von
Möglich wird das durch moderne Analysemethoden, mit denen herausgefunden werden kann, was einst in Keramikgefäßen so alles gekocht und gelagert wurde, selbst wenn dies bereits Jahrtausende zurückliegt. Maxime Rageot von der Universität Bonn (Deutschland), Giulio Palumbi von der Uni Bari (Italien) und weitere Forschende - darunter auch Maria Bianca D'Anna vom Österreichischen Institut für Archäologie (ÖAI) der Akademie der Wissenschaften (ÖAW) - untersuchten 52 Keramikbehältnisse, die geschätzt aus der Zeit vor 4.900 bis 4.600 Jahren in Verwendung waren.
Sie werden einer Kultur zugeordnet, die nach den beiden ins Kaspische Meer mündenden Flüssen Kura und Araxes benannt ist, und die sich ab Mitte des vierten Jahrtausends vor unserer Zeitrechnung in der Region groß auszubreiten begann. Gewissermaßen im Kernland dieser Kultur am Fuße der Gebirgskette und zwischen den namensgebenden Flüssen liegt Qaraçinar, heute in Aserbaidschan.
Die Wissenschafterinnen und Wissenschafter fanden Spuren diverser organischer Rückstände, so etwa von allerlei Früchten, darunter auch Trauben, sowie von Pflanzenölen, Baumharzen, tierischen Fetten und Milchprodukten. In einigen Untersuchungsgegenständen fand man Hinweise auf wiederholtes Erhitzen von Speisen. Zum Kochen wurden demnach eher einfärbige Keramikgefäße verwendet, während für die Kultur charakteristische rot-schwarz bemalte und polierte Gefäße offenbar vor allem zum Aufbewahren und Trinken von Milch, Früchten bzw. Frucht- und vor allem Traubengetränken benutzt wurden, heißt es in der Arbeit.
Darüber hinaus fand man in den organischen Rückständen Hinweise auf Praktiken zum Konservieren und Weiterverarbeiten von Lebensmitteln. Neben fermentierten Milchprodukten hat man in der Gegend in der frühen Bronzezeit offenbar auch mit Nadelbaumharzen versetzten Wein konsumiert. Diese Praktik wird heute etwa in Griechenland bei der Herstellung des Retsina-Weines angewendet.
Im Kaukasus gibt es bereits in jungsteinzeitlichen Funden Hinweise auf eine Art Weinbau, auch in der Kura-Araxes-Kultur dürfte sich eine mehr oder weniger stark ausgeprägte "Weinkultur" etabliert haben, die auch die Keramiknutzung beeinflusst hat, schreiben die Forschenden in ihrer Arbeit. Bis zu der nun vorliegenden Studie wurde darüber nur spekuliert, jetzt könne man dies allerdings deutlich besser festmachen.
(S E R V I C E - https://doi.org/10.1073/pnas.2529600123 )
WIEN - ÖSTERREICH: FOTO: APA/Giulio Palumbi/Elchin Hasan






