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Sozialkompetente Fische: Kontakt mit vielen Geschwistern gut

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Blick auf den Tanganjikasee
©FEDERICO SCOPPA, AFP, APA
Reger Umgang mit vielen Geschwistern erhöht die soziale Kompetenz, fand die österreichische Verhaltensbiologin Barbara Taborsky bei Buntbarschen aus dem Tanganjikasee heraus. Es ist nicht alleine fördernd, Gleichaltrige in der frühen Kindheit um sich zu haben, sondern man müsse auch ausgiebig mit ihnen interagieren, erklärte sie im Fachjournal "PNAS". Nur beides zusammen hilft den Tieren lebenslang, adäquat auf soziale Herausforderungen zu reagieren.

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Barbara Taborsky und ihr Doktorand Bruno Camargo-dos-Santos ließen am Institut für Ökologie und Evolution der Universität Bern Wurfgeschwister des Buntbarschs "Prinzessin vom Tanganjikasee" ( ) unter unterschiedlichen Bedingungen aufwachsen. Zweiunddreißig Jungfische wuchsen in den prägenden ersten drei Lebensmonaten in einer großen Gruppe heran, wo sie ausgiebig miteinander interagieren konnten. In anderen Becken lebten kleinere Nachwuchsgruppen von nur acht Geschwistern. Drittens gab es Aquarien mit durchsichtigen Trennwänden für zweiunddreißig kleine Buntbarsche, wo jeweils nur acht davon direkten Umgang pflegen konnten.

Die Fische aus der großen Nachwuchsgruppe mit uneingeschränkten Kontakten zeigten in dieser Zeit mehr freundliche Interaktionen mit ihren Geschwistern als die anderen. Das konnte zum Beispiel freundschaftliches Anstupsen sein, oder die Geschwister schwammen nebeneinander her, erklärte Taborsky der APA. Sie gebärdeten sich untereinander auch weniger aggressiv, zeigten also weniger Drohverhalten wie die Kiemendeckel zu spreizen, das Gegenüber offensiv anzuschwimmen und vielleicht sogar zu rammen.

Aufgrund ihrer frühen Erfahrungen waren die Fische aus den großen Gruppen im späteren Leben sozial kompetenter, so die Forscherin. Sie konnten nämlich einen Konflikt mit einem größeren, dominanten Artgenossen besser lösen, als sie im Jugendalter (mit fünf Monaten) ihr erstes Territorium an ihn verloren. "Wir setzten den Test-Fisch über Nacht in ein Becken mit einer Blumentopfhälfte, die die Mitte seines Territoriums bildete", heißt es in der Fachpublikation: "Am nächsten Tag wurde ein unbekannter, großer Artgenosse in das Testbecken gesetzt." Mit einem speziellen Unterwerfungsverhalten, nämlich Schwanz-Vibrieren, zeigten sie ihm beispielsweise, dass sie seine Dominanz anerkannten. Die Jugendlichen aus der großen Gruppe wurden daraufhin eher vom starken Eindringling akzeptiert und durften sich uneingeschränkt in seinem Territorium bewegen, während die anderen teils in einer kleinen Ecke des Beckens ausharren mussten oder weiterhin angegriffen wurden.

In ihrer natürlichen Umwelt im Tanganjikasee in Afrika leben diese Buntbarsche in Gruppen mit Arbeitsteilung und sozialer Hierarchie. Eine hohe soziale Kompetenz ist für Jungfische dort überlebenswichtig, um im Territorium eines dominanten Brutpaares leben zu dürfen und von ihm vor größeren Räubern geschützt zu werden. Dafür sind laut den Experimenten zwei Dinge nötig, so Taborsky: Viele Geschwister und ein ausreichend direkter Umgang mit ihnen. "Soziale Kompetenz entsteht also nicht allein durch die Anzahl der Individuen oder Interaktionen, sondern durch die Kombination beider."

Service: Studie in "PNAS": https://dx.doi.org/10.1073/pnas.2527981123

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