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Johanna Rachinger kehrt nicht mehr auf ÖNB-Chefposten zurück

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Johanna Rachinger scheidet aus gesundheitlichen Gründen aus
©APA, GEORG HOCHMUTH
Johanna Rachinger wird aus ihrem derzeitigen Krankenstand nicht mehr in ihre Funktion als Generaldirektorin und wissenschaftliche Geschäftsführerin der Österreichischen Nationalbibliothek (ÖNB) zurückkehren. Die Folgen einer im August erlittenen Sturzverletzung ließen eine Rückkehr in absehbarer Zeit nicht zu, hieß es am Donnerstag. Kulturminister Andreas Babler (SPÖ) habe sie daher auf Antrag des ÖNB-Kuratoriums abberufen.

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Rachinger hätte nach 25 Jahren an der Spitze der Österreichischen Nationalbibliothek nach Abschluss ihrer laufenden Funktionsperiode mit Ende des Jahres 2026 in den Ruhestand treten sollen. Nach ihrem schweren Sturz war Ende August verlautbart worden, dass die wissenschaftliche Geschäftsführung interimistisch von Rachingers Stellvertreterin Michaela Mayr übernommen werde. Dies werde bis zur Neubesetzung, deren Ausschreibung planmäßig bereits veröffentlicht wurde, auch so beibehalten, hieß es heute. Mayr stehen dabei weiterhin der wirtschaftliche Geschäftsführer Richard Starkel und dessen Stellvertreter Thomas Wollinger zur Seite.

Er danke Johanna Rachinger "für ihr langjähriges und äußerst erfolgreiches Engagement als eine der bedeutendsten Kulturmanagerinnen unseres Landes", hieß es in einem Statement von Kulturminister Babler. "Unter ihrer Führung hat sich die Österreichische Nationalbibliothek zu einem herausragenden Informations-, Forschungs- und Bildungszentrum sowie zu einer einzigartigen Gedächtnisinstitution entwickelt."

Mehr als zwei Jahrzehnte war Rachinger das Gesicht der ÖNB. Als ÖNB-Generaldirektorin konnte sie die Besucherzahlen vervielfachen und auch Sanierungsprojekte sowie die Eröffnung des Literaturmuseums umsetzen. Im Jahr 2001 trat die Oberösterreicherin den Chefposten der wichtigsten Bibliothek Österreichs und der ihr angeschlossenen musealen Sammlungen an. Optimismus hatte Rachinger schon bei ihrer Designierung als Generaldirektorin versprüht: "Ich freue mich darauf, zu zeigen, was Frau kann." In ihrer Ära hatte sie mehrfach unter Beweis gestellt, was sie kann. Positive Besucher- und Budgetzahlen, die Modernisierung u.a. des Prunksaals und der Lesesäle, die Eröffnung des Literaturmuseums, aber auch die Auseinandersetzung mit der hauseigenen Vergangenheit sind nur einige Meilensteine ihrer Amtszeit.

In der ÖNB setzte sie die Ausgliederung als vollrechtsfähige wissenschaftliche Anstalt ab 1. Jänner 2002 um, machte die Bibliothek zügig zu einer modernen, user-orientierten Serviceeinrichtung, bei der sie moderne Technik und Digitalisierung in den Vordergrund rückte. Mit vorbildlicher Provenienzforschung und umfangreichen Restitutionen stellte sich die ÖNB unter Rachinger auch ihrer Vergangenheit. Auch bei ihrer Festrede anlässlich des 90-Jahre-Republik-Jubiläums 2008 sprach sie klare Worte, was Vergangenheitsbewältigung und Verharmlosung von NS-Verbrechen betrifft.

Die Entwicklung von Besucher- und Budgetzahlen verlief mehr als zufriedenstellend. Bereits nach ihrem ersten vollen Jahr an der Spitze der Institution verbuchte die Nationalbibliothek ein Besucherplus von 20 Prozent von rund 114.000 auf 137.000 Besucherinnen und Besucher. Das Interesse konnte im Laufe der Jahre deutlich gesteigert werden, zuletzt besuchten mehr als 700.000 Personen die Österreichische Nationalbibliothek (inklusive Haus der Geschichte Österreich).

Mit der Sanierung der Hauptlesesäle, des Bildarchivs und des Prunksaals, der Errichtung einer Leselounge, dem Einzug der Musiksammlung, des Globenmuseums und des Esperantomuseums in das Palais Mollard in der Herrengasse, der Wiedereröffnung von Kartensammlung und Augustinerlesesaal trieb Rachinger die räumliche Neuordnung voran. 2015 eröffnete schließlich in der Johannesgasse mit dem Literaturmuseum ein lange geplantes Projekt. 2018 wurde in der Neuen Burg schließlich das hdgö - Haus der Geschichte Österreich errichtet, das organisatorisch an die ÖNB angedockt wurde. Im Zuge der Diskussion um die Umzugspläne des hdgö plädierte Rachinger stark dafür, das Zeitgeschichtemuseum in ein eigenes Bundesmuseum zu überführen.

Als eines ihrer letzten großen Projekte brachte sie ein Maßnahmenpaket zur Künstlichen Intelligenz (KI) auf den Weg. Dazu zählen etwa KI-gestützte Katalogisierungsprozesse und Analysen des umfangreichen Bildmaterials. Bereits 2022 hatte Rachinger ein neues Center für Informations- und Medienkompetenz ins Leben gerufen, wo Schülerinnen und Schülern, Studierenden und der interessierten Öffentlichkeit geholfen werden soll, sich im "Dschungel der Informationen zurechtzufinden".

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