von
Der Rat für Forschung, Wissenschaft, Innovation und Technologieentwicklung legte im Parlament seinen "Forschungs-, Technologie und Innovationsmonitor 2026" (FTI-Monitor) vor und ist auch einer der zentralen Akteure im Prozess zur Erstellung der im Regierungsprogramm festgeschriebenen "Hochschulstrategie 2040". In Reaktion auf die im Raum stehenden Kürzungen in den Uni-Budgets 2028 bis 2030 in der Höhe von rund einer Milliarde Euro sind die durch die Universitätenkonferenz (uniko) vertretenen Hochschulen des Landes vorerst aus dem Analyseprozess ausgestiegen.
Für den Forschungsrat dreht sich die Debatte jetzt "ausschließlich um einen Verteilungskampf" und nicht um die grundlegende Frage "Welche Hochschulen braucht Österreich?", hieß es in einer Aussendung im Vorfeld der FTI-Monitor-Präsentation. Für den Forschungsratsvorsitzenden Thomas Henzinger ist "Finanzierung nur ein Teil der Rechnung". Es fehle nämlich eigentlich an treffsicher eingesetzten Mitteln: "Wie wir in unserer Analyse zuletzt festgestellt haben, ist das österreichische Hochschulsystem nicht so leistungsfähig wie in vergleichbaren Ländern. Eine bloße Fortschreibung aller Budgets würde daran wenig ändern."
Schon in den vergangenen Jahren hatte das Beratungsgremium der Bundesregierung etwa mehrfach dazu geraten, in der Forschungsfinanzierung mehr Gelder im Wettbewerb zu vergeben. Das aktuelle Hochschulsystem mit seinen im Vergleich zur Größe des Landes sehr vielen - nämlich 23 öffentlichen - Hochschulen habe diverse Schwachstellen. So zum Beispiel etwa, dass man mit Steuergeld relativ viele internationale Studierende ausbilde, die dann nicht am heimischen Arbeitsmarkt Fuß fassen. Ebenso sei das Studienrecht mit seiner "Unverbindlichkeit" überholt, es gebe ein Querfinanzieren des Gesundheitssystems über das Uni-Budget (Stichwort: Ärztegehälter an Medizin-Unis) oder Karrierestrukturen, die einerseits Prekariat fördern und andererseits althergebrachte Hierarchien einzementieren sowie viel "Gegeneinander" statt Miteinander unter den Hochschulsektoren, hält der Rat fest.
Daher könne man sich ein "Weiter wie bisher" ebenso wenig leisten wie eine Bundesregierung, die Forschung und Wissenschaft "keine Priorität" gibt. Die geplante Hochschulstrategie sei jedenfalls "ein vernünftiges Ziel", so Theresia Vogel, stellvertretende Forwit-Vorsitzende. Bleibe alles wie bisher, "wie es sich viele wünschen", könne man den künftigen Herausforderungen nicht begegnen.
Luft nach oben in den Strukturen des Forschungs- und Entwicklungssystems (F&E) gebe es insgesamt in vielen Bereichen, die teils auch schon sehr lange bekannt sind, zeigt die heurige Ausgabe des alljährlich erstellten FTI-Monitors. Österreich habe als "starker Innovator" im europäischen Innovationsranking (European Innovation Scoreboard) eine solide Basis in vielen Zusammenhängen, sei alles in allem gut im Weiterentwickeln von bestehenden Ideen und Technologien, aber weiter schwach im Etablieren von Neuem und grundlegend Innovativem, so Alexandra Mazak-Huemer vom Forwit.
Die F&E-Quote am BIP von heuer voraussichtlich 3,34 Prozent und die einschlägigen Geldflüsse in der Höhe von 17,6 Mrd. bleiben weiter hoch. Der Anteil der Mittel aus der öffentlichen Hand sei auf Top-Niveau. Bei all dem "Input" fehle es aber weiter an entsprechendem "Output" - ein Fazit, das sich aus diversen FTI-Monitoren herauslesen lässt. So tue sich weiter wenig bei der Verwertung von Wissen in Richtung Patente, Prototypen, universitäre Spin-offs, Start-ups, etc. Alleine mehr Geld in das System zu pumpen, helfe hier nicht, so das Fazit.
Vor allem bei den Technologieunternehmensgründungen habe sich Österreich "nicht für die Weltmeisterschaft qualifiziert", meinte Georg Kopetz, Forwit-Mitglied und Vorstand des Wiener Hightech-Unternehmens TTTech. Bei dem Thema werde man als Rat heuer noch "lauter werden". Es gehe hierzulande vieles "viel zu wenig schnell". Im Land gebe es zwar "Hunderte Milliarden auf Konten", deren Eigentümer würden jedoch höchst ungern in Technologiefirmen mitinvestieren. Da würden dann auch internationale Investoren stutzig und der Staat allein könne neue Firmen nicht alleine in großem Maßstab mit Förderungen hochziehen. Die hier bemühten Unis wiederum seien für diesen Transfer eigentlich nicht konzipiert worden, so Kopetz.
Zu wenig tue sich etwa auch im Bereich der Umwelt-, Klima-, Energietechnik, hielt Vogel fest. Die Diskussion um die notwendige Energiewende sei zu stark ideologisch getrieben. Der Bereich, in dem Österreich eigentlich einiges anzubieten hat, werde leider vernachlässigt. China oder Indien erkennen dies als riesigen Markt und treiben diesen voran, so auch Kopetz. Trotz einer Energiekrise nach der anderen tue sich in unseren Breiten recht wenig. Österreich ignoriere das bestehende Wissen und die technologisch-wirtschaftlichen Chancen um die Klimawandelanpassung, so Vogel.
(S E R V I C E - https://ftimonitorx.forwit.at/ )






