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Neuer Ansatz gegen akute myeloische Leukämie bei Kindern

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Neue Therapieoptionen gegen Krebs bei Kindern greifbar
Wiener Forschende haben einen neuen Ansatz gegen akute myeloische Leukämie (AML) bei Kindern gefunden. Anstatt ein krebsförderndes Protein direkt anzugreifen, wurde in einer Studie die für seine Stabilität erforderliche Gerüststruktur ins Visier genommen. "Das Resultat: Das Protein (genannt KAT2A) wurde rasch zerlegt, das Wachstum von Leukämiezellen kam zum Stillstand", berichtete die St. Anna Kinderkrebsforschung am Montag. Dies könnte neue Therapieoptionen eröffnen.

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Die akute myeloische Leukämie zählt zu den aggressivsten Blutkrebserkrankungen im Kindesalter. Zwar haben sich die Überlebenschancen in den vergangenen Jahrzehnten deutlich verbessert, doch Rückfälle bleiben die größte Herausforderung - die meisten treten innerhalb eines Jahres nach der Diagnose auf, die langfristigen Überlebenschancen nach einem Rückfall sind gering. Das macht die Suche nach neuen Therapien umso dringender, hieß es in der Presseaussendung.

Das Enzym KAT2A ist an der Aktivierung von Genen beteiligt und gilt seit langem als Schwachstelle von AML-Zellen. Wird es ausgeschaltet, übernimmt jedoch das verwandte Protein KAT2B seine Funktion und sichert den Krebszellen das Überleben. Die vermeintliche Achillesferse erweist sich als erstaunlich widerstandsfähig, erläuterte die St. Anna Kinderkrebsforschung.

Um dieses Problem zu umgehen, wählten die Mediziner um Davide Seruggia an der St. Anna Kinderkrebsforschung und am CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften einen anderen Ansatz. KAT2A arbeitet nicht allein, sondern ist Teil eines größeren Proteinkomplexes namens SAGA, der aus rund zwanzig Bausteinen besteht. Während einige direkt an der DNA wirken, sorgen andere für Stabilität und Struktur.

Wird eines dieser strukturellen "Gerüstproteine" entfernt, hat das einen Domino-Effekt auf den SAGA-Komplex, das Gerüst stürzt in sich zusammen. Ohne sein stabiles Umfeld kann KAT2A die DNA nicht mehr erreichen und seine Funktion nicht mehr erfüllen, und auch nicht durch ein anderes Protein ersetzt werden. Damit gelingt es also erstmals, die Aktivität von KAT2A in AML-Zellen wirksam zu reduzieren, ohne dass kompensatorische Mechanismen greifen, wurde in der Aussendung betont.

Der Zerfall des SAGA-Komplexes hat noch einen zweiten Effekt: Die nun ungeschützt in der Zelle vorliegenden KAT2A-Proteine werden von der zelleigenen Qualitätskontrolle erkannt und rasch abgebaut. Dieses System sorgt normalerweise dafür, dass fehlerhaft integrierte Proteine entfernt werden, um Schäden zu vermeiden. In zwei Leukämiemodellen, die für diese Forschungsarbeit herangezogen wurden, verschwanden die freien KAT2A-Proteine innerhalb von 24 Stunden vollständig, was den Effekt der Therapie zusätzlich verstärkte.

Die Studie belegt, dass nicht die krebstreibenden Proteine selbst, sondern die Stabilität der sie umgebenden Strukturen oft ein lohnenderes Angriffsziel für Wirkstoffe darstellen können. "Unser Ansatz zeigt nicht nur, wie Zellen einzelne, isolierte KAT2A-Moleküle normalerweise abbauen", erklärte Studienleiter Seruggia. "Er weist auch darauf hin, dass andere Bestandteile des SAGA-Komplexes mögliche therapeutische Angriffspunkte sein könnten - auch bei anderen Leukämieformen." Darüber hinaus könnte das gezielte Stören zentraler Strukturproteine auch in anderen Proteinkomplexen ähnliche Effekte haben und neue Wege in der Krebstherapie eröffnen. Die Studie wurde in der Fachzeitschrift "Nature Communications" veröffentlicht.

PRODUKTION - 30.10.2025, Hessen, Frankfurt/Main: Ein Transparent mit der Aufschrift ?Kinder- und Jugendheilkunde? steht im Eingangsbereich des Medizinischen Versorgungszentrums (MVZ) für Kinderheilkunde im Frankfurter Stadtteil Westend. In Frankfurt kommt es für Eltern mit kranken Kindern gerade Schlag auf Schlag: Das Medizinische Versorgungszentrum macht Ende November seine Pädiatrie dicht, der Kinderärztliche Bereitschaftsdienst am Universitätsklinikum ist seit Oktober geschlossen. Die Firma Medicover betreibt an 30 Standorten Medizinische Versorgungszentren (MVZ). In Frankfurt gibt es neben einem hausärztlichen MVZ auch eines für Kinderheilkunde. (zu dpa: «Wohin mit dem kranken Kind?») Foto: Arne Dedert/dpa +++ dpa-Bildfunk +++.

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