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Weltmuseum 2026 fokussiert auf "K-Toons" und Waffenhandel

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"Bucharischer Waffenverkäufer", vor 1891 fotografiert
©KHM-Verband, Weltmuseum Wien, APA
Koreanische Comics, spekulative Zukünfte und die Auseinandersetzung mit dem Waffenhandel im Zusammenhang mit kolonialen Narrativen: Das sind die thematischen Schwerpunkte, mit denen sich das zum KHM-Verband gehörende Weltmuseum Wien im Ausstellungsjahr 2026 auseinandersetzt. Abstriche beim Programm habe man trotz budgetärer Herausforderungen nicht vornehmen müssen, sagte Direktorin Claudia Banz am Montag bei der Präsentation.

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"Unser Fokus liegt auf der Zukunft und auf der - teils schmerzhaften - Auseinandersetzung mit der Kolonialgeschichte", fasste Banz in einem Pressegespräch zusammen. Den ersten Blick voraus wagt man schon ab 6. Februar mit der Ausstellung "Regeneratives Design: das Weltmuseum Wien als Zukunftslabor " in Kooperation mit der Angewandten. Anhand von 25 Objekten soll untersucht oder aufgezeigt werden, wie Gesellschaften mit Verantwortung gegenüber Natur und Ressourcen gestalterisch tätig sind oder sein können. Banz sieht diese "Pop-up-Ausstellung" auch als Kick-off für einen "sanften Wandel" der Dauerausstellung, der im Laufe der kommenden Jahre stattfinden soll.

Mit spekulativen Zukunftsentwürfen setzt sich auch das Londoner Designstudio Superflux auseinander. Drei Arbeiten - eine Installation wird speziell für Wien entwickelt - werden ab 3. März und im Rahmen der Klima Biennale unter dem Titel "The Craftocene" zu sehen sein. Im Mittelpunkt stehen Überlegungen, wie sich Handwerk, Technologie und ökologische Intelligenz zu einer neuen Form des Zusammenlebens verbinden lassen, und eine kritische Auseinandersetzung mit Produktion, Konsum und Fortschrittsmythos.

Im Sommer steht dann die "kulturelle Großmacht" (KHM-Generaldirektor Jonathan Fine) Korea im Scheinwerferlicht, wenn die Schau "K-Toons" - eine Verschmelzung von Korea und Cartoons - ab 3. Juni in Zusammenarbeit mit der National Asian Culture Center Foundation zur visuellen Entdeckungsreise einlädt. Dort soll veranschaulicht werden, wie Manhwas - koreanische Comics - und Webtoons mit ihren für das Handyscrollen optimierten Formen die globale Bildkultur verändert haben.

Mit kolonialer (Deutungs-)Macht setzt sich indes ab 30. September das Projekt "Raining Blood. Fotografie und Waffenhandel" auseinander. "Das ist keine Schau über Waffen", stellte Banz klar- und eine "spannende unbequeme Ausstellung" in Aussicht. Während historische Fotos belegen, dass im Globalen Süden um 1900 bereits Feuerwaffen produziert wurden und damit gehandelt wurde, zeigt die Museumssammlung zu diesem Thema vorwiegend Pfeile und Bögen. Damit werde das Bild der primitiven Völker perpetuiert - nach dem Motto: "Schaut's her, die hatten nicht einmal ordentliche Waffen", verwies die Museumschefin auf koloniale Narrative, die hier aufgebrochen werden sollen.

An eine andere Form von Kolonialismus streift zudem das diesjährige Kunstprojekt im Theseustempel im Volksgarten, der alljährlich ebenfalls vom Weltmuseum bespielt wird. Die ugandische Künstlerin Nabukenya Allen zeigt dort ab 29. Mai die Installation "Kiteezi". So heißt eine riesige Abfallentsorgungsanlage in der Hauptstadt Kampala, in der auch Müll der sogenannten westlichen Welt deponiert wird. Nach einem katastrophalen Erdrutsch auf der Deponie begannen Boda-Boda-Fahrer - Kampalas marginalisierte Motorradtaxifahrer -, aus weggeworfenen Materialien Mode und Skulpturen zu erschaffen. Die Künstlerin nimmt in ihrer Arbeit darauf Bezug und hinterfragt dabei u.a. die Wegwerfkultur unserer Zeit.

Trotz der angespannten Budgetsituation habe man das Programm für das kommende Jahr nicht schmälern müssen, versicherte Banz auf APA-Nachfrage: "Wir haben nichts gekürzt, alles kann so stattfinden wie geplant." KHM-Chef Fine betonte, dass es für ihn und den Verband wichtig sei, dass sich die aktuelle budgetäre Situation - "die Basisabgeltung reicht nicht einmal zur Deckung der Personalkosten" - nicht auf besucherorientierte Segmente niederschlage: "Sparen müssen wir und werden wir. Aber das Ziel ist, dass das Publikum so wenig wie möglich davon mitbekommt." Außerdem habe der Verband die Möglichkeit, seine angedockten Häuser zu unterstützen, wodurch diese es leichter hätten, als wenn sie als unabhängige Häuser funktionieren müssten. "Der Verband ist groß genug, um Dinge aufzufangen", erklärte Fine.

(S E R V I C E - https://www.weltmuseumwien.at/)

WIEN - ÖSTERREICH: FOTO: APA/APA/KHM-Verband/Weltmuseum Wien

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