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Regulierung muss laut Experten kein Innovationshemmer sein

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"Science Talk" zum Thema "Technik mit Verantwortung?"
©BMFWF, APA
Regulierung hat im technischen Kontext keinen guten Ruf: Dabei ist sie kein Innovationshemmer, sondern oft ein notwendiger Schritt, bilanzierten Fachleute bei einem "Science Talk" am Montagabend. "Die geopolitischen Entwicklungen zeigen etwa deutlich, warum die Datenspeicherung in Europa so wichtig ist", so Ben Wagner von der "Interdisziplinären Universität für digitale Transformation" (IT:U) in Linz. Das Innovationspotenzial dieser Maßnahme werde dabei meist nicht beachtet.

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Denn früher sei diese Diskussion nur als Menschenrechtsdebatte geführt worden, heute werde sie hauptsächlich im Kontext von Verteidigung und Sicherheit verhandelt. "Ethisch-menschenrechtliche Verpflichtungen können aber auch mit wirtschaftlichen Anforderungen verknüpft werden", sagte Wagner. So ein Miteinander könne in einem europäischen regulatorischen Rahmen große Chancen bieten.

Beispiele dafür finde man in unterschiedlichen Infrastrukturbereichen, die versuchen, sich unabhängig zu machen - vom Anwenderbereich bis zur Mobilfunkbranche. "Natürlich ist das mit Kosten verbunden und der Markt ist nur europäisch. Aber dieser europäische Markt ist so zwingend, weil man aktuell merkt, dass die Abhängigkeiten langfristig teurer sind", erklärte Wagner, der an der IT:U Professor für Demokratie und Menschenrechte ist.

Ethische Fragen gehören mittlerweile zum Kernbereich des Ingenieurwesens. Damit hänge auch die Idee von soziotechnischen Systemen zusammen: Demnach ist Technik nicht neutral, sondern in einen sozialen Kontext eingebettet. "Bei einem Gebäude ist das vielleicht weniger offensichtlich als bei ChatGPT, aber beide interagieren auf unterschiedliche Art und Weise mit dem Menschen", so Wagner. "Weil das bei ChatGPT und Co. so unmittelbar und klar ist, wird uns aktuell bewusst, wie stark Technik immer schon unser Leben geprägt hat."

Die Diskussion um Vertrauen in technische Lösungen werde dabei in unserer Gesellschaft in den nächsten Jahren "unglaublich wichtig", ergänzte Anna-Vera Deinhammer, Stiftungsprofessorin an der FHWien der WKW und Integralingenieurwissenschafterin. So seien beispielsweise für die CO2-Reduktion eines Bestandsgebäudes Verbrauchsdaten, am besten der vergangenen zehn bis fünfzehn Jahre, sehr nützlich. "Aber: Ohne eine begleitende gesellschaftliche Diskussion funktioniert das nicht. Denn, wenn ich diese Daten für gewisse Adressen habe, kann ich weitere Schlussfolgerungen ziehen", gab Deinhammer zu bedenken.

Die Auswirkungen technischer Innovationen sind mittlerweile für uns alle sehr greifbar geworden, sagte auch Julia Neidhardt, Forscherin an der Technischen Universität (TU) Wien und UNESCO Co-Chair für Digitalen Humanismus. Spätestens seit der Veröffentlichung von ChatGPT seien diese mit den Diskussionen über Konsequenzen von KI, etwa für Arbeitsmarkt oder Schulsystem, für alle ersichtlich.

Mit neuen agentischen Tools wie OpenClaw kommen neue Gefahren dazu: Denn der KI-Agent kann auf zahlreiche Apps zugreifen und dabei verschiedene Tätigkeiten übernehmen, was zu Sicherheits- und Datenschutzbedenken führt, weil er im Namen der User autonom agiert und dafür auch Passwörter braucht. "Den Leuten wird dadurch bewusster, wie mächtig diese Dinge sind. Meiner Ansicht nach wird das auch dazu führen, dass das Schutzbedürfnis - auch auf politischer Ebene - größer wird", so Neidhardt weiter.

Und welche Möglichkeiten gibt es im Umgang damit zukünftig abseits von Regulierung? "Idealerweise schaffen wir es, all diese Fragen schon viel stärker in die Ausbildung von Ingenieuren einfließen zu lassen", so Wagner. Dementsprechend forderte er, jene viel interdisziplinärer zu gestalten - mit einem Fokus auf gesellschaftlicher Verantwortung.

++ THEMENBILD ++ Illustration zum Thema Digitalisierung / IT / Technik / Innovationen. Im Bild: Ein Chip auf einer Mainboardplatine aufgenommen am Freitag, 18. Jänner 2019.

WIEN - ÖSTERREICH: FOTO: APA/BMFWF

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