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"Wir müssen uns darauf vorbereiten, dass es Alpen ohne Gletscher geben wird", sagte Nicole Slupetzky, Vizepräsidentin des Österreichischen Alpenvereins. Sie befinden sich "ein Stück weit in einem Todeskampf", meinte sie. Der massive Rückgang macht die Folgen des Klimawandels sichtbar. Diese Veränderungen in den Alpen müssten laut Alpenverein wachrütteln, um das eigene Verhalten zu hinterfragen und auch die Politik in die Pflicht zu nehmen, hieß es bei der Pressekonferenz.
Ungefähr im Jahr 2050 werden wir in Österreich Gletscher nur mehr in besonders "geschützten Lagen erleben dürfen", sagte Andreas Kellerer-Pirklbauer, der gemeinsam mit Gerhard Lieb (beide Universität Graz) den Gletschermessdienst des Alpenvereins leitet. Laut Alpenverein ergeben die rund 900 Gletscher eine Fläche von 286 Quadratkilometern, vor zehn Jahren waren es beispielsweise noch 328 Quadratkilometer. Zum Vergleich: Wien hat eine Fläche von rund 415 Quadratkilometern. Rund zehn Prozent der heimischen Gletscher werden vermessen - repräsentativ für Österreich.
25 ehrenamtliche Gletschervermesser waren für den Bericht des Gletscherhaushaltsjahrs 2024/25 ab Ende August 2025 unterwegs. Demnach zogen sich die 79 sowohl 2024 als auch 2025 vermessenen Gletscher im Mittel um 20,3 Meter zurück. Rund zehn Prozent der Gletscher in Österreich werden vermessen: Bei insgesamt 96 Gletschern wurde von den Messerinnen und Messern die Änderungstendenz erhoben: 94 von ihnen haben sich weiter verkleinert, nur zwei blieben nahezu unverändert - das jedoch nur zufällig. Dort war laut Lieb Lawinenschnee liegen geblieben, wodurch die Fläche im Sommer nicht abschmolz. Damit liegt der aktuelle Gesamtwert zwar unter den beiden Vorjahren, zählt aber - an achter Stelle - noch immer zu den höchsten der 135-jährigen Messreihe.
Grund für diese Entwicklung waren erneut gletscherungünstige Witterungsbedingungen: ein schneearmer und warmer Winter und ein außergewöhnlich warmer Frühsommer mit einem Juni, der um fast fünf Grad zu warm war. Die Temperaturen lagen an den drei ausgewerteten Hochgebirgsstationen um zwei Grad über dem langjährigen Jahresdurchschnitt. Gleichzeitig wurde ein Niederschlagsdefizit von 24,5 Prozent verzeichnet. Diese Bedingungen setzten den Gletschern weiter zu. "Der Sommer ist für die Gletscher entscheidend. Es geht den Gletschern dann gut, wenn sie den ganzen Sommer hinweg von Schnee aus dem letzten Winter bedeckt werden", erläuterte Kellerer-Pirklbauer. Dann wird die Abschmelzung verzögert. Das sei aber so gut wie nie mehr der Fall.
"Viele Gletscher verlieren nicht nur an Länge, sondern treten zunehmend in eine Phase des strukturellen Zerfalls ein. Freigeschmolzene Felsstufen, abreißende Eisbereiche und in sich zusammenstürzende Gletscherzungen prägen immer mehr das Erscheinungsbild", sagte Kellerer-Pirklbauer. Immer öfter verschwinden Gletscher auch unter dem Schutt, eine Eislandschaft ist nicht mehr sichtbar. In den nächsten Jahren erwartet der Alpenverein so etwa die Bildung von 150 bis 200 weiteren Seen aus dem Schmelzwasser, erläuterte Lieb.
"Dass der mittlere Rückzug heuer etwas unter den Rekordwerten der Vorjahre liegt, darf nicht missverstanden werden. Von Entwarnung kann keine Rede sein. Die Serie extrem gletscherungünstiger Jahre setzt sich fort, und viele Gletscher verlieren inzwischen so viel Substanz, dass sie auf Wetterphasen mit kurzfristiger Abkühlung, wie es etwa im Juli 2025 der Fall war, kaum noch reagieren", erklärte Lieb. "Alle Gletscher zehren nur mehr von Eisreserven der Vergangenheit, es gibt kein Nährgebiet mehr, sie können sich während der Sommer nicht mehr regenerieren", sagte Lieb. Bereits seit dem derzeit letzten Gletschervorstoß in den 1980er-Jahren gehen die österreichischen Gletscher mit wenigen Ausnahmen zurück, einen vorstoßenden - also wachsenden Gletscher - gab es zuletzt in der Saison 2018/2019.
Elf Gletscher verloren in der vergangenen Saison zumindest 30 Meter. Nach dem Alpeiner Ferner gab es den größten Rückzugswert mit minus 103,9 Metern am Sonnblickkees in Salzburg und am Krimmler Kees (Venedigergruppe/Salzburg) mit minus 90,3 Metern. An der Pasterze am Großglockner (Glocknergruppe/Kärnten) wurde an der Hauptzunge ein Rückzug von 54 Metern gemessen. Damit war die Pasterze österreichweit "nur" auf Platz acht, in Kärnten jedoch wiederum klare Nummer eins der Gletscherverlierer. Auch wenn die "Hufeisenbruch" genannte Eisverbindung zum höher gelegenen Riffelwinkel noch besteht, ist es sehr wahrscheinlich, dass die Gletscherzunge in den nächsten Jahren abreißt. Der größte Gletscher Österreichs wäre damit zweigeteilt und die immer noch mächtige Gletscherzunge würde als Toteiskörper langsam, aber sicher abschmelzen, befürchtet der Alpenverein. Die Experten erläuterten, dass allein der Eisverlust an der Pasterze-Gletscherzunge 11,2 Millionen Kubikmeter Wasser betrug - ungefähr drei Mal das Volumen der Alten Donau in Wien.
Im Alpenraum zeigt sich der Klimawandel besonders deutlich. Die fortschreitende Erwärmung führt zu mehr Wetterextremen und Naturgefahren, der Wasserhaushalt verändert sich, die alpine Infrastruktur ist zunehmend gefährdet und mit dem Verschwinden der Gletscher ändert sich das Landschaftsbild tiefgreifend: "Die Gletscher schmelzen - und mit jedem neuen Bericht wächst die Dringlichkeit. Der Klimawandel ist in den Alpen längst Realität, und wir erleben seine Folgen nicht irgendwann, sondern jetzt", betonte Slupetzky. "Es geht nicht mehr darum, ob wir die Gletscher in ihrer alten Form noch retten können; es geht darum, die Konsequenzen für uns selbst abzumildern."
Für die heimischen Gletscher ist es zu spät, aus einer "globalen Perspektive" aber würden sich Klimaschutzmaßnahmen lohnen, sagte Lieb. "Wir dürfen nicht in Resignation verfallen", sagte Slupetzky.
WIEN - ÖSTERREICH: FOTO: APA
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Gletscherbericht: Längenverlust pro Jahr im Durchschnitt seit 1980, größte Rückgänge 2024/25 nach Bundesland, Quelle: Alpenverein;.Die Auslieferung der APA-Grafiken als Embed-Code ist ausschließlich Kunden mit einer gültigen Vereinbarung für Grafik-Pauschalierung vorbehalten. Dabei inkludiert sind automatisierte Schrift- und Farbanpassungen an die jeweilige CI. Für weitere Informationen wenden Sie sich bitte an unser Grafik-Team unter grafik@apa.at. GRAFIK 0332-26, 88 x 154 mm
Gletscher im Querschnitt, Nährgebiet und Zehrgebiet;Die Auslieferung der APA-Grafiken als Embed-Code ist ausschließlich Kunden mit einer gültigen Vereinbarung für Grafik-Pauschalierung vorbehalten. Dabei inkludiert sind automatisierte Schrift- und Farbanpassungen an die jeweilige CI. Für weitere Informationen wenden Sie sich bitte an unser Grafik-Team unter grafik@apa.at. GRAFIK 0334-26, 88 x 124 mm
