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Wandernde Süßwasserfische brauchen viel mehr Schutz - auch in Donau

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UNO-Bericht sieht vor allem Probleme an der Donau
©Schneider, APA, HARALD SCHNEIDER
Die Bestände zahlreicher wandernder Süßwasserfische sind im Vergleich zu den 1970er Jahren massiv eingebrochen. Beim Schutz dieser Tiere habe sich, im Gegensatz zu mancher an Land wandernder Spezies, bisher aber recht wenig getan, bemängeln die Autorinnen und Autoren eines neuen UNO-Berichts am Dienstag. Zu den 23 bereits geschützten Fischen, kommen 325 weitere Süßwasserfisch-Arten dazu, alleine in Europa wären 50 weitere Arten schutzbedürftig, heißt es in dem Papier.

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So viele Fischarten, die im Süßwasser leben und dort Rahmenbedingungen brauchen, die ihnen einen gewissen Aktionsradius bieten, würden bei genauerem Hinsehen die Kriterien des "Übereinkommens zum Schutz wandernder Tierarten" (CMS) erfüllen. Anlass für den neuen Bericht ist die aktuell laufende 15. Konferenz der über 150 CMS-Vertragsstaaten in Campo Grande (Brasilien). Die CMS-Regelungen sind speziell darauf ausgerichtet, dass Schutzmaßnahmen auch über Grenzen hinweg gesetzt und eingehalten werden.

Seit 1970 gibt es geschätzt rund 80 Prozent weniger migrierende Süßwasserfische weltweit. Für die weltweite Süßwasserfisch-"Megafauna" - also etwa den früher auch in hiesigen Donauabschnitten heimischen, bis zu sieben Meter langen, größten Süßwasserfisch, den Hausen (Huso huso) - geht man sogar von einem Rückgang um 94 Prozent aus. Der Treiber dahinter ist vor allem das Wirken des Menschen, der etwa Flusssysteme durch Bauten wie Kraftwerke künstlich unterteilt, Süßwasser verpestet oder durch den fortschreitenden Klimawandel indirekt den Druck auf viele Ökosysteme erhöht.

Diese markante Abnahme der Fisch-Vielfalt sei nicht nur ein Problem für das Funktionieren der Ökosysteme oder im Bemühen, die Artenvielfalt einigermaßen zu erhalten - sie ist auch wirtschaftlich problematisch, weil der Fischfang entlang und in den Mündungsbecken von Flüssen ein wichtiger ökonomischer Faktor ist. Besonderes Augenmerk legen die Berichtsautoren um den Biologen Zeb Hogan von der Universität Nevada (USA) auf die großen und wichtigen Flusssysteme Donau, Amazonas, Mekong, Nil, Ganges und Brahmaputra.

Das Team listet auch eine Reihe von "symbolträchtigen Spezies" auf, die im negativen Sinne reif für einen Eintrag in der CMS-Liste wären: Mit dem Huchen (Hucho hucho) findet sich darunter auch ein in Österreich heimischer und in vielen hiesigen Flüssen unter Druck befindlicher Fisch. Weitere heimische Arten, die man als "prioritäre Spezies" betrachtet, sind die Nase (Chondrostoma nasus), das Bachneunauge (Lampetra planeri), der Silberkarpfen (Hypophthalmichthys molitrix), der Perlfisch (Rutilus meidingeri) sowie der Wandersaibling (Salvelinus alpinus).

Neben den insgesamt 50 Arten, die es in Europa möglichst grenzüberschreitend zu schützen bzw. zu retten gilt, wären zudem in Südamerika mit 55 Spezies ähnlich viele neu auf etwaige rote Listen zu setzen. In Nordamerika identifizierten die Forscherinnen und Forscher 32 zusätzliche wandernde Arten unter Druck. In Afrika kommen die Experten auf 42 und in Asien sogar auf 205 schutzbedürftige Spezies.

Im Vergleich dazu sind momentan lediglich 23 wandernde Süßwasserfischarten unter CMS-Definition geschützt, heißt es. Dies sind drei Katzenfisch-Arten, der Europäische Aal und 19 Stör-Arten - darunter auch der Hausen. Gerade in Bezug auf den Schutz bzw. zur Neuansiedlung der Störe in unseren Breiten laufen seit einigen Jahren umfassende Bemühungen. Im Rahmen des Schutzprojektes "LIFE-Boat 4 Sturgeon" wird unter Leitung von Thomas Friedrich vom Institut für Hydrobiologie und Gewässermanagement der Universität für Bodenkultur (Boku) Wien ein Aufzucht- und Auswilderungsprogramm für den bis zu einen Meter großen Sterlet, den bis zu rund 2,30 Meter langen Waxdick, den ähnlich dimensionierten Sternhausen und den kapitalen Hausen betrieben. Letzterer ist nur noch in der unteren Donau und im Donaudelta heimisch. Früher wanderten die urtümlichen Fische im Donauraum über tausende Kilometer flussauf- und flussabwärts. Heute versperren ihnen zahlreiche Staustufen und Kraftwerke ihre angestammten Routen.

Oft werde vergessen, dass "viele der größten Wanderungen von Tieren auf der Erde eigentlich unter Wasser stattfinden", wird der Hauptautor des Berichts in einer Aussendung zitiert: "Die Untersuchung zeigt, dass wandernde Süßwasserfische ernsthaft gefährdet sind und dass ihr Schutz Kooperation zwischen Ländern erfordert, um die Flüsse verbunden, wirtschaftlich nutzbar und mit Leben erfüllt zu erhalten", so Hogan. Gegenüber dem deutschen Science Media Center (SMC) gaben Expertinnen und Experten, die nicht in den Bericht eingebunden waren, an, dass die zentrale Erkenntnis von über 300 zusätzlich zu schützenden Arten keineswegs übertrieben sei. Vermutlich liege die tatsächliche Zahl sogar noch höher.

(S E R V I C E - CMS-Website mit veröffentlichtem Report nach Ablauf der Sperrfrist: https://www.cms.int )

ORTH A.D. DONAU - ÖSTERREICH: FOTO: APA/APA/Schneider/HARALD SCHNEIDER

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