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Kirchengast und sein Team vom Wegener Center für Klima und Globalen Wandel in Graz haben eine Methode zur Bewertung und Einordnung von Hitzewellen entwickelt. Die Bereiche Österreichs unter 1.500 Metern Seehöhe werden in 670 Areale zu je 100 Quadratkilometern eingeteilt, bei zusätzlichen Feinrastern. Wird in diesem Raster im Rahmen einer Hitzewelle die 30-Grad-Celsius-Schwelle in der bodennahen Luft etwa auf einer Fläche von zehn Arealen um jeweils vier Grad an zwei Tagen überschritten, spricht man von 80 "Arealgradtagen" (AGT).
Österreich habe 2026 in der ersten Hitzewelle vom 17. Juni bis 2. Juli rund 16.900 AGT erlebt. Die zweite Welle von 25. Juli bis 17. August brachte rund 26.400 Arealgradtage. In den so bezeichneten "Jahrhundertsommern" 2003 und 2015 lag man noch knapp unter 25.000 bzw. 40.000 AGT. 2026 stehe man bis zum Wechsel der Wetterlage im September schon bei rund 50.000 AGT. Was dies alles etwa für den Wasserverlust im Boden, das Absinken der Grundwasserspiegel, das Abschmelzen der Gletscher bedeute und etwa den Verlust der Arbeitsproduktivität durch die Hitze bedeute, da sei man an einer Detailstudie dran, die im Frühjahr 2027 vorgestellt werden soll. Dabei bediene man sich sozioökonomischer Daten und meteorologischer Daten aus heimischen und EU-Datenbanken.
Kirchengast berichtete von verstärktem Nachfragen und Interesse an den Studienergebnissen aus vielen Bereichen, auch aus der FPÖ, von Personen, die sich interessieren, dazuzulernen. Er ziehe bei der Skepsis in Bezug auf Klimaforschung und Klimawandel auch das Beten und Bitten um Wettersegen bzw. Fernhalten von Extremwetter heran: "Wie kann Gott etwas fernhalten, das der Mensch gemacht hat?" Die Steiermark habe ja mit dem 2010 vorgestellten Klimaschutzplan gut geplant, etwa bei der angestrebten Verringerung der Auslandsabhängigkeit bei der Energieversorgung und der Elektrifizierung des Kraftfahrzeugverkehrs. Aber von der damals angestrebten vollständigen Elektrifizierung bis 2030 sei man weit entfernt.
Grünen-Klubchefin Krautwaschl bezeichnete es als falschen Weg, weiterhin jedes Jahr mehr Geld für die Bewältigung von Schäden auszugeben als für die Vorsorge. "Wer heuer nicht erkannt hat, wie viel es uns kostet, auch an Menschenleben und Lebensqualität, der betreibt Realitätsverleugnung. Klimaschutz ist Vorsorge, einiges ist ja in die richtige Richtung gegangen. Lasst uns diesen richtigen und sinnvollen Weg weitergehen, auch wenn der nächste Sommer verregnet sein sollte", so die Klubchefin.
Mit vielen Maßnahmen etwa in der Dämmung von Wohnraum könne man Wertschöpfung im Land halten. Beim Ausbau der Erneuerbaren Energien müsse man schneller werden und Speicherkapazität erweitern. Krautwaschl kritisierte dabei, dass die Sachprogramme Wind und Erneuerbare Energien vom Land noch nicht aufgelegt wurden.
Laut Krautwaschl würden die vom Wegener Center geschätzten 3,8 bis 7,6 Mrd. Euro teuren klimabedingten Gesamtschäden in Österreich bis 2030 "wir alle zahlen." Alleine in der steirischen Landwirtschaft hätten sich die Schäden durch extreme Wetterereignisse heuer bisher schon auf rund 180 Mio. Euro belaufen. "Den Landwirten bricht die Lebensgrundlage weg", sagte Krautwaschl. Mit den geplanten Initiativen im Landtag wolle man Förderungen u. a. darauf prüfen, was klimaschädliche Aktivitäten fördere und wie man die Mittel besser für den Klimaschutz verwenden könne. Es brauche "endlich Transparenz bei klimaschädlichen Aktivitäten".
ARCHIV - 21.06.2026, Baden-Württemberg, Unlingen: Hinter einem Thermometer geht am Morgen die Sonne auf. (zu dpa: «Wärmster August weltweit – Meere auf Rekordtemperatur») Foto: Thomas Warnack/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
