von
Als einer der Vortragenden stellte der ehemalige Bildungsminister und aktuelle Präsident der Akademie der Wissenschaften (ÖAW), Heinz Faßmann, zehn rhetorische Fragen, die es unter anderem zu beantworten gelte - so unter anderem, ob das Hochschulsystem künftig ausgebaut werden solle. Derzeit würden von den rund 90.000 Personen eines Altersjahrgangs 42.000 bzw. 47 Prozent ein Studium beginnen. Rechne man ältere Studienanfänger, Ausländer sowie Mehrfachinskriptionen dazu, würden jährlich rund 65.000 Bachelor-Studien angefangen. Eine weitere Erhöhung würde das duale System der Lehrausbildung eventuell gefährden.
Weitere Fragen würden die Steuerung von Studieneinstieg und Studienzeit betreffen. Während etwa die Fachhochschulen über Zugangsbeschränkungen verfügen, gelte dies an den Unis nur für bestimmte Fächer wie etwa Medizin oder besonders stark nachgefragte Studienrichtungen. Sein Rat: "Gebt den Hochschulen mehr solche Instrumente in die Hand."
Das sollte auch die hohe Dropout-Rate vor allem an den Unis senken. Nur 21 Prozent schließen hierzulande in der Regelstudienzeit ab, international sind es 43 Prozent. An den Fachhochschulen, aber auch etwa im beschränkten Medizinstudium sei das anders, so Faßmann. Offenbar gebe es einen Zusammenhang zwischen Zugangsmanagement und zügigem Studieren.
Nicht debattieren sollte man dagegen über Studiengebühren, meinte Faßmann. "Verlieren Sie keine Zeit damit. Das ist politisch tabu und das bleiben sie auch." Er könne das auch nachvollziehen. In einem Hochsteuerland verliere man das Verständnis, wenn man für bestimmte Leistungen erneut zahlen müsse. Die derzeitigen Gebühren von 363,36 Euro pro Semester nur für Langzeit-Studierende seien lediglich ein "Anerkennungsbeitrag" - wenn es zumindest gelänge, diese seit 2001 unveränderte Summe zu valorisieren, wäre dies wohl auch ein Schritt zur Valorisierung der Mittel für die Hochschulen.
Ebenfalls nicht im Rahmen der Hochschulstrategie diskutiert werden sollten Detailfragen wie die Kompetenzverteilung von Senaten, Rektoraten und Uniräten oder wie man die Beteiligung bei ÖH-Wahlen steigern könne. Sehr wohl Thema sein sollten aber Fragen wie Karrierewege und Doktoratsprogramme.
Bei der umstrittenen Frage, ob auch an Fachhochschulen (FH) Doktoratsprogramme offeriert werden dürfen, schlug der ehemalige Bildungsminister konkrete Kriterien vor. Derzeit sei es unbefriedigend, dass etwa Privatunis Doktorate anbieten dürfen, FH aber nur in Kooperation mit Unis. Nötig wäre es klar zu sagen, welche Indikatoren und welches Forschungsumfeld nötig seien, um ein forschungsintensives Doktorat machen zu können. Sollten diese Voraussetzungen erfüllt werden, sehe er keinen Grund, Hochschulen dies zu verweigern.
Beantwortet werden müsse auch die Frage, ob derzeit 77 Hochschulen nicht zu viele seien - auch angesichts der Tatsache, dass weiterhin neue geplant seien. "Größe ist Voraussetzung für Forschung von kritischer Masse", meinte Faßmann. So hätten es etwa die FH bis jetzt zu wenig verstanden, sich zusammenzuschließen. Ob es wirklich 3.600 Studiengänge brauche oder ob nicht Angebote gebündelt werden könnten - ob durch Zusammenlegen, Merger oder Kooperationen - sei ein wichtiger Punkt. In Sachen Finanzierung brauche es außerdem eine Weiterentwicklung in Sachen Leistungsorientierung.
Für die Hochschulstrategie 2040 erstellt der Rat für Forschung, Wissenschaft, Innovation und Technologieentwicklung (FORWIT) bis April eine Analyse des derzeitigen Systems. Parallel dazu tagen Arbeitsgruppen zu acht Themenschwerpunkten - etwa zu Rahmenbedingungen für "das Studium der Zukunft", attraktiven Arbeits- und Karrierebedingungen für Forschende, internationaler Sichtbarkeit des österreichischen Hochschul- und Wissenschaftsstandortes sowie zum Bereich exzellente Forschung und Innovation, zur Hochschulorganisation, zur "diversen und inklusiven Zukunft" an den Hochschulen, zu hochschulübergreifender Zusammenarbeit sowie "Hochschule und Demokratie". Eine Zwischenbilanz ist für Juni 2026 angekündigt,






