Ferrari setzt nicht nur auf Rennsport, sondern exploriert nun auch tiefergehendes Terrain: Mit Hypersail präsentiert der italienische Hersteller einen 100 Fuß langen, fliegenden Hochsee-Monohull, der Aerodynamik, Ingenieurskunst und Design vereint und damit eine neue Dimension des Hochseesegelns eröffnen soll. Ferrari versteht sein erstes Hochsee-Segelprojekt als Versuchslabor.
Mit einer Länge von über 30 Metern, Platz für mehr als acht Personen und der Fähigkeit, mithilfe sogenannter Foils über das Wasser zu gleiten, ist dieses Ferrari-Vehikel anders als alles, was man bisher vom italienischen Sportwagenhersteller kannte.
Das futuristische Jachtprojekt Hypersail, das im Rahmen der diesjährigen Designwoche in Mailand vorgestellt wurde, markiert Ferraris Vorstoß in den Offshore-Segelsport und soll im wahrsten Sinne des Wortes neue Horizonte erschließen.
Reales Versuchslabor
Flavio Manzoni, Chief Design Officer bei Ferrari, und Ingenieur und Ferrari TechChef Matteo Lanzavecchia waren unter anderen für das Megaprojekt verantwortlich. Hypersail, so der Technik-Chef, ist aber weit mehr als nur ein Hochsee-Offshore-Boot: „Wir sehen Hypersail als Open-Innovation-Plattform, weil sie uns ermöglicht, Technologien in einem äußerst anspruchsvollen Umfeld zu entwickeln und zu testen“, so Lanzavecchia.
„Die Vorteile konzentrieren sich vor allem auf Energiemanagement, Aerodynamik, Systemintegration und Steuerung. Insbesondere das Thema Energieautarkie treibt uns dazu an, an Effizienz zu arbeiten – mechanisch, elektronisch und aerodynamisch – sowie an der Optimierung von Energieflüssen. Das sind Bereiche, die auch für die Entwicklung von Ferrari-Fahrzeugen zunehmend zentral werden.“
Zahlen & Fakten
30 Meter lang ist das hochfliegende Einrumpfboot, welches Platz für mehr als acht Passagiere hat.
90 Prozent der Prototypbestandteile wurden im Werk in Maranello gefertigt, in welchem Ferrari Legenden wie f80 gebaut werden
Performance als DNA
Hypersail sei daher ein reales Versuchslabor, das die Entwicklung von Kompetenzen beschleunige, die sich auch auf den Automobilsektor übertragen lassen, erklärt der Ferrari-Tech-Chef. Zum Beispiel könnten bestimmte Technologien, beispielsweise Carbonfaser und Batterien von Hypersail auf die Limousinen und Cabrios von Ferrari übertragen werden. Darunter das mit Spannung erwartete, erste vollelektrische Auto des Cavallino Rampante. Den Einstieg in den Segelsport erachtet man bei Ferrari aber auch als logische Konsequenz.
„Hypersail markiert den Beginn einer Reise, mit der Ferrari ein neues Feld der Exploration betritt“, so der Ingenieur. „Dieses Projekt steht im Einklang mit unserer Rennsport-DNA, da es mit Performance verbunden ist: In diesem Fall unter extremen Bedingungen, ähnlich wie bei unseren Langstreckenaktivitäten.“
Nachhaltigkeit und Energieeffizienz sind Lanzavecchia zufolge dabei nicht bloß Trends, die bespielt werden müssen, sondern zentrale Elemente beim Bau: „Die Konstruktion eines Bootes ohne Verbrennungsmotoren erfordert eine enge Verzahnung von Energieerzeugung, -management und Verbrauch. Dies wirkt sich unmittelbar auf die Konstruktion aus: Jede Entscheidung muss dazu beitragen, Gewicht, Verluste und Energiebedarf zu reduzieren.“


20 Ferrari-Mitarbeiter arbeiten Vollzeit an dem Projekt. Weitere 80 aus unterschiedlichen Abteilungen arbeiten zu. doch wo das Boot genau gebaut wurde, hält Ferrari geheim.
© BeigestelltDesignerbe
Das Schiffentstand in enger Zusammenarbeit zwischen Schiffsbauingenieuren und dem Ferrari-Design-Studio, woraus sich das Design Flavio Manzoni zufolge natürlich ergab und nicht erst nachträglich eingearbeitet werden musste. Design sei beim Hypersail, wie bei Rennwagen auch, eine Frage der Funktion: Jede Form muss im wahrsten Sinne des Wortes zielführend sein und Wind, Wasser und Geschwindigkeit optimal übersetzen, erklärt der Designer.
„Die Umgebung ist wesentlich extremer und unvorhersehbarer, weshalb jede Entscheidung nicht nur Leistung, sondern auch Zuverlässigkeit gewährleisten muss. Das bedeutet zwar größere gestalterische Freiheit, aber zugleich ein noch höheres Maß an technischer Verantwortung“, so der Chefdesigner.
Ferrari bleibt eine Automobilmarke mit einem starken Fokus auf technologische Innovation
Daneben ist das Design an etliche Ferrari-Ikonen angelehnt. „Es geht aber nicht darum, stilistische Elemente buchstäblich zu übertragen, sondern Prinzipien zu übersetzen“, so Manzoni. Die Lackierung von Kabine, Foils und Rumpflinien des Monohulls im charakteristischen Gelbton „Giallo Fly“ verweist unmittelbar auf Ferraris Markenidentität und besitzt zugleich historische Bedeutung: Von Fiamma Breschi – einer engen Vertrauten Enzo Ferraris und Witwe des Rennfahrers Luigi Musso, dessen Markenzeichen ein gelber Helm war – inspiriert, kam Giallo Fly erstmals beim 275 GTB zum Einsatz.
Der graue Grundtun, eigens „Grigio Hypersail“ getauft, dient indes nicht nur als ästhetisches Element, sondern verweist auf die sichtbare Carbonstruktur, aus welcher der Rumpf gefertigt ist.
Zukunft der Marke
Die Silhouette des Bootes erinnert zweifelsohne an die Proportionen des Ferrari Monza SP1/SP2, die Gestaltung des Deckaufbaus greift grafische Elemente des Le-Mans-Siegers 499P auf. Im Kern bleibt Ferrari aber eine Automobilmarke, so Designchef Manzoni, „allerdings mit einem starken Fokus auf technologische Innovation“.
Es gehe weniger um einen Identitätswandel als um die Weiterentwicklung der Ferrari-DNA fernab der Straße.
Dieser Beitrag ist ursprünglich in der News-Printausgabe Nr. 20/2026 erschienen.







