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Es sei nur wenigen bewusst, wie sehr die Energieversorgung weiter am Bergbau hängt. Nicht nur für kritische Rohstoffe, wie etwa seltene Erden, sondern auch für "nicht kritische" wie für die Stahlproduktion von Masten, oder Baumaterial für deren Fundamente. Es gibt aber heftige Kritik an Umweltschäden, die durch den Abbau von Rohstoffen wie Lithium entstehen. Nicht nur in Europa wehren sich lokale Bevölkerungen und Umweltgruppen dagegen, dass in ihrer Nähe nach den für die Energiewende notwendigen Rohstoffen geschürft wird.
Bergbau wirkt sich in mehreren Bereichen auf die Umwelt aus, insbesondere in Form von Landverbrauch, Wasserverbrauch und CO2-Ausstoß. Der Effekt könne zwar nicht auf Null gesenkt, aber doch stark reduziert werden, sagt Tost: "Wenn wir es als Menschheit wollten, wenn wir unsere ökonomischen Rahmenbedingungen ändern wollten, könnten wir viel erreichen". Außerdem sei klar, dass es, auch bei Einrechnung aller möglichen negativen Effekte im Produktionszyklus, für die Umwelt ein Gewinn ist, auf die erneuerbaren Energieträger umzusteigen.
Der Bergbau erzeuge wohl die größte Menge an Abfällen aller Branchen. Am steirischen Erzberg etwa werden von 13 Mio. Tonnen Gestein nur 3 Mio. Tonnen Eisenerz und daraus wieder nur 1 Mio. Tonnen Eisen gewonnen, nennt Tost als Beispiel. Bei jedem Bergbau sei die Frage, was mit dem Gesteinsaushub geschieht. Soweit er nicht mit "Störstoffen" wie Cadmium oder Arsen verunreinigt ist, kann er als Baustoff weiterverwendet werden. Teilweise können die Rückstände auch wieder unter Tage gelagert werden, allerdings maximal zu rund 60 Prozent.
In Europa sei es inzwischen selbstverständlich, dass bei einem neuen Bergbauprojekt mitgeplant werden muss, wie das Umfeld nach dem Ende des Projekts so gestaltet werden kann, dass womöglich ein höherwertiges Ökosystem entsteht - etwa ein neues Biotop dort, wo der Bergbau eine große Grube hinterlassen hat. Darum spricht Tost auch lieber von "Umweltauswirkung" als von "Umweltschaden" durch den Bergbau.
Unter anderem habe die Elektrifizierung des Bergbaus schon begonnen - von Pilotprojekten mit ultraschweren Lkw in den Minen bis zu elektrischen Förderbändern. Das habe neben der Verringerung des CO2-Ausstoßes auch positive Effekte auf die Abgasbelastung, vor allem im Untertagebau und könne zu Einsparungen bei der Belüftung führen. In Minen in Nordeuropa werde das Abwasser inzwischen so gereinigt, dass es keine Belastung für die Umwelt mehr darstellt.
Wer im Übrigen wirklich über Umweltschäden im Bergbau besorgt ist, müsste über Stoffe wie Gold nachdenken, gibt Tost zu bedenken. Die abgebauten Menten reichen, um vermutlich auf Jahrhunderte den industriellen Bedarf abzudecken. Pro Tonne Erz wird nur ein Gramm Gold gewonnen, also ein Millionstel des bewegten Materials, und das werde dann großteils in Tresore gelegt oder maximal als Schmuck genutzt. Teilweise gibt es Goldabbau in Mangrovenwäldern, "müssten die für die Zerstörung der Mangroven zahlen, würde sich das nie und nimmer rechnen", so Tost. "Etwas abzubauen, wo nur 1 Gramm je Tonne genutzt wird, um es in den Tresor zu legen, das ist Irrsinn im Kontext der heutigen Umwelt- und Sozialprobleme". Bei Diamanten sei die Konzentration sogar noch geringer als bei Gold.
Klarerweise werden die Rohstoffe durch ökologischeren Abbau teurer, räumt Tost ein. In Relation zum Verkaufspreis der High-Tech-Produkte, die darauf angewiesen sind, seien es aber Bagatellbeträge. Die Materialkosten eines Handys etwa würden nur um ein paar Cent steigen. Seine eigene Forschung habe gezeigt, dass die Mehrkosten für eine substanzielle CO2-Reduktion beim Abbau der vier wichtigsten Metalle "im jetzt üblichen Schwankungsbereich der Preise" liegen würden.
Die Mehrkosten wegen Umweltauflagen seien auch nur einer von mehreren Gründen, warum Europa im Vergleich zu anderen Weltregionen beim Bergbau ins Hintertreffen geraten ist. Land werde in Europa eher für andere Zwecke genutzt und auch die Arbeitskräfte fehlten oft. Insbesondere in Skandinavien sei die Verfügbarkeit von Arbeitskräften ein limitierender Faktor, auch wenn der Trend in Richtung Automatisierung gehe. Und schließlich mache auch die Große und Qualität der europäischen Lagerstätten den Konkurrenzkampf schwer, listet Tost auf.
Zugleich sei Europa bei Forschung und Innovationen im Bergbau gut unterwegs, auch das jüngste EU-Forschungsprogramm sehe dafür wieder Geld vor. Viele Bergbaumaschinen kommen aus Europa. Unter anderem gebe es das Projekt "Robominers", das an kleinen Bergbau-Robotern forscht, um komplexe alpine Lagerstätten zu ökonomisch vertretbaren Kosten abbauen zu können. "Wir können über Innovation auch wieder ökonomisch konkurrenzfähig werden", hofft Tost.
Recycling von Rohstoffen sei "in vielen Bereichen sinnvoll", sagt Tost. Allerdings stecken in einem Handy über 60 Rohstoffe, teilweise in sehr komplexen Kombinationen und in sehr geringen Konzentrationen. "Man kann das technisch schon herausbringen, aber ökonomisch schaut es schlecht aus", sagt Tost. Dennoch mache es "im Großen Sinn, wir müssen von der linearen Wirtschaft wegkommen".
In Österreich gebe es viel Expertise zum Bergbau, nicht zuletzt an der Montanuniversität Leoben, aber auch an der Wirtschaftsuniversität Wien und an der Universität für Bodenkultur gebe es international anerkannte Teams im Bereich Rohstoffanalyse. Und das heimische Finanzministerium erstelle mit dem World Mining Data einen von nur drei umfassenden Berichten über den weltweiten Bergbau. "Wir spielen über den eigentlichen Bergbau hinaus eine Rolle", ist sich Tost sicher.






