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CO2-Entnahme aus der Atmosphäre klingt zunächst nach einer simplen Lösung für den Klimaschutz. Man entfernt das klimaschädliche Gas in der Atmosphäre durch Aufforstung, Bioenergiekraftwerke mit CO2-Abscheidung oder Hightech-Maschinen, die das Treibhausgas aus der Luft saugen. Zertifikate für aktiv entnommenes CO2 sollen künftig gehandelt werden, um den Ausstoß von Industrieanlagen zu kompensieren.
Die Möglichkeiten zur sicheren und dauerhaften CO2-Entfernung sind allerdings begrenzt: "Bei realistischer Berechnung liegt das langfristige jährliche Potenzial all dieser natürlichen und technischen CO2-Senken bei weniger als zehn Prozent des derzeitigen jährlichen Treibhausgas-Ausstoßes", sagt Julia Danzer, Physikerin am Wegener Center für Klima und Globalen Wandel an der Universität Graz. Das bedeutet, dass sehr sorgfältig geplant werden muss, wer diese Lösungsmöglichkeit wie intensiv nutzen darf.
Danzer ist zugleich Hauptautorin der neuen Studie, die gemeinsam mit Gottfried Kirchengast, wissenschaftlicher Leiter der Gruppe "Carbon Management", veröffentlicht wurde. Darin analysieren die beiden auch, wie global begrenzte Emissions- und Entfernungsbudgets auf einzelne Länder aufgeteilt werden können, die für sich und in Summe auch weltweit Klimaneutralität erreichen wollen.
Wie die Universität am Donnerstag in ihrer Aussendung mitteilte, haben die Forschenden ein fiktives Szenario entwickelt, um die Problematik anschaulicher zu machen. In dem Computer-Modell einer konzeptionellen Welt gibt es vier Länder: Reichenland, Armenland, Wunderland und Andersland. Sie haben alle zwei Jahrzehnte Zeit, um klimaneutral zu werden. Die Länder haben unterschiedlich viele Einwohner: Reichenland und Armenland je drei Millionen, Wunderland zwei Millionen und Andersland eine Million Einwohner. Wenn das CO2-Entfernungsbudget gleichmäßig auf alle Personen aufgeteilt wird, können Reichen- und Armenland - bei einem fiktiven globalen Budget zur CO2-Entfernung von 100 Millionen Tonnen CO2 - je 33 Millionen, Wunderland 22 und Andersland 11 Millionen Tonnen durch CO2-Entfernung ausgleichen.
Ausgehend von so einer fairen Welt hat das Team weitere Szenarien untersucht, in denen es weniger gerecht zugeht: etwa, dass Reichenland auf Kosten von Armenland größere Emissionsmengen beansprucht und zusätzlich Vorteile bei CO2-Senken ausnützt: "Beispielsweise kann ein Erdölförderland andere Länder durch die Kontrolle über den Zugang zu seinen Lagerstätten für CO2-Speicherung ein weiteres Mal abhängig machen", erklärte Kirchengast. Die Konsequenz bei einem Szenario dieser Art: Das Reichenland kommt auf 63 Millionen Tonnen CO2-Entfernungsbudget, während dem Armenland nur mehr 16 Millionen bleiben.
"Unser Modell ist in dieser Erststudie absichtlich stark vereinfacht", betonte Kirchengast. Jedenfalls verdeutlicht sich die Wichtigkeit, Fairness in den Mittelpunkt der Klimapolitik zu stellen. Aus seiner Sicht sei es "klar, wie sehr angesichts der Begrenztheit nachhaltiger CO2-Senken eine lasche Klimapolitik der jetzigen Kindergeneration eine riesige und extrem unfaire Bürde auflastet." Die beiden Forschenden betonen, dass die gerechte Verteilung der CDR-Kapazitäten genauso wichtig ist wie die der Emissionsbudgets. Reiche Länder, die historisch mehr Emissionen verursacht haben, sollten zu ihrer historischen Verantwortung stehen und ärmere Länder unterstützen, wie die Studienautoren zusammenfassten.
Die Studie zeige auch die Dringlichkeit des Handelns auf: "Der Aufbau von CO2-Entfernung in großen Mengen braucht auch viel Zeit, egal, ob man Bäume pflanzt oder neue Technologien entwickelt", betonte Danzer. Laut den Autoren müsse jedenfalls die Verteilungsgerechtigkeit zwischen den Ländern für das begrenzte Budget zur CO2-Entnahme genauso ernst genommen werden wie für das verbleibende Emissionsbudget.
Service: Julia Danzer, Gottfried Kirchengast: Bringing fairness also into carbon removal shares of countries is essential for a just transition. Global Environmental Change, Feber 2026. https://doi.org/10.1016/j.gloenvcha.2026.103114





