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Neues NHM-Kinderbuch: Was Knochenstücke über Haustiere verraten

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Archäozoologin Konstantina Saliari initiierte das Buch
Wie war das Verhältnis zwischen Mensch und Tier in der Vergangenheit? Dieser Frage geht die Archäozoologie nach, die sich in erster Linie mit der Erforschung von Tierresten aus archäologischen Grabungen beschäftigt. Daraus lässt sich die Geschichte der Haustiere ableiten, die Expertinnen und Experten des Naturhistorischen Museums (NHM) Wien nun in einem Kinderbuch beschreiben. Sie können auf eine der weltbesten Sammlungen zurückgreifen, hieß es bei einem Pressegespräch.

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"Wir untersuchen Tierteile aus Ausgrabungen. Uns interessiert, wie der Mensch die Natur und wie die Natur die menschlichen Entscheidungen beeinflusst hat", erklärte Archäozoologin Konstantina Saliari am Dienstag anlässlich der Buchpräsentation. Die Materialgrundlage sei allerdings meist stark zerstückelter Knochenabfall, der an vielen ur- und frühgeschichtlichen Siedlungsplätzen in großer Zahl erhalten blieb, zum Teil aus ehemaligen Speisebeigaben. Manchmal würden sich auch Tierskelette finden, in seltenen Fällen mitbestattet in Menschengräbern.

Um aus den Funden Schlüsse, etwa in Hinblick auf Fauna, Haustierkunde oder Wirtschaft, ziehen zu können, werden - so möglich - Tierart, Geschlecht, Lebensalter, Größe, Gestalt, pathologische Erscheinungen und nach dem Tod des Tieres einsetzende Prozesse untersucht. "Wir öffnen die Kiste und bestimmen die Elemente. Sind es Zähne, oder ein Oberschenkel? Das erleichtert, die Arten - Säugetiere, Fische, Vögel - zu unterscheiden", beschrieb Saliari. Anschließend wird versucht, das Alter und das Geschlecht herauszufinden. Das sei auch für die Einordnung in ein Wirtschaftssystem, etwa ob es sich um eine Milchwirtschaft mit vielen weiblichen, erwachsenen Tieren oder eine Fleischwirtschaft handelt, wichtig.

Auch eine Kastration könne bei vielen Funden von Haustieren - Rinder, Schafe, Pferde - gut erkannt werden. "Dadurch werden die Tiere größer und kräftiger - wichtig für Fleisch, das dann auch besser schmeckt, oder weniger temperamentvolle Arbeitstiere, etwa im Römischen Reich", so die Expertin, die mit Kolleginnen und Kollegen das Kinderbuch "Knochen-Detektive. Wir entziffern die Geschichte unserer Haustiere" veröffentlicht hat. Man wolle damit auch seinen Beitrag zur Wissenschaftsvermittlung leisten, gerade weil rund die Hälfte der Besucher des Museums Kinder und Jugendliche sind.

Der nächste Schritt sei die Morphometrie, wodurch sich die Evolution der Tiere besser erkennen lasse. "Wir gehen der Frage nach, wie bestimmte Merkmale ausgeprägt waren, die heute nicht mehr existieren. So lassen sich auch seltene Haustier-Populationen unterstützen. Außerdem sind das wichtige Informationen für die Zoologie", sagte Saliari. In einem Projekt mit der Universität Wien sei erstmals die Domestikation (Haustierwerdung, Anm.) der Haustauben erfasst worden, die Ergebnisse sollen in Kürze präsentiert werden. Nachgegangen werde auch Hinweisen auf kulturelle Veränderungen: "Was leistet eine neue Population, etwa wenn die Römer neue Schafe mitbringen?"

Mittels Paläopathologie kann zudem von Veränderungen der Knochen auf Krankheiten geschlossen werden. Hinweise auf Hunde geben beispielsweise auch Kauspuren auf Knochen, obwohl vielleicht keine Hundeknochen gefunden wurden. "In Hallstatt gab es viele fleischreiche Teile vom Tier. Wo sind die Produzenten und Lieferanten und warum haben sie nicht ganze Tiere gebracht? Wir erfahren bei unseren Untersuchungen viel über das Ökosystem aus Zeiten, aus denen wir diese Informationen sonst nicht bekommen", so die Archäozoologin.

Auf diesen Methoden basierende Erkenntnisse habe man nun in dem neuen Kinderbuch, in dem vergangene Epochen und ihre Haustiere vorgestellt werden, aufbereitet. So erfährt man etwa, dass die ersten Haushühner in der Hallstattzeit lediglich zehn bis 15 Eier pro Jahr legten, wann der Hund zum besten Freund des Menschen wurde oder welche Haustiere die Römer nach Mitteleuropa beziehungsweise Österreich brachten.

Voraussetzung für die Arbeit sei eine umfangreiche Sammlung, über die man am NHM verfüge. Neben der osteologischen Vergleichssammlung gebe es die "Adametz-Sammlung" mit Schädeln alter Haustierlandrassen, die international eine Rarität darstelle, und die Sammlung archäologischer Fundkomplexe im Tiefspeicher des Museums. "Im Depot gibt es fast eine Million Knochenstücke. Es ist eine der besten Sammlungen weltweit", strich Saliari hervor.

(S E R V I C E - Konstantina Saliari et al.: "Knochen-Detektive. Wir entziffern die Geschichte unserer Haustiere", Verlag des Naturhistorischen Museum Wien, 64 Seiten, 9,90 Euro. https://www.nhm.at )

WIEN - ÖSTERREICH: FOTO: APA/APA-Science/tha

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