei Zwettl vergraben. Restauriert ist sie das Prunkstück der Kunstkammer im Kunsthistorischen Museum.

Warum digitale Beute so schwer zu halten ist

Der Vergleich zeigt eine Verschiebung: Die klassischen Raubzüge erforderten monatelange Planung, Insiderwissen und körperliches Risiko, die Beute blieb oft unverkäuflich. Digitale Diebstähle erreichen ein Vielfaches der Summen, dauern Minuten und werden aus der Ferne verübt.

Zugleich hinterlassen sie Spuren. Jede Transaktion auf einer Blockchain ist öffentlich nachvollziehbar. Ermittler und Analysefirmen können Wallets verfolgen, Stablecoin-Anbieter Guthaben sperren. Genau das hat beim Binance-Angriff dazu geführt, dass ein großer Teil der Beute binnen Stunden eingefroren wurde. Das FBI veröffentlichte die Adressen der Täter und bat die Öffentlichkeit um Hinweise.

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