Antony Blinken, Justin Trudeau und internationale Spitzenvertreter diskutierten in Salzburg über Sicherheit, Innovation und Europas Rolle.
Wie kann Europa in einer zunehmend fragmentierten Weltordnung handlungsfähig bleiben? Diese Frage prägte den siebenten Salzburg Summit, der von 22. bis 24. Juli 2026 in Salzburg stattfand. Unter dem Titel „Alliances in a New Global Order“ brachte die Industriellenvereinigung Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Medien zusammen.
Im Mittelpunkt der dreitägigen Konferenz standen geopolitische Machtverschiebungen, wirtschaftliche Abhängigkeiten und die Frage, wie Europa seine Sicherheit und Wettbewerbsfähigkeit langfristig stärken kann. Zu den prominentesten Gästen gehörten der ehemalige US-Außenminister Antony J. Blinken und der ehemalige kanadische Premierminister Justin Trudeau.
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Blinken fordert mehr Eigenständigkeit Europas
Nach der Eröffnung durch IV-Präsident Georg Knill und Begrüßungsworten von Landeshauptfrau Karoline Edtstadler sowie Festspielpräsidentin Kristina Hammer begann das Programm mit einer Standortbestimmung zur neuen Geoökonomie. Darüber diskutierten OeNB-Präsident und ehemaliger EU-Kommissar Johannes Hahn sowie Sabine Mauderer, Vizepräsidentin der Deutschen Bundesbank.
Antony J. Blinken sprach anschließend über die veränderte Geopolitik der Macht. Er rief Europa dazu auf, selbstbewusster aufzutreten, mehr Verantwortung zu übernehmen und sich innerhalb internationaler Allianzen stärker zu emanzipieren.
Auch Europas Abhängigkeiten bei Sicherheit, Energie und Absatzmärkten wurden thematisiert. Österreichs Europaministerin Claudia Bauer und der deutsche Staatsminister für Europa, Gunther Krichbaum, diskutierten über mögliche Wege zu größerer europäischer Eigenständigkeit. EU-Kommissar Magnus Brunner ordnete die Verschiebung der globalen Machtbalance ein.
Weitere Gespräche beschäftigten sich mit Europas Rolle beim Wiederaufbau der Ukraine und mit der Positionierung des Kontinents zwischen den USA und China. EIB-Vizepräsident Karl Nehammer sprach über den Wiederaufbau der Ukraine. Dabei ging es auch um die Frage, wie Europa künftig stärker als Gestalter internationaler Regeln auftreten kann.
Trudeau spricht über globale Allianzen
Am zweiten Konferenztag trat der ehemalige kanadische Premierminister Justin Trudeau auf. Er sprach über globale Bündnisse, das Verhältnis Kanadas zu den USA und die politischen sowie wirtschaftlichen Herausforderungen Europas.
Neben geopolitischen Fragen widmete sich der Salzburg Summit vier Themenfeldern, die nach Einschätzung der Veranstalter über die künftige Wettbewerbsfähigkeit Europas entscheiden: Life Sciences, Medien, Sicherheitstechnologien sowie künstliche Intelligenz und Quantentechnologie.
Forschung schneller in Innovation übersetzen
Im Panel zu Life Sciences diskutierten unter anderem Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer, Novartis-Manager Steffen Lang und Elly Tanaka vom Institut für Molekulare Biotechnologie der Österreichischen Akademie der Wissenschaften.
Im Zentrum stand Europas Rückstand bei der Überführung wissenschaftlicher Forschung in marktreife Produkte und Anwendungen. Die Diskussion beschäftigte sich damit, welche Rahmenbedingungen notwendig sind, damit Forschungsergebnisse schneller wirtschaftlich genutzt werden können.
Mark Thompson, CEO von CNN, und Gerhard Zeiler, President von Warner Bros. Discovery International, analysierten unterdessen den Wandel der Medienlandschaft. Ihr Gespräch befasste sich mit öffentlichem Diskurs, politischer Polarisierung und der Rolle internationaler Medien in den USA und Europa.
Verteidigung und Technologie zusammendenken
Ein weiteres Panel behandelte Europas Verteidigungsfähigkeit. Markus J. Beyrer, Generaldirektor von BusinessEurope, und Harald Vodosek, Rüstungsdirektor Österreichs, diskutierten über Cybersicherheit, technologische Innovation und sogenannte Dual-Use-Anwendungen, die sowohl zivil als auch militärisch eingesetzt werden können.
Beim Themenblock zu künstlicher Intelligenz und Quantentechnologie sprachen Bundesministerin Eva-Maria Holzleitner und Staatssekretär Alexander Pröll mit internationalen Vertreterinnen und Vertretern der Technologiebranche. Diskutiert wurde, wie Europa im globalen Wettbewerb eigene Standards entwickeln und technologisch unabhängiger werden kann.
Ergänzt wurde das Hauptprogramm durch vertiefende Gesprächsformate zu Europas Verteidigungsindustrie, Energiepolitik, dem österreichischen Startup-Ökosystem sowie den Bereichen künstliche Intelligenz und Biotechnologie.
Knill fordert entschlossenes Handeln
IV-Präsident Georg Knill sieht Österreich und Europa grundsätzlich gut aufgestellt, fordert jedoch rasche Entscheidungen.
„Der 7. Salzburg Summit hat gezeigt: Wir kennen die Richtung, jetzt geht es darum, die Segel zu setzen. Die Welt ordnet sich neu, bei Lieferketten, Energiesicherheit und Allianzen. Wer in dieser Phase abwartet, wird von anderen gestaltet“, sagte Knill.
Österreich und Europa verfügten mit ihrer industriellen Basis, ihren Verbindungen nach Zentral- und Osteuropa und ihrer Innovationskraft über gute Voraussetzungen, um die entstehende Ordnung mitzugestalten. Dafür müsse jedoch entschlossen gehandelt werden, so der IV-Präsident.
Neben den politischen und wirtschaftlichen Diskussionen bot der Salzburg Summit verschiedene Formate zur Vernetzung. Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Unternehmen, Wissenschaft und Medien nutzten die Veranstaltung für Gespräche über Kooperationen und gemeinsame Projekte.

