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"Die Ergebnisse, die im Fachmagazin 'Translational Psychiatry' veröffentlicht worden sind, liefern wichtige Hinweise darauf, wie Therapien in Zukunft individueller und wirksamer gestaltet werden könnten", hieß es vor kurzem in einer Aussendung der deutschen Universitätsklinik.
"Ich kann jedem Patienten mit einer Depression die Wirkung einer medikamentösen Therapie 'ausreden'. Es kommt auch darauf an, wie man den zu erwartenden Effekt mit den Betroffenen bespricht", sagte vor Jahren ein führender Wiener Psychiater und klinischer Forscher, speziell was die Behandlung von schweren Depressionen anging, gegenüber der APA.
Die Studie der Hamburger Wissenschafter bestätigt offenbar ganz genau diese Ansicht. "Unsere Ergebnisse zeigen, dass Erwartungen zentrale Prozesse der Emotionsverarbeitung beeinflussen können. Das ist besonders relevant für Depressionen, bei denen negative Wahrnehmungsverzerrungen eine große Rolle spielen", wurde Studienleiterin Stefanie Brassen vom Institut für Systemische Neurowissenschaften zitiert. Die klinische Untersuchung ist in "Translational Psychiatry" erschienen (DOI: https://doi.org/10.1038/s41398-026-04070-x).
In der experimentellen Studie "täuschten" die Wissenschafter die aufgenommenen Probanden mehrfach. 61 Patienten mit Depression nahmen daran teil. Ihnen wurde per Video dargestellt, dass eine Dosis eines "Oxytocin"-Nasensprays ("Kuschelhormon") eine positive Wirkung auf ihre Stimmungslage haben würde. Dann bekamen sie einen Nasenspray an zwei Tagen im Abstand von einer Woche, enthalten war immer nur physiologische Kochsalzlösung. Jedes Mal jedoch öffneten die Probanden danach ein Kuvert, in dem die Information enthalten war, dass sie "Oxytocin" oder Salzlösung bekommen hatten (es war immer nur Salzlösung). 45 der Probanden erhielten in der Folge eine medikamentöse antidepressive Therapie mit den entsprechenden Arzneimitteln und wurden längerfristig beobachtet.
Die Beobachtungen waren ausgesprochen interessant. Allein die Erwartung einer positiven Wirkung aufgrund der Einnahme des angeblichen "Oxytocin"-Nasensprays hatte messbare Effekte. Die Teilnehmer berichteten von besserer Stimmung und verarbeiteten emotionale Reize positiver. Mehrdeutige Gesichtsausdrücke wurden zum Beispiel häufiger als freundlich interpretiert.
"Im Anschluss wurden die Patienten über mehrere Wochen während (anschließenden; Anm.) ihrer regulären antidepressiven Behandlung begleitet. Je stärker die positiven Erwartungen gegenüber der Behandlung waren, desto stärker verbesserten sich die Symptome im Verlauf der Therapie", teilte die Hamburger Universitätsklinik mit. Besonders bemerkenswert war für die Wissenschafter, dass die individuelle Reaktion auf das Placebo im Experiment vorhersagte, wie stark Erwartungen den Behandlungserfolg auch langfristig beeinflussten.
"Wir konnten zeigen, dass die Sensitivität für Erwartungen eine stabile Eigenschaft ist, die sich über verschiedene Situationen hinweg bemerkbar macht. Unsere Ergebnisse legen nahe, dass Erwartungen nicht nur ein 'Nebeneffekt' von Behandlungen sind, sondern ein zentraler Wirkmechanismus", sagte Stefanie Brassen. Langfristig könnten solche Erkenntnisse dazu beitragen, Therapien besser auf einzelne Patient:innen abzustimmen, positive Erwartungen gezielt zu fördern und so die Wirksamkeit bestehender Behandlungen zu verbessern.
ARCHIV - 13.07.2021, Berlin: Eine junge Frau steht in ihrer Wohnung an einem Fenster.. (zu dpa: «Sticker und Plakate mit Hilfenummer: Mehr Schutz für Schüler») Foto: Fabian Sommer/dpa +++ dpa-Bildfunk +++






