ABO

Recycelte Auto-Altteile - neue Methode schafft hochwertige Alubleche

Subressort
Aktualisiert
Lesezeit
3 min
Pro Jahr europaweit bis zu neun Mio. Tonnen Aluminiumschrott
©HELMUT FOHRINGER, Fohringer, APA
Europaweit fallen pro Jahr bis zu neun Millionen Tonnen Aluminiumschrott aus Altfahrzeugen an - und das lässt sich nicht so einfach recyceln wie etwa Aludosen. Denn Fahrzeuge bestehen aus einer Vielzahl an unterschiedlichen Aluminiumlegierungen. Ohne Vorsortierung entstand nach dem Recycling meist Aluminium mit minderwertigeren Eigenschaften. An der Montanuniversität Leoben wurde ein Verfahren entwickelt, mit dem aus Altauto-Aluminiumschrott hochwertige Bleche entstehen.

von

Autobauer stehen unter Druck: CO2-Emissionen müssen runter, Energieverbrauch ebenso. Das Zauberwort lautet Leichtbau, denn weniger Gewicht bedeutet weniger Energieverbrauch beim Fahren. Neben Karbon spielt Aluminium dabei eine Hauptrolle. Doch wie lässt sich aus der Vielzahl der eingesetzten Aluminiumlegierungen der ausgedienten Autos wieder ein hochwertiges Blech für neue Fahrzeuge herstellen - ohne aufwendige Sortierung und ohne Zusatz von Primäraluminium?

Ein Team von Forschenden um Stefan Pogatscher vom Lehrstuhl für Nichteisenmetallurgie hat eine Lösung gefunden, teilte die Montanuniversität Leoben am Montag mit. Das Verfahren zum direkten Upcycling von gemischten Altfahrzeugabfällen wurde in "Nature Communications" veröffentlicht. Es sei mit der bestehenden Infrastruktur kompatibel und macht Sortierung oder den Zusatz von Primäraluminium überflüssig. Der gemischte Aluminiumschrott wird direkt in Hochleistungs-Aluminiumblech umgewandelt. Das Verfahren entstand am Lehrstuhl für Nichteisenmetallurgie in einem Team rund um den Doktoranden Patrick Krall.

"Die Elemente, die derzeit als schädliche Verunreinigungen gelten, werden in unserem Verfahren vorteilhaft genutzt, um das Mikrogefüge zu verfeinern und die Eigenschaften zu verbessern", erklärte Pogatscher. Das Verfahren entstand am Lehrstuhl für Nichteisenmetallurgie in einem Team rund um seinen Doktoranden Patrick Krall. Durch die geschickte Nutzung metallurgischer Prinzipien und beschleunigter Ausscheidung entstünden Legierungen, die in Sachen Streckgrenze - also der elastischen Verformbarkeit - sogar besser abschneiden als viele kommerzielle Automobillegierungen.

Der neue Ansatz sei laut Montanuni Leoben neben der Veröffentlichung in "Nature Communications" auch von "Nature Reviews Materials" als Research Highlight hervorgehoben und als industriell hoch relevant eingeordnet worden. Bereits nach Veröffentlichung eines Preprints berichtete zudem die britische populäre Wissenschaftszeitschrift "New Scientist" über die Forschungsergebnisse.

Das Projekt wurde im Rahmen eines vom Europäischen Forschungsrat mit rund zwei Millionen Euro ausgestatteten ERC Consolidator Grants gefördert. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie sich die zunehmende Material- und Legierungskomplexität moderner Produkte mit einer Circular Economy vereinbaren lässt. In nächsten Schritten soll die Erweiterung des Eigenschaftsprofils die Grundlage für weitere Anwendungen schaffen. Mehrere Unternehmen hätten bereits Interesse bekundet, mit Industriepartnern werde nun an einer großtechnischen Umsetzung gearbeitet.

++ ARCHIVBILD/THEMENBILD ++ ZU APA0055 VOM 16.6.2022 - Der österreichische Automarkt ist massiv eingebrochen. Im Mai wurden nur 17.107 Autos neu zugelassen, was um 24 Prozent weniger ist als im Vergleichsmonat des Vorjahres. Im Bild: Pkws aufgenommen in einer Luftaufnahme auf einem Lagerplatz am Dienstag, 4. April 2017, in Straßwalchen bei Salzburg. (ARCHIVBILD VOM 4.4.2017)

Über die Autoren

Logo
Monatsabo ab € 21,75
Ähnliche Artikel
2048ALMAITVEUNZZNSWI314112341311241241412414124141241TIER