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Von "weitreichenden Folgen" spricht etwa Birgit Sattler von der Universität Innsbruck. "Wenn man etwas wegwirft, egal ob im Gebirge oder in Wien, siedeln sich Mikroben an und diese bilden einen Biofilm", erklärte die Forscherin bei der vom Wissenschaftsministerium veranstalteten Diskussion. So könnten dann etwa antibiotikaresistente Gene ins Wasser gelangen: "Dieser Transport über den Wasserkreislauf ist immens, ebenso wie der Transport in die Atmosphäre."
Mikroplastik halte sich besonders lange in der Natur. Denn es gebe nur "ganz, ganz wenige Mikroorganismen, die das abbauen können". Zu finden seien Kunststoff-Teilchen inzwischen überall auf der Welt, egal ob am Mount Everest oder im Marianengraben. Zwar sei die berühmte Studie, laut der Menschen wöchentlich das Gewicht einer Kreditkarte als Plastikteilchen zu sich nehmen, umstritten. Dennoch betont Sattler: "Wir nehmen Mikroplastik zu uns, das allein ist schon bedenklich." Aufgrund der komplexen Analytik von Mikroplastik im menschlichen Gewebe sei lediglich die Menge nicht genau definierbar.
Ein Sorgenkind beim Recycling seien Batterien und Akkus. Bei Kleingerätebatterien beispielsweise, so Eva Gerold von der Montanuniversität Leoben, gebe es in Österreich nur eine Sammelquote von 45 bis 50 Prozent. Landen Batterien fälschlicherweise in der Restmülltonne statt in Sammelboxen, komme das wiederum Abfallverarbeitern teuer. Diese müssten regelmäßig Maschinen nachrüsten, weil durch die falsch sortierten Batterien Brände entstünden. Umgekehrt steigen laut der Expertin so jene "Müllerzeugungskosten, die jeder von uns trägt". Besonders kleine Batterien und jene, "die wir nicht mitdenken", beispielsweise in leuchtenden Kinderschuhen, seien daher "das größere Übel".
Darüber hinaus würden Rohstoffe verloren gehen, wenn elektronische Geräte wie Handys im falschen Container landen: "Gerade für Europa, wo wir weniger Rohstoffe primär abbauen, sind Sekundärrohstoffe ein zentraler Punkt." Global gesehen erzeuge effizientes Elektronik-Recycling strategische Unabhängigkeit. Denn "in solchen Elektronik-Bauteilen sind ganz kritische Metalle enthalten, es sind seltene Erden enthalten - all das, wo Europa Versorgungsprobleme hat". Hier hinke man China hinterher, das wiederum über einen geschlossenen Rohstoffkreislauf verfüge, in den Recyclingtechnologien bereits integriert seien.
Was soll getan werden, um eine Bevölkerung zum sorgfältigen Umgang mit ihrem Abfall zu motivieren? Umweltpsychologin Kathrin Röderer sieht in höheren Strafen jedenfalls keine ideale Maßnahme. Es handle sich bei Müllentsorgung und -trennung nämlich um kein Wissensproblem, sondern um ein "Normenproblem". "Wenn eine Umgebung verschmutzt ist, dann wird dadurch eine bestimmte Norm transportiert", so die Expertin. Ganz im Sinne der "Broken-Windows-Theorie" bedeute das, "dass Müll mehr Müll anzieht". Achte der Großteil der Bevölkerung wiederum auf die Umwelt, sei das ein positiver Impuls für die Gesamtheit.
Bevölkerungsgruppen, die besonders stark zum Littering neigen, lassen sich laut Röderer nicht feststellen. Wichtig sei daher, die richtige Infrastruktur bereitzustellen: "Wenn ich einen zu großen Aufwand betreiben muss, zu weit gehen muss oder nicht die richtigen Container in der Nähe habe, dann ist es sehr schwer, sich entsprechend zu verhalten." Auch gesellschaftliche Partizipation könne dazu motivieren, sich ausreichend um die eigene Ortschaft kümmern zu wollen.
++ THEMENBILD ++ Illustration zum Thema Plastik / Mikroplastik / Umweltverschmutzung - fotografiert am Mittwoch, 09. Februar 2022, in Wien.






