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Diese wies eine stolze "Arbeitsbilanz" auf: Tausende Umdrehungen des Schneidrades, knapp 7,5 Kilometer Vortrieb, mehr als 23.000 verbaute Tübbings sowie die Durchquerung "anspruchsvoller geologischer Störzonen". 706 Tage war "Wilma" im Einsatz - am 18. September 2024 war sie im Baulos H53 Pfons-Brenner offiziell gestartet. Mit einer Gesamtlänge von rund 180 Metern, einem Bohrdurchmesser von 10,37 Metern und einem Gesamtgewicht von rund 2.700 Tonnen sei "Wilma" eine hochkomplexe, unterirdische Produktionsanlage. Bereits die Anlieferung der Tunnelbohrmaschine zeigte die Dimensionen: Rund 80.000 Einzelteile wurden von 170 Spezialtransportern zur Baustelle gebracht und in einer eigens errichteten Montagekaverne, einem großen Hohlraum im Inneren des Berges, zusammengebaut.
Während sich vorne der Bohrkopf durch das Gestein arbeitete, liefen im Innern der Maschine zahlreiche Prozesse gleichzeitig ab: Tübbinge wurden per Baustellenzug angeliefert und automatisch eingebaut, das Ausbruchmaterial über Förderbandanlagen abtransportiert, technische Systeme laufend gewartet und die geologischen Verhältnisse überwacht. So entstand tief im Berg eine nahezu autarke Baustelle, hieß es.
"Bei einem Projekt dieser Größenordnung ist die Logistik mindestens so wichtig wie die Maschine selbst. Wir wollten möglichst wenige Transporte über die Straße abwickeln. So konnten wir die Abläufe effizient gestalten und gleichzeitig rund 45.000 Lkw-Fahrten einsparen", erklärte Michael Knapp, BBT-Projektleiter des Bauloses H53 Pfons-Brenner.
"Ich war unter Tage dabei, als die Tunnelbohrmaschine Wilma 2024 gerade zusammengebaut wurde - nun können wir uns knapp zwei Jahre später bereits über den Durchschlag der westlichen Haupttunnelröhre auf der gesamten Länge des BBT freuen", zeigte sich auch Tirols Verkehrslandesrat René Zumtobel (SPÖ) gegenüber der APA über den Durchbruch erfreut. Dieser sei ein weiteres "wichtiges Signal in Richtung Deutschland" in Bezug auf die noch ausstehende Trassenentscheidung für den Nordzulauf in Bayern.
"Die Europäische Verkehrspolitik braucht diesen Tunnel und seine Zulaufstrecken für die Verlagerung", betonte er. Es sei für die Menschen entlang des gesamten Brennerkorridors nicht tragbar, dass Deutschland bei diesem gemeinsamen Projekt "nicht vom Fleck kommt und dadurch gefährdet, dass der längste Eisenbahntunnel der Welt sein volles Potenzial zur Güterverlagerung ausschöpfen kann."
Mit dem Durchschlag sei nun jedenfalls die erste Haupttunnelröhre über ihre gesamte Länge komplettiert, hieß es von der BBT SE. Von der Sillschlucht bis nach Franzensfeste füge sich eine Vielzahl einzelner Tunnelabschnitte zu einem durchgehenden Haupttunnel zusammen. Über die Haupttunnel verbunden wurden Österreich und Italien bereits am 28. Juli. Damals waren bereits 220 des 230 Kilometer langen Tunnelsystems ausgebrochen gewesen.
Letzte Vortriebsarbeiten gab es laut BBT SE im Baulos "H53 Pfons-Brenner" noch in Richtung Innsbruck. Rund sechs bis acht Mitarbeiter waren im Vier-Schicht-Betrieb rund um die Uhr mit den Vortriebsarbeiten beschäftigt gewesen. Als besonders herausfordernd hätten sich das harte Zentralgneis-Gestein, Felstemperaturen von etwa 30 Grad Celsius sowie lange Transportwege erwiesen, so die Verantwortlichen. Der Zusammenschluss erfolgte etwa 1.400 Meter unter dem Brennerpass auf rund 794 Metern Seehöhe. Die Vergabesumme für den Abschnitt hatte sich auf 959 Mio. Euro belaufen.
Der seit 2007 im Bau befindliche Brennerbasistunnel ist ein reiner Zugtunnel mit einer Gesamtlänge von 64 Kilometern, der zwischen der Tiroler Landeshauptstadt Innsbruck und dem Südtiroler Franzensfeste in Italien - hier auf 55 Kilometern - verläuft. Er gilt als Kernelement der neuen Bahnverbindung von München nach Verona. Nach der im Jahr 2031 geplanten Fertigstellung und voraussichtlich im Jahr darauf stattfindenden Inbetriebnahme wird der für Güter- und Personenzüge vorgesehene Tunnel laut ÖBB die "längste unterirdische Eisenbahnverbindung der Welt" sein. Güterzüge sollen mit bis zu 160 km/h und Personenzüge mit bis zu 250 km/h durch den Tunnel fahren können. Die Strecke soll somit in 25 statt 80 Minuten bewältigt werden können. Als Gesamtprojektkosten wurden 10,5 Mrd. Euro veranschlagt.
