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REMASS: Resilienz ist nicht immer und für alle wünschenswert

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An nicht-nachhaltigen Systemen sollte man nicht unbedingt festhalten
©SCHNEIDER, APA, HARALD SCHNEIDER
Die geopolitischen Konflikte und die heißen Sommer zeigen die zunehmenden Versorgungsrisiken bei Rohstoffen und kritischen Produkten. Das Projekt REMASS befasst sich damit, wie unter diesen Bedingungen gesellschaftliches Wohlergehen für alle gesichert werden kann und welche Auswirkungen die Weltlage auf die Bemühungen haben, einen Übergang zum gerechten und nachhaltigen Wirtschaften herbeizuführen. Erste Ergebnisse zeigen: Resilienz ist nicht immer und für alle wünschenswert.

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Helmut Haberl von der Universität für Bodenkultur Wien (BOKU) präsentierte am Dienstag bei einem Mediengespräch von "Diskurs. Das Wissenschaftsnetz" Zwischenergebnisse des Forschungsprojekts "Resilienz und Gestaltbarkeit des gesellschaftlichen Stoffwechsels" (REMASS), an dem sechs Wiener Hochschulen und Forschungseinrichtungen zusammenarbeiten. Die zunehmend wichtigeren Themen, wie die Versorgung aufrechterhalten werden kann und wie Österreich und die EU gegenüber derartigen Umbrüchen resilienter werden können, seien aus seiner Sicht zu eng. Denn damit werde suggeriert, dass es darum gehe, Bestehendes zu erhalten. Zudem werde vernachlässigt, dass in der Polykrise Menschen auf der ganzen Erde - nicht nur in den reichen Industrieländern - betroffen seien.

Erfolgversprechend erscheinen nicht Lösungen, die heutige, nicht-nachhaltige Systeme mit aller Gewalt aufrechterhalten wollen, sondern der Aufbau von attraktiven, sozial gerechten und ökologisch nachhaltigen Versorgungssystemen. Resilienz sei nicht immer und für alle wünschenswert, so Haberl in seinem Zwischenresümee. Die Resilienz mancher Systeme kann ein Problem sein, etwa bei der fossildominierten Energieversorgung. Diese erzeuge die Abhängigkeit von ganz bestimmten Regionen und Akteuren, die "uns im Moment eigentlich sehr stark im Würgegriff haben".

Die Erhöhung der Resilienz durch bestimmte Maßnahmen könne aber auch zu Kosten für andere führen. Dabei könne es durch den Ausstieg aus der fossilen Energie zur Abhängigkeit von kritischen Rohstoffen (etwa bei der Photovoltaik) kommen, um dann durch ökologisch ungleichen Handel die Versorgung mit zweifelhaften Praktiken sicherzustellen, so Haberl weiter.

Zentral sei die Resilienz der Versorgung mit jenen Gütern und Dienstleistungen, die für ein gutes Leben für alle nötig sind, etwa Ernährung, Wohnen, Transport und Energie. Hier erscheinen Strategien erfolgversprechend, die Versorgungssysteme mit diesen Leistungen so umbauen, dass sie mit geringerem Ressourcenverbrauch eine gute Versorgung bringen, so Haberl. Ein Beispiel wäre die grüne 15-Minutenstadt mit hoher Wohnqualität als Alternative zur ressourcenintensiven Zersiedlung und zum Flächenverbrauch.

Die politische Antwort auf Österreichs Abhängigkeit von fossilen Energieimporten setzt laut Caroline Zimm, vom Internationalen Institut für Angewandte Systemanalyse (IIASA), fast ausschließlich auf die Angebotsseite - sei es bei der Diversifizierung der Gasimporte, neuer Infrastruktur oder kurzfristigen Notfallmaßnahmen. Dabei bieten nachfrageseitige Maßnahmen in Gebäuden, Verkehr und Industrie bisher kaum genutztes Potenzial, um Österreichs Energiesystem widerstandsfähiger gegen künftige Schocks zu machen, so Zimm. Ein einseitiger Fokus auf Versorgungssicherheit schaffe neue Abhängigkeiten und lasse Zusatznutzen für Gesundheit, Handelsbilanz, Beschäftigung und Klima ungenutzt. "Es gehe langfristig darum unabhängig von fossilen Energieträgern zu werden."

Bei der Resilienz, die wir brauchen, gehe es um Versorgungssysteme, die an erster Stelle den Bedürfnissen von Menschen innerhalb planetarer Grenzen zuträglich seien, so Anke Schaffartzik und Sarah Ware von der Central European University Wien. Dabei verwies Schaffartzik auf Wien. Dort werde einiges "klimafit" gemacht. Allerdings bedeute dies eher, "dass die Klimakrise voranschreitet und ein Weg der Anpassung an die höheren Temperaturen in der Stadt eingeschlagen wird - und weniger, dass zentral an dem notwendigen Ausstieg aus fossiler Energie gearbeitet wird". Die Prozesse des Umdenkens und des Umbaus, die es braucht, müssen demokratisch und partizipativ, also mit der Öffentlichkeit bzw. den Betroffenen, gestaltet werden. Das müsse auch über bereits bestehende Allianzen hinaus erfolgen, so Schaffartzik.

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