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Herz, Niere und Stoffwechsel als Einheit

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Neue Zusammenhänge führen zu neuem Konzept
©APA, GERT EGGENBERGER, Themenbild
Herz-, Nieren- und Stoffwechselerkrankungen gehören zusammen. Sowohl in den USA als auch in Europa setzt sich ein neues Konzept durch, das Kardiologie, Nephrologie und Diabetologie umfasst. In Wien wurde am Donnerstag am Franziskus Spital in Wien-Landstraße ein neues Versorgungsmodell vorgestellt. Es soll eine umfassende, optimierte medizinische Betreuung der Patienten bieten.

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Johannes Kovarik, Abteilungsvorstand für Innere Medizin an dem Ordensspital (Elisabethinen Linz-Wien), schilderte die Gemengelage zwischen Herzschwäche, Diabetes und chronischer Nierenerkrankung bei der Präsentation Modells im Rahmen einer Veranstaltung der Praevenire-Gesundheitsinitiative so: "Typ-2-Diabetes und Herzinsuffizienz treten oft gemeinsam auf und verstärken einander. 50 Prozent der Diabetiker leiden auch an Herzschwäche." Innerhalb von zehn Jahren beträgt die Sterblichkeit laut den genannten Zahlen sieben Prozent bei den Diabetikern, zwölf Prozent bei Menschen mit chronischer Nierenerkrankung, aber 35 Prozent, wenn beide Krankheitsbilder vorliegen."

Daten aus einer aktuellen Studie mit fast 3.000 stationär in Oberösterreich im Krankenhaus aufgenommenen Patienten belegen klar die einander großflächig überlappenden Krankheitsbilder von Herz, Niere und Stoffwechsel, wie Diabetologe Peter Fasching (Klinik Ottakring) darstellte: Patienten mit Diabetes hatten zu 53 Prozent bereits eine deutlich eingeschränkte Nierenfunktion. "20 Prozent waren in einem Prä-Dialyse-Stadium." An Herzinsuffizienz litten 35 Prozent der Zuckerkranken. Zwei Drittel waren von zumindest einer Herzkrankheit betroffen, ebenso zwei Drittel von Bluthochdruck. Atherosklerose wiesen fast 60 Prozent auf.

"Wenn die Nierenfunktion schlechter wird, schießt auch die Herz-Kreislauf-Mortalität in die Höhe", sagte Marcus Säemann, Nephrologe an der Klinik Ottakring. Neun von zehn Patienten im sogenannten Stadium 3 der chronischen Nierenerkrankung (moderate Einschränkung; Anm.) wüssten nichts davon." In Österreich gibt es demnach rund 900.000 chronisch Nierenkranke."

Rund 800.000 Menschen leiden in Österreich an Diabetes. Etwa 350.000 Personen befinden sich in einer Vorstufe zum vollen Ausbruch der Stoffwechselerkrankung. Nimmt man noch die laut offiziellen Zahlen an die 300.000 Menschen mit chronischer Herzschwäche hinzu, kommt man auf wohl an die zwei Millionen Betroffene mit diesem "Kardial-Renal-Metabolischen Syndrom" (KRM-Syndrom). "Die Herzinsuffizienz ist der 'Crashpunkt' des KRM-Syndroms", sagte Henrike Arfsten von Universitätsklinik für Innere Medizin II (Kardiologie) der MedUni Wien/AKH.

In den einzelnen Fachgebieten hat sich in den vergangenen zehn Jahren extrem viel zum Positiven verändert. Eine Leitlinien-gerechte Behandlung der Herzinsuffizienz verhindert akute Verschlechterungen mit notwendiger Spitalsaufnahme und drastisch erhöhter Mortalität. Zur effektiven Behandlung der chronischen Nierenerkrankung stehen immer mehr langfristig wirksame Arzneimittel breit zur Verfügung. In der Diabetologie ist eine ähnliche Situation gegeben. Viele der Arzneimittel haben einen Effekt quer über die einander überlappenden Krankheitsbilder.

Was offenbar fehlt, so die Experten quasi unisono: Früheste Identifizierung von Risikopatienten bzw. Diagnose - und vor allem ein koordiniertes Zusammenwirken von Kardiologen, Nephrologen und Diabetologen. Kovarik mit einem Beispiel: "Die Nierenerkrankungen gehören heraus aus dem fachspezifischen Modus."

An dem Wiener Ordensspital wurde jetzt mit einer eigenen Ambulanz für Herz-Nieren- und Stoffwechselerkrankungen eine Einrichtung zwischen Primärversorgung und hoch spezialisierten Abteilungen an Kliniken etabliert. Oberärztin Magdalena Moser: "Die Idee dahinter ist, dass dieses KRM-Syndrom ein pathologisches Kontinuum ist. Patienten geraten oft viel zu früh an hoch spezialisierte Zentren oder bleiben viel zu lange im Primärversorgungsbereich."

Mit der neuen Ambulanz, welche im Rahmen des Krankenhauses für den Fall der Fälle natürlich auch ein Betten-Backup bietet, sollten Patienten leitliniengerecht und optimal über alle beteiligten medizinischen Fachbereiche hinweg betreut werden. Es erfolgt im Bedarfsfall die Überweisung an ein Zentrum oder die Zurücküberweisung an den Hausarzt bzw. ein Primärversorgungszentrum. Auch Telemonitoring etc. soll es mit dem Projekt geben, das derzeit für umliegende Wiener Bezirke gedacht ist, aber eben als Konzept auch als Modell darüber hinaus wirken könnte.

THEMENBILD - Blick in ein Intensivzimmer des am Samstag, 08. Mai 2010, eröffneten "Klinikum - Klagenfurt am Wörthersee". Noch liegt aber eine Pupe im Krankenbett, denn Patienten und Personal werden erst im Juni in das neue Spital übersiedeln. APA-FOTO: GERT EGGENBERGER

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