Aliko Dangote
©Imago / NaushadAliko Dangote bringt die Raffineriesparte seines Konzerns an die Börse in Lagos. Es ist der größte Börsengang der afrikanischen Geschichte. Für Europa geht es dabei um mehr als eine Finanzmarktnachricht: Seit der Nahost-Krieg die Treibstoffmärkte verengt, kommt Kerosin zunehmend aus Westafrika.
An der Nigeria Exchange in Lagos hat am Montag die Zeichnung für den größten Börsengang begonnen, den der afrikanische Kontinent bisher gesehen hat. Angeboten werden 4,1 Milliarden neue Aktien der Raffineriesparte des Dangote-Konzerns zu je 525 Naira, umgerechnet etwa 34 Cent. Bei vollständiger Zeichnung fließen dem Unternehmen rund 1,4 Milliarden Euro zu, über eine Mehrzuteilungsoption könnten es bis zu 1,8 Milliarden werden.
Nach der Emission könnte die Petroleum Refinery & Petrochemicals FZE mit 47 Milliarden Dollar bewertet sein, knapp 41 Milliarden Euro. Bisher liegen die Anteile vollständig bei der Dangote Group; die nigerianische Börsenaufsicht SEC hatte den Schritt Anfang September freigegeben. Gehandelt wird vorerst nur in Nigeria.
Vom Importland zum Treibstoffexporteur
Der Zeitpunkt ist kein Zufall. Seit der Krieg im Nahen Osten die Versorgung mit Treibstoffen verengt hat, sind Raffineriekapazitäten außerhalb der Golfregion so wertvoll wie lange nicht. Nigeria, der größte Rohölproduzent Afrikas, hat dabei eine bemerkenswerte Kehrtwende hinter sich: Jahrzehntelang musste das Land Benzin und Diesel einführen, weil es zwar Öl förderte, aber kaum verarbeiten konnte. Heute ist es Nettoexporteur, und den Inlandsbedarf deckt größtenteils ein einziges Werk.
Die Anlage in Lekki vor den Toren von Lagos kostete rund 20 Milliarden Dollar und ging nach zehn Jahren Bauzeit 2024 in Betrieb. Seit heuer läuft sie unter Volllast und verarbeitet täglich 700.000 Barrel Rohöl. Mit dem Börsenerlös soll diese Kapazität bis 2029 auf 1,4 Millionen Barrel steigen, womit die Raffinerie nach den Plänen des Eigentümers zur weltweit größten Single-Train-Anlage würde, also zur größten Anlage, die Rohöl in einer durchgehenden Linie bis zum Endprodukt verarbeitet.
Warum das für Europa relevant ist
Für europäische Abnehmer ist das mehr als eine Finanzmarktnachricht. Nigeria liefert mittlerweile Kerosin nach Europa und in die USA, die Nachfrage ist kriegsbedingt hoch. Einem Bericht von Business Insider Africa zufolge war Dangote im April der weltweit größte Kerosinexporteur. Wer in Wien oder Frankfurt tankt, bezieht Flugtreibstoff also zunehmend aus Westafrika statt vom Persischen Golf.
Diese Verschiebung dürfte sich fortsetzen. Dangote will laut Bloomberg auch in Kenia eine Raffinerie errichten und damit am Indischen Ozean Fuß fassen. Und in Südafrika arbeitet der staatliche Central Energy Fund an einer Verdreifachung der eigenen Verarbeitungskapazität. Kernstück wäre die Reaktivierung der Raffinerie SAPREF, die seit einem Hochwasserschaden 2022 stillsteht und nach einer Sanierung 650.000 Barrel täglich verarbeiten könnte. Einen Zeit- oder Finanzierungsplan gibt es dafür allerdings noch nicht.
Andrang legt Handels-App lahm
Der Andrang am ersten Zeichnungstag brachte Nigerias Handelsinfrastruktur an ihre Grenzen. Nach Bloomberg-Angaben ging die Trading-App Bamboo wenige Minuten nach dem Start unter der Last zusammen. Dangote hat den Börsengang ausdrücklich auf Kleinanlegerinnen und Kleinanleger in ganz Afrika zugeschnitten: Das Mindestinvestment beträgt zehn Anteile, Dividenden sollen in Dollar ausgezahlt werden.
Wirtschaftlich hat das Unternehmen die Wende erst kürzlich geschafft. Nigerianischen Medienberichten zufolge schrieb die Raffineriesparte in den vergangenen beiden Jahren zusammen rund 1,7 Milliarden Euro Verlust, im ersten Halbjahr 2026 stand dann ein Plus von knapp 1,6 Milliarden Euro zu Buche.
Öl- und petrochemische Raffinerie, Kaduna, Nigeria
© Imago PhotoshotConstruction PhotographyEin Imperium in zwölf Ländern
Aliko Dangote, 69, gilt als reichster Mensch Afrikas. Nach einem Wirtschaftsstudium in Kairo gründete er in den 1970er Jahren ein Handelsunternehmen, den Angaben nach mit 3.000 Dollar, die er sich von einem Onkel geliehen hatte. 1981 entstand daraus die Dangote Group, die heute in Zement, Lebens- und Düngemitteln, Raffinerie, Telekommunikation, Logistik, Verpackung und Immobilien tätig ist. Nach eigenen Angaben beschäftigt der Konzern in zwölf afrikanischen Ländern mehr als 55.000 Menschen.
An der Konzernspitze sitzen inzwischen auch Dangotes drei Töchter Halima, Mariya und Fatima, wobei die jüngste, Fatima Aliko-Dangote, als Vorsitzende der Sparten Öl, Gas und Düngemittel den größten Einfluss haben dürfte. Börsennotiert waren bisher nur die Bereiche Zement, Zucker und Lebensmittel. Einer Bloomberg-Rechnung zufolge könnte die Neubewertung Dangotes Vermögen um knapp 20 Milliarden Euro auf rund 50 Milliarden Euro steigen lassen.
