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Kultschrein zu Ehren des Herkules bei Ausgrabungen in Rom entdeckt

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Herkules-Figur nur zehn Zentimeter groß
©Italienisches Kulturministerium, APA
Ein dem Herkules geweihter Kultschrein mit Bronzestatuetten des antiken griechischen Helden ist von Archäologen bei Ausgrabungen in Rom entdeckt worden. Eine der Statuetten zeigt einen nackten Herkules, der mit der einen Hand eine schwere Keule schwingt und in der anderen das Fell eines Löwen hält. Insgesamt wurden sechs Statuetten gefunden, von denen mindestens drei den für seine übermenschliche Stärke bekannten Halbgott darstellen sollen.

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Die nur etwa zehn Zentimeter hohen Figuren wurden aus dicken Schlammschichten geborgen, die die Überreste eines Schreins aus dem 2. Jahrhundert v. Chr. bedeckten. Dieser war Herkules gewidmet, dessen Kult in der römischen Antike weit verbreitet war. Am Fundort am Stadtrand Roms legten die Archäologen außerdem Terrakotta-Gegenstände in Form von Füßen, Beinen, Köpfen und Armen frei. Diese wurden vermutlich als Votivgaben von Menschen dargebracht, die an Krankheiten oder Beschwerden an den jeweiligen Körperteilen litten.

Nur wenige Meter vom Schrein entfernt entdeckten die Archäologen eine römische Straße aus dem 4. Jahrhundert v. Chr. Zu beiden Seiten der Straße fanden sie zwei riesige Becken, die ihrer Ansicht nach für heilige Rituale genutzt wurden. Die Becken wurden von Quellen gespeist, die noch heute aus dem Boden sprudeln, über das Gelände fließen und große Teile davon in klebrigen Schlamm verwandeln.

"Die Becken wurden zwar zur Wassersammlung angelegt, doch wir gehen davon aus, dass sie auch eine rituelle Funktion im Zusammenhang mit dem Herkuleskult hatten", erklärte Fabrizio Santi, der leitende Archäologe der Ausgrabung. "Herkules war eine Gottheit, die eng mit der Viehwirtschaft verbunden war. Er war in Mittelitalien äußerst populär. Die Fundstätte liegt sehr nahe an der Via Tiburtina, einer antiken Straße, die für das Treiben von Schaf- und Viehherden genutzt wurde. Sie führte nach Tivoli - von den Römern Tibur genannt -, wo sich ein bedeutender Herkulestempel befand", berichtete der Experte.

Am Boden der heiligen Becken fanden die Archäologen antike Krüge, die möglicherweise für Rituale mit Wein verwendet wurden. "All diese Funde sind von außergewöhnlicher Bedeutung", sagte Santi laut Medienangaben.

Mit Blick auf die Becken erheben sich zwei beeindruckende, aus vulkanischem Tuffstein gehauene Gräber aus dem 3. Jahrhundert v. Chr., also aus der Zeit der römischen Republik. Eines der Gräber enthält einen großen Sarkophag, der vermutlich die sterblichen Überreste eines wohlhabenden Grundbesitzers oder Aristokraten beherbergt, der in dieser Gegend ein Anwesen besaß. Zudem fanden sich drei steinerne Urnen, von denen eine die verbrannten Überreste einer jungen Frau enthielt, die etwa 20 Jahre alt war, als sie starb. Im zweiten Grab entdeckten die Archäologen Teile eines männlichen Schädels, an dem Spuren eines chirurgischen Eingriffs in Form einer Bohrung festgestellt wurden.

ROM - ITALIEN: FOTO: APA/Italienisches Kulturministerium

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