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Forscher erklären Heavy Metal mit Psychologie - und umgekehrt

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Das "Nova Rock 2025" lockte über 200.000 Besucherinnen und Besucher
"No Fear of the Dark" - in Anlehnung an einen Klassiker der Heavy-Metal-Institution Iron Maiden betitelt, haben zwei Forscher der Universität Salzburg ein Buch zur Psychologie des Metal vorgelegt. Man wollte ein Stück weit "Metal mit Psychologie erklären und psychologische Forschung und Methoden mit Metal", erklärte Burkhard Gniewosz im Gespräch mit der APA. Einzuordnen gibt es in Bezug auf das einflussreiche Musikgenre viel und geforscht wird dazu mehr, als man denkt.

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Zusammen mit Jörg Zumbach - wie auch Gniewosz Professor am Fachbereich Erziehungswissenschaften der Uni Salzburg - sei er auf den Gedanken gekommen, wissenschaftliche Datenbanken nach einschlägiger Forschung zu durchleuchten. Man wurde jedenfalls überraschend oft fündig. Deshalb legen die beiden langjährigen Metal-Fans nun eine erste größere Auseinandersetzung mit dem härteren Musikgenre auf Deutsch vor. Präsentiert wird das Buch am 16. Juni im Unipark Nonntal in Salzburg - unmittelbar nach dem größten heimischen Metal-Festival, dem "Nova Rock" im burgenländischen Nickelsdorf (11.-14. Juni).

Wie groß die Sogwirkung der oftmals immer noch recht argwöhnisch beäugten Musikrichtung mit ihrem ausgeprägten Hang zur Verästelung in diverse Nischen ist, lässt sich anhand der Besucherzahlen auf derartigen Festivals ablesen. Am Nova Rock waren es laut Veranstalterangaben an vier Tagen im Jahr 2025 rund 220.000, im deutschen Wacken sind es traditionell nochmals mehr. Die großen Festivals sind ein Beleg für die große und vor allem sehr beständige Anhängerschaft, die das ab den 1970er-Jahren aufkommende Genre bis heute auf sich vereint. Warum das trotz oder vielleicht auch wegen einst massiver Kampagnen gegen die vermeintlich "satanische" oder zur Aggression anspornende Musikform weiter so ist, versucht man in dem Buch auch zu umreißen.

Letztlich mache Metal ein Angebot an junge Menschen, das es so nicht an jeder Straßenecke gibt. Im Zentrum steht für Jugendliche die "Identitätsentwicklung", so der Wissenschafter, der hier eine besondere Möglichkeit sieht, sich auszudrücken und sich von Eltern oder anderen abzugrenzen. Die Metal-Community wiederum sei "relativ inklusiv" und sehr aufnahmefreudig für Neu-Interessenten, die sich vielleicht eher als "Außenseiter" wahrnehmen und im Musik-Mainstream nicht wiederfinden. Wenn auch die Zeiten vorbei sind, wo man mit langen Haaren, Tattoos oder mit Monstern und Co. bedruckten T-Shirts wirklich zum Bürgerschreck mutieren konnte, lässt sich damit immer noch trefflich anecken. Menschen auf der Suche nach einem Ausdruck für ihre Individualität fühlen sich im Metal vielfach immer noch richtig aufgehoben und "empowered", also selbstermächtigt und ernstgenommen, erklärte Gniewosz.

Die Musik und das Umfeld geben vielen Menschen eine Art Heimat, in der viele Klischees eigentlich keinen Platz haben. So gebe es Studien, die zeigen, dass der Alkohol- und Drogenkonsum oder die Neigung zu Straftaten in der Szene keineswegs ausgeprägter als in anderen Bevölkerungsgruppen sei. Sehe man sich Erwerbsbiografien an, sind die Metal-Anhänger alles andere als eine gesellschaftliche Risiko-Randgruppe mit weniger beruflichem Erfolg. Fazit: "Das sind nicht die Menschen, die mit ihrem Leben nicht klarkommen." Auf Jugendliche, die sich wenig verstanden fühlen, habe die Musik und Gemeinschaft eher eine stabilisierende Wirkung, würden etwa Untersuchungen zur Aggressionsneigung zeigen. Die Szene wirke für viele als wichtiger "Safe Space".

Abseits von "ein paar dunkelbraunen Ecken im 'Black Metal' ist es ein sehr weltoffenes Völkchen", zeigt sich der Psychologe überzeugt. Eher problematisch sei weiter die Darstellung und tradierte Rolle von Frauen, Homosexualität und der Hang zur "Hypermaskulinität", so Gniewosz. Auch hier habe sich aber viel zum Besseren gewendet. So gebe es mittlerweile viele Bands mit Frauen in der ersten Reihe. Auch die Aufregung rund um das "Outing" von Metalpionier Rob Halford Anfang der 1990er-Jahre sei aus heutiger Sicht kaum vorstellbar. Inzwischen gebe es auch eine ganze Reihe an Bands und Künstlern mit offenem queeren Hintergrund im Genre. Ja, mancher Akteur stelle immer noch ein sehr althergebrachtes Männer- und Frauenbild zur Schau. Es gebe aber Studien, die zeigen, dass die Hörer gut zwischen Inszenierung und Realität unterscheiden können, so der Psychologe, der selbst gerne aufs Wacken-Festival fährt.

Nicht zuletzt begleitet die Musik und auch die Metal-Forschung nun bereits Menschen über viele Jahrzehnte. Untersuchungen zufolge ist es vielen ein Anliegen, mit der Szene auch im höheren Alter verbunden zu bleiben. Man plane dann seinen nächsten Festival-Besuch eben minutiöser und entscheide, "wie man in Wacken und Co. noch durch den Matsch komme", sagte Gniewosz.

Erschienen ist "No Fear of the Dark. Eine Psychologie des Heavy Metal" in der Buchreihe "Metalbook", herausgegeben von Peter Pichler von der Universität Graz. Über das Vehikel "Metal" wolle man jedenfalls auch miterklären, wie ernsthafte psychologische Forschung funktioniert.

(S E R V I C E - Burkhard Gniewosz, Jörg Zumbach: "No Fear of the Dark. Eine Psychologie des Heavy Metal. Metalbook, Band 6", Verlag W. Kohlhammer, ca. 26 Euro. Buchpräsentation: 16. Juni 2026, 16:00 Uhr, Unipark Nonntal, Raum 2.205, Erzabt-Klotz-Straße 1, 5020 Salzburg, https://shorturl.at/LyG8z )

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