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Bei so sensiblen Themen wie den Lehrplänen, wo es viele Wünsche und Erwartungen gebe, müsse die Politik sich gesamthaft überlegen, welche Inhalte es in einem modernen Bildungssystem braucht. Noch liege dazu aber nichts am Tisch, kritisierte Marchetti, der auch Generalsekretär der ÖVP ist, im Gespräch mit der APA. Es gebe dazu weder Unterlagen noch Verhandlungstermine oder eine Einbindung der Personalvertretung.
Wiederkehrs Plan, in der AHS-Oberstufe Stunden bei Latein bzw. der zweiten lebenden Fremdsprache zu kürzen und im Gegenzug Unterricht zu KI, Demokratie- und Medienbildung auszubauen, ist für Marchetti dementsprechend auch noch keineswegs eine ausgemachte Sache. "Wir sind noch am Start."
Auch er sei dafür, diese Themen intensiver zu behandeln. KI müsse aber kein neues Fach sein, sondern sollte als Technik in jedem Fach behandelt werden, teilt Marchetti den Zugang der ÖVP-nahen Lehrervertretung. Und gerade in Zeiten von KI und ChatGPT brauche es mehr humanistische Bildung und nicht weniger. Man sei in der Sache nicht weit auseinander, gerade bei sensiblen Themen wie den Lehrplänen gehe es aber um Details - darüber müsse man in der Koalition gesamthaft reden, unter Einbindung der betroffenen Schulen.
Er schätze es, dass Wiederkehr das Bildungssystem positiv entwickeln wolle, betonte der ÖVP-Bildungssprecher. Es sei auch nicht das Thema, dass Wiederkehr hier - wie etwa bei deinem "Plan Z" für einen grundlegenden Umbau des Bildungssystems - seine parteipolitischen Vorstellungen habe. Auch ÖVP-Bundeskanzler Christian Stocker habe ja vor Kurzem parteipolitische Schwerpunkte vorgestellt. "Aber wenn man zu Entscheidungen und tatsächlichen Reformen kommen muss, gibt es halt andere Modi als Parteiformate. Und dann muss man sich zusammensetzen und handfeste Politik machen." Das fände er auch im Bildungsbereich sinnvoll. Mit Blick auf das im rot-pink regierten Wien angedachte Pilotprojekt zur Verlängerung der Volksschule stellte Marchetti gleichzeitig klar: "Das Gymnasium steht für die ÖVP nicht zur Disposition."
Auch SPÖ-Bildungssprecher Heinrich Himmer plädierte gegenüber der APA dafür, die Lehrplanreform nicht isoliert, sondern "breit und umfassend" zu denken. Dazu gehöre aber auch eine Diskussion über eine Gemeinsame Schule aller Zehn bis 14-Jährigen und mehr Schulautonomie bei den Lehrinhalten. "Wer Bildung ganzheitlich denkt, stärkt nicht nur Fachwissen, sondern auch soziale, digitale und demokratische Kompetenzen. Wenn das bei den angedachten Reformen Anklang findet, dann bin ich zuversichtlich." Viele sozialdemokratische Forderungen wie den Chancenbonus oder mehr Deutschförderung habe man in den vergangenen Monaten bereits verwirklicht.






