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"Die Welt am Scheideweg" und die Suche nach einer friedlichen Koexistenz stand im Fokus einer Diskussionsrunde. Weitere Panels befassten sich mit Bildung und Erziehung sowie der Rolle der Religion im Staatswesen und in der Zivilgesellschaft. Der Informationschef im indonesischen Außenministerium, Heru Hartanto Subolo, hob die wachsende Bedeutung der digitalen Technologie hervor und warnte zugleich vor deren Gefahren.
Das multikulturelle und -religiöse Indonesien, zugleich der weltweit größte mehrheitlich muslimische Staat, schuf im ganzen Land hunderte Foren für religiöse Harmonie, um das Zusammenleben der Ethnien und Religionen zu fördern. Adib Abdushomad vom Religionsministerium sagte dazu: "Religiöse Harmonie kommt nicht von allein, sie muss gepflegt und entwickelt werden." Samsul Maarif, Universitätsprofessor aus Jakarta, ergänzte, es gebe auch Arbeitsgruppen für die indigenen Religionen. Verletzungen der Menschenrechte beträfen oft Frauen.
Der Rektor der Islamischen Staatsuniversität in Jakarta, Asep Saeffudin Jahar, bezeichnete die Universitäten als "Kanäle" für religiöse Integration. Nach den Worten der österreichischen Theologieprofessorin Regina Polak, die auch in der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) Erfahrungen über die Koordinierung diverser Gruppen gesammelt hat, spielen religiöse Gemeinschaften eine wichtige Rolle in der Gesellschaft, auch wenn sie nicht direkt in die Politik involviert sind.
Markus Ladstätter von der österreichischen Bischofskonferenz sieht die Religionen als "Partner von Staaten". In Österreich sei "das System Religion-Staat historisch gewachsen". Das Ziel müsse generell sein: freie Religionen in einem freien Staat. Doch gegenwärtig sei "Populismus auf allen Ebenen" eine große Gefahr. Der Islam-Professor Zekirija Sejdini von der Universität Wien stellte fest: "Soziale Kohäsion kommt nicht von allein."
Österreichische Religionsvertreter verwiesen auf die lange Tradition, die freilich auch blutige Phasen durchlief. Der katholische Militärbischof Werner Freistetter betonte, heute existierten 16 anerkannte Religionsgemeinschaften im Land. Die protestantische Bischöfin Cornelia Richter sprach von gut funktionierender interreligiöser Kooperation. Ümit Vural, Präsident der islamischen Glaubensgemeinschaft IGGÖ, unterstrich die Bedeutung religiöser Bildung und die existierende Diversität im Bundesheer. Den Dialog als wichtiges Instrument für eine friedliche Koexistenz hob Gerhard Weissgrab von der Buddhistischen Union hervor.
Für eine stärkere Berücksichtigung der Religionen im öffentlichen Diskurs sprachen sich einige Referenten aus, zumal viele Menschen in den familiären Strukturen eine religiöse Prägung erfahren haben, auch wenn sie später die Religion nicht praktizieren. Ani Nigeriawati, Chefin für Öffentliche Diplomatie im Außenministerium Indonesiens, plädierte für "eine Soft Power-Strategie". Eine Vertreterin der Islamischen Jugendorganisation schilderte deren Aktivitäten im lokalen Dialog und im Deradikalisierungstraining.
Der riesige Inselstaat Indonesien verfügt aus Sicherheitsgründen über ein Frühwarnsystem. Dieses wurde eingerichtet, um das Religionsministerium über drohende sozial-religiöse Konflikte zu informieren, erklärte Adib Abdushomad, Chef des Zentrums für Religiöse Harmonie in diesem Ministerium. Matius Ho, Direktor am Leimena Institut in Jakarta, sprach von 40 Institutionen im ganzen Land, die in Kooperation mit diversen Ministerien tausende Religionslehrer ausbilden.
Im Vorfeld der Wiener Konferenz hatte in Graz das österreichisch-indonesische Forum für Interkulturellen und interreligiösen Dialog (IAIID) getagt, das unter der Ägide der Außen- und Religionsministerien (bzw. Kultusamt im Bundeskanzleramt) seit 2010 regelmäßig zusammentritt. Die letzte IAIID-Sitzung fand 2024 in Bandung statt. Im Herbst 2025 weilte eine österreichische Delegation zu hochrangigen Gesprächen mit Politikern und Religionsführern in dem asiatischen Inselstaat.
In Graz wurden die gesetzlichen Rahmenbedingungen für ein konstruktives Verhältnis von Staat und Religion erörtert. Unter Einbindung von Universitäten ging es um digitale Plattformen, Erziehung von Schülern und Ausbildung von Lehrern, den Austausch von Erfahrungswerten. Weitere Themen waren Präventivmaßnahmen gegen Radikalisierung und Extremismus sowie Vertiefung der internationalen Diplomatie.
Die österreichisch-indonesische Kooperation auf dem Gebiet der Religionen zeichnet sich durch einige Besonderheiten aus. Österreich blickt als ehemaliger Vielvölkerstaat auf eine lange Tradition multireligiöser und multikultureller Vielfalt zurück. 1912 wurde der Islam in der österreichisch-ungarischen Monarchie anerkannt - Österreich war damit das erste Land in der heutigen EU, das diesen Schritt tat.
Indonesien erlebte mehrere Jahrhunderte niederländischer Kolonialzeit, bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs. Erst nach mehrjährigem Bürgerkrieg und Jahren harter Diktatur erlangte das Reich der tausenden Inseln seine Unabhängigkeit bzw. Freiheit. Für den neuen Staat - mit hunderten Spachen und allen großen Religionen - wurde neben einer eigenen Nationalsprache das Grundgesetz der Pancasila geschaffen, das den Pluralismus absichern soll und den Bürgern aller Religionen gleiche Rechte gewährt.
Mit 85 Prozent bilden Muslime die überragende Mehrheit der mehr als 280 Mio. Indonesier. Neben dem Islam sind fünf weitere Religionen staatlich anerkannt: Protestanten, Katholiken, Hindus, Buddhisten und Konfuzianer. Eine gemeinsame Sprache war den Gründervätern ein Anliegen, um die diversen Ethnien zusammenzuhalten. Die heutige Unterrichts- und Amtssprache basiert auf dem Malaiischen. Daneben werden weiter die angestammten Sprachen gesprochen.
WIEN - ÖSTERREICH: FOTO: APA/ROLAND SCHLAGER





