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"Rund 14 Prozent der Weltbevölkerung ab dem 20. Lebensjahr sind von einer chronischen Nierenkrankheit betroffen - aber 70 bis 80 Prozent wissen davon gar nichts", betonte der Direktor an der Innsbrucker Universitätsklinik für Nephrologie und Hypertensiologie. Die Diagnose sei vergleichsweise einfach: Auffällige Blut- oder Harnwerte, die über einen Zeitraum von rund drei Monaten bestehen bleiben, würden bereits ausreichen.
Entsprechende neue Ansätze zu Diagnose und Therapie, die Kronbichler gemeinsam mit einem internationalen Forschungsteam beschrieben hat, wurden Mittwochvormittag in Artikeln im Fachjournal "The Lancet" veröffentlicht. Bei der Forschungskooperation, die von Fachleuten aus Schottland und Kanada geleitet wurde, seien unter anderem Mediziner aus China, Australien, Südafrika, den USA und Österreich involviert gewesen, berichtete der gebürtige Kufsteiner. Die Arbeiten würden indes neben Screening, Diagnostik und möglichen neuen Therapien auch geschlechtsspezifische Unterschiede thematisieren.
Kronbichler sprach sich jedenfalls dafür aus, das Screening chronischer Nierenerkrankungen stärker in bestehende Vorsorgeuntersuchungen einzubauen. "Die Kosten der Tests sind nicht das Hauptproblem - entscheidend sind Zugang, Bewusstsein und Standardisierung", betonte er. In Österreich sei vielen nicht bekannt, "wie einfach das eigentlich ist". Eine Harnanalyse könne mit geringem Zusatzaufwand durchgeführt werden.
Problematisch ist aus Sicht des Nephrologen auch, dass Tests im niedergelassenen Bereich nicht immer standardisiert sind. Dabei gebe es klare Kriterien dafür, welche Werte bestimmt werden müssten, sagte Kronbichler. Gemeinsam mit der Österreichischen Gesellschaft für Nephrologie habe man bereits versucht, unter anderem die Österreichische Gesundheitskasse von der Sinnhaftigkeit eines Screenings zu überzeugen. "In Ländern wie Slowenien wird ein solcher Zugang bereits in der Primärversorgung etabliert", meinte der Mediziner.
Das internationale Forschungsteam legte einen weiteren Fokus auf geschlechtsspezifische Unterschiede bei der Diagnose und Behandlung chronischer Nierenerkrankungen. "Frauen sind im Vergleich zu Männern häufiger unterdiagnostiziert", sagte Kronbichler. Ein Grund sei, dass der Eiweißverlust über die Nieren - ein zentraler Laborwert - bisher an das Muskelabbauprodukt Kreatinin angepasst wird. Aufgrund ihrer geringeren Muskelmasse würden Frauen auch weniger Kreatinin ausscheiden und erhalten deshalb seltener die entsprechende Diagnose.
Auch klinische Studien seien bei vielen Erkrankungen weiterhin männlich dominiert. Das Verhältnis der Teilnehmenden gehe teils in Richtung 70 zu 30, wodurch nicht immer ausreichend klar sei, ob Therapien bei Männern und Frauen gleich wirksam sind. "Künftig braucht es daher eine ausgewogenere Rekrutierung und geschlechtsspezifische Analysen", betonte er. An der Universitätsklinik in Innsbruck werde etwa gemeinsam mit der Gynäkologie an einer Nachsorgesprechstunde für Frauen gearbeitet, die während der Schwangerschaft schwer erkrankt waren. "Auch Schwangerschaftskomplikationen können Nierenerkrankungen verursachen - daher brauchen wir eine systematische Nachsorge, um bleibende Nierenschäden frühzeitig zu erkennen", forderte der Mediziner.
Bei den Behandlungsmöglichkeiten verwies Kronbichler auf mehrere Wirkstoffgruppen. Neben medikamentösen Therapien spielten aber auch nicht-pharmakologische Maßnahmen eine Rolle, sagte er und verwies auf mediterrane Ernährung, körperliche Bewegung und salzarme Kost. "Bei bereits erkrankten Nieren sollte eine sehr proteinreiche Ernährung vermieden werden", riet der Nephrologe. Besonders betroffen seien indes Menschen über 50 Jahre sowie jene mit Diabetes, Bluthochdruck, Herz- oder Lebererkrankungen. Auch genetische und seltene autoimmune Nierenerkrankungen könnten eine Rolle spielen.
In Österreich würde man indes mit zehn Prozent Betroffenen in der Bevölkerung rechnen, sagte Kronbichler. In einer Salzburger Screening-Studie mit rund 10.000 Teilnehmenden habe der Anteil jedenfalls bei bis zu sieben Prozent gelegen.






