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In dem Projekt haben Wissenschafterinnen und Wissenschafter unter anderem der Universität für Bodenkultur (Boku) Wien und der Bundesanstalt für Wein- und Obstbau Klosterneuburg unterstützt u.a. vom Verein Streuobst Österreich 23 Testgebiete in allen Bundesländern mit 1.170 Streuobstflächen mit einer Gesamtfläche von 232 Hektar untersucht. Dabei zeigte sich, dass strukturreiche, extensiv bewirtschaftete Streuobstbestände mit Altbäumen, Totholz und offenen Bodenstellen "Schlüsselhabitate für Insekten sowie unverzichtbare Rückzugsräume für Vögel und Säugetiere" sind, wie die Boku mitteilte.
Insgesamt wurden in nur einem Erhebungsjahr auf den Testflächen 321 Insektenarten nachgewiesen, darunter 225 Bienen-, 65 Tagfalter- und 31 Heuschreckenarten. Bezogen auf die österreichische Gesamtfauna wurden damit 24 Prozent der insgesamt 127 Heuschreckenarten, 30 Prozent der 215 Tagfalterarten und 32 Prozent der 700 Bienenarten in den Streuobstflächen erfasst, heißt es in dem Forschungsbericht. "Das zeigt die enorme Bedeutung dieser Lebensräume", erklärt Sophie Kratschmer vom Institut für Zoologie der Boku. Nachgewiesen wurden auch streng geschützte Arten wie der Große Feuerfalter und der Schwarze Apollo.
Auch für Fledermäuse sind Streuobstwiesen von zentraler Bedeutung: 23 der 31 in Österreich bekannten Arten wurden auf den Testflächen nachgewiesen. Davon gelten zehn Arten als "gefährdet", eine als "stark gefährdet" und eine als "vom Aussterben bedroht". "Die Mischung aus Offenland und Gehölzstrukturen schafft ideale Bedingungen", so Markus Milchram von der Koordinationsstelle für Fledermausschutz und -forschung.
Zudem wurden mehr als 110 Vogelarten in den Testgebieten erfasst. Darunter findet sich etwa die Hälfte der regelmäßig in Österreich brütenden Vogelarten. Typische Vertreter wie Wiedehopf, Wendehals oder Gartenrotschwanz profitieren von Baumhöhlen alter Obstbäume und extensiv bewirtschafteten Wiesen. Von den 229 in der österreichischen Roten Liste geführten Vogelarten zeigen 21 einen klaren Bezug zu Streuobstflächen.
Trotz ihres hohen ökologischen Wertes sind Streuobstwiesen stark im Rückgang, bei den verbleibenden Beständen wurden gravierende Probleme festgestellt: Auf 68 Prozent der Flächen fehlen ausreichende Nachpflanzungen, 63 Prozent der Bäume werden nicht oder nur unzureichend gepflegt. Klimawandelfolgen wie die zunehmende Ausbreitung der Mistel verschärfen die Situation weiter. Rainer Silber, Obmann des Vereins Streuobst Österreich sieht deshalb "dringenden Handlungsbedarf".
Für eine künftige genauere Erfassung des Zustands der Streuobstwiesen hat das Forschungsteam eine neue KI-gestützte Monitoring-Methode entwickelt, die Felderhebungen mit digitalen Geländemodellen und Satellitendaten kombiniert. Mit dem kosteneffizienten Verfahren können die Forschenden Veränderungen langfristig verfolgen und Maßnahmen gezielt dort gesetzt werden, wo sie am dringendsten benötigt werden.
(SERVICE - Link zur Studie: https://go.apa.at/WrA6pPhv )






