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Dutzende lebensgroße Fotodrucke auf dem Alma Rosé-Plateau zeigen nun Nachkriegsfrauen beim Aufräumen der Straßen, beim Nähen oder beim Versorgen der Kinder. Ursprünglich entstanden die Motive, allesamt in Schwarz-Weiß, für die Lokalredaktion der "Kleinen Zeitung" während der 1950er und 60er-Jahre. Im Archiv der Grazer Pressefotoagentur "Foto Blaschka" befinden sich rund 60.000 Negative aus dieser Zeit. Die Ausstellung versteht sich aber nicht als Fotoschau, sondern will die Wirkung der Motive nachvollziehbar machen.
Denn die damals bürgerliche Vorstellung der Hausfrau und des männlichen Ernährers greife geschichtlich zu kurz, erklärte die Historikerin Tropper bei einer Presseführung am Mittwoch. Besonders im proletarischen Milieu sei die Lebenslage der Frau "viel ambivalenter, als wir es uns denken". Volkszählungen zeigen, dass im Jahr 1951 Frauen etwa 39 Prozent der Erwerbstätigen ausgemacht hätten - allerdings bei deutlich schlechterer Bezahlung.
Eng beieinander dröseln die Fotos unterschiedliche Formen der historischen Frauenarbeit auf - oft im Kontrast, wenn beispielsweise Laborarbeit neben dem Wäschemachen zu sehen ist. Wohl eher durch Zufall hält am Eingang der Sonderausstellung eine Frau den Staubsauger im selben Winkel wie das Zepter im Kaiserporträt, das im historischen Saal direkt daneben hängt.
Aber das wohl einprägsamste Element der Ausstellung ist der Aufruf zur Medienkritik. So zeigen Tafeln unter großen Bildmotiven, welche Fotos es aus den Bildreihen tatsächlich in die Berichte geschafft haben - damit aber auch, was bewusst undokumentiert blieb.
"Wir müssen im Kopf behalten, dass diese Bilder ein Bild zeichnen, das sehr viel mehr mit der Selbstbeschreibung dieser Gesellschaft zu tun hat, als mit realen Verteilungsverhältnissen, was weibliche Arbeit betrifft", so die Kuratorin. Bei der Landwirtschaft, dem "wichtigsten Bereich weiblicher Erwerbstätigkeit in der Steiermark der Nachkriegszeit", seien Frauen in Zeitungen etwa kaum vorgekommen. Gelegentlich sei über "Ausnahmefrauen" berichtet worden, "aber nicht im großen Stil."
Freilich sollen die historischen Bilder auch an aktuelle Debatten rund um Gender Pay Gap, Väterkarenz oder Frauen-Altersarmut anknüpfen: "In vielen anderen Feldern hat es in den letzten Jahrzehnten durchaus Fortschritte gegeben. Die Verteilung von bezahlter und unbezahlter Arbeit bewegt sich erstaunlich wenig."
(S E R V I C E - "Alles Arbeit. Frauen zwischen Erwerbs- und Sorgetätigkeit. Fotoarchiv Blaschka 1950-1966", Haus der Geschichte Österreich, Heldenplatz, 29. Jänner 2026 bis 10. Jänner 2027. Bis 30. August gibt es ein Kombi-Ticket mit der Ausstellung "Alles in Arbeit" im Dom Museum. www.hdgoe.at)
WIEN - ÖSTERREICH: FOTO: APA/APA/Klaus Pichler/hdgö/Klaus Pichler
