ABO

Wie Kaderschmieden Chinas Vormacht bei Seltenen Erden sichern

Subressort
Aktualisiert
Lesezeit
4 min
China sichert Vormacht mit Forschung und Hunderten Studenten
©Afp, APA, PEDRO PARDO
Die USA und ihre Verbündeten investieren Milliarden, um Chinas Monopol bei Seltenen Erden zu brechen. Doch der entscheidende Vorsprung der Volksrepublik liegt nicht allein in Minen und Fabriken, sondern in den Köpfen ihrer Ingenieure und Wissenschafterinnen. Ein über Jahrzehnte aufgebauter, staatlich geförderter Verbund aus Forschung, Lehre und Industrie sichert die Dominanz Chinas bei den strategisch unverzichtbaren Metallen – ein Vorsprung, den der Westen schwer aufholt.

von

In Städten wie Baotou in der Inneren Mongolei führt die sechsspurige "Straße der Seltenen Erden" von der Universität direkt zu den staatlichen Raffinerien. Diese geografische Anordnung kann als Sinnbild verstanden werden für ein einzigartiges System von Wissenschaft und Wissensvermittlung.

Eine Analyse der Nachrichtenagentur Reuters zeigt, dass China mehr als 40 spezialisierte Forschungslabore für Seltene Erden unterhält. Ergänzt werden diese durch mindestens elf Universitäten und Fachhochschulen, die zusammen jährlich mehr als 500 Studentinnen und Studenten in speziellen Studiengängen für Seltene Erden ausbilden. Mit diesem geballten Fachwissen können chinesische Unternehmen die Rohstoffe schnell und kostengünstig verarbeiten.

"In China konnte ich Absolventen direkt von der Universität einstellen, und sie waren sofort einsatzbereit", betont Constantine Karayannopoulos, ehemaliger Chef der Seltene-Erden-Unternehmen Neo Performance Materials und Molycorp. "Überall sonst muss ich sie drei Jahre lang ausbilden." Im Westen fehlt dieser Nachwuchs.

In den USA wurden 2023 nur etwas mehr als 200 Hochschulabschlüsse im Bergbau- und Hüttenwesen vergeben. Die Branche gilt vielen Studenten als schmutzig und veraltet. "Die Verarbeitungsindustrie wurde im Westen in den 90er-Jahren ausgelöscht", erklärt Ed Richardson, Chef des US-Magnetherstellers Thomas & Skinner. "Deshalb bildeten die Hochschulen auch keine Studenten mehr für diesen Bereich aus."

Seltene Erden sind eine Gruppe von 17 Metallen, die für moderne Technologien unerlässlich sind. Sie stecken in den Magneten von Elektromotoren, Windturbinen und Waffensystemen wie Kampfflugzeugen. Ihre Verarbeitung ist jedoch äußerst komplex und umweltschädlich. Die einzelnen Elemente haben fast identische chemische Eigenschaften, was ihre Trennung zu einem aufwendigen Prozess mit Säuren und anderen Chemikalien macht. Bei unsachgemäßer Lagerung der Abfallprodukte können Böden und Wasser vergiftet werden. China nahm diese Umweltschäden in Kauf, um sich seit den 1980er-Jahren mit Steueranreizen und billigen Krediten die globale Vorherrschaft zu sichern. Heute produziert das Land mehr als 90 Prozent der weltweit verarbeiteten Seltenen Erden.

Peking betrachtet dieses Know-how als strategisches Kapital und schirmt es zunehmend ab. Die Regierung hat die Ausfuhr von Technologien und Anlagen zur Verarbeitung Seltener Erden eingeschränkt. Insidern zufolge wurden Techniker sogar angewiesen, ihre Pässe abzugeben, um Kontakte ins Ausland zu verhindern. Dieser Schritt erfolgte nach der Verhängung neuer US-Zölle durch Präsident Donald Trump im April 2025.

An den Hochschulen wird die geopolitische Bedeutung offen gelehrt. Seltene Erden seien eine "zentrale Verhandlungsmasse" in der Weltpolitik, sagt Li Chaozhong, Dekan des Fachbereichs für Seltene Erden an der Universität Jiangxi, dem Staatssender CCTV. Das Ausbildungsprogramm diene auch dazu, "sicherzustellen, dass China seine weltweite Führungsposition behält".

Der Westen versucht nun gegenzusteuern. Seit 2024 fließen in den USA Milliarden von Dollar in Forschungsprogramme und Hochschulen. Die renommierte Colorado School of Mines baut zwei neue Forschungszentren für kritische Mineralien, das erste soll 2027 eröffnen.

A Chinese flag flutters in the wind in a street surrounding the Great Hall of the People where the opening of the Chinese People's Political Consultative Conference (CPPCC) takes place, in Beijing on March 4, 2026. (Photo by Pedro PARDO / AFP)

Über die Autoren

Logo
Monatsabo ab € 21,75
Ähnliche Artikel
2048ALMAITVEUNZZNSWI314112341311241241412414124141241TIER