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Dürre und Hitze: Experten erarbeiten Konzepte für Donau

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Das aktuelle Niedrigwasser erschwert die Donauschifffahrt
©APA/APA/THEMENBILD/GEORG HOCHMUTH
Die nicht nur für Österreich so prägende Donau gerät durch den Klimawandel und steigende Wasserentnahme zunehmend unter Druck. Die durch Hitze und Trockenheit stark gesunkenen Flusspegel illustrieren das momentan eindrucksvoll. Ein weitverzweigtes Forschungsteam zeigt nun, dass Tage mit Einschränkungen des Schiffverkehrs bis 2050 um rund 80 Prozent zunehmen könnten und die Stromerzeugung eher sinken kann.

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Zudem könnte die Unterbrechung der Verbindung der Nebenarme mit dem Hauptstrom um bis zu über einem Monat verlängert werden. Die Forschenden untersuchten laut eigenen Angaben erstmals, wie Klimawandel, Wasserentnahmen und Veränderungen des Flussbetts gemeinsam auf zentrale Funktionen der Donau bis 2050 wirken. Ohne Gegenmaßnahmen könnte der "sichere Handlungsspielraum" für wichtige Nutzungen des Flusses künftig deutlich kleiner werden, sagte Helmut Habersack vom Institut für Wasserbau, Hydraulik und Fließgewässerforschung der Universität für Bodenkultur (Boku) Wien gegenüber der APA. Mit einem gezielten Bau- und Renaturierungsprogramm könne man aber gegensteuern.

An einem umfassenden "integrierten Ansatz", wie der Strom, sein Gewässerbett und die Umgebung gestaltet werden könnten und sollten, arbeiten Forschende unter Habersacks Leitung im Rahmen des EU-geförderten Projekts "DANUBE4all". Das Ergebnis soll nicht "nur für die Fische", sondern auch wirtschaftlich relevant sein, so der Hydrologe in Anlehnung an einen bekannten Ausspruch.

Welche Rolle die Donau mit ihrem großen Einzugsgebiet als Lebensraum für Tiere und Pflanzen, Wasserstraße und Stromlieferant für die Wirtschaft, als Tourismusfaktor sowie vielerorts auch als Trinkwasserreservoir spielt, wird dieser Tage angesichts extrem niedriger Pegelstände einmal mehr bewusst. So mussten in Osteuropa zuletzt Kraftwerke an der Donau aufgrund des Wassermangels abgeschaltet werden, die Stromproduktion in Österreich ging signifikant zurück.

Durch gute Planung und Umsetzung von baulichen Maßnahmen lassen sich selbstverständlich nicht ausbleibender Regen und der in absehbarer Zeit abnehmende Abfluss von den massiv schrumpfenden Gletschern ausgleichen, wie Habersack erklärte. Man könne aber Anpassungsmaßnahmen setzen, um den Fluss und möglichst viele seiner Funktionen bestmöglich zu erhalten. Tut man das nicht, kommt es unter der Annahme ungünstiger, aber recht realistischer Klimaszenarien bis Mitte des Jahrhunderts zu rund 40 zusätzlichen Tagen pro Jahr, an denen die Donau von Schiffen nur eingeschränkt befahren werden kann. Besonders schwierig könnte es in unteren Donau-Abschnitten werden. Das ist ein Ergebnis einer kurz vor der Veröffentlichung in einem Fachjournal stehenden Analyse im Zuge des EU-Projekts "Stars4Water".

Bezüglich Stromproduktion aus Laufkraftwerken etwa in Österreich würde es zu Abnahmen in den trockeneren Monaten kommen, die allerdings in feuchteren Jahreszeiten mitunter ausgeglichen werden könnten. Im unteren Flussbereich wird Kraftwerken jedoch ein Minus prognostiziert. Beim an der Donau befindlichen AKW im ungarischen Paks und jenem in Rumänien "dürften sich künftig kritische Niedrigwasserphasen für die Kühlwasserversorgung ohne Gegenmaßnahmen im ungünstigsten Szenario deutlich verlängern", so Habersack über die Berechnungen der Gruppe.

Ein Faktor, der in Österreich oft vergessen wird, ist auch die Trinkwasserversorgung aus der Donau, wie Habersack betonte. Hierzulande ist die Wasserentnahme dafür zwar recht gering, da Wien etwa zum größten Teil über die Hochquellleitungen versorgt wird, in Bratislava, Budapest oder Belgrad ist das aber anders. Der Studie zufolge sollte aber die Trinkwasserversorgung über den Fluss auch bis 2050 kaum gefährdet sein.

Ein Fragezeichen steht hinter der künftigen Wasserentnahme für Bewässerungen in der Landwirtschaft - ein Faktor, der klimawandelbedingt ebenfalls erwartungsgemäß zunehmen wird. Gemeinsam mit dem Gletscherschwund, den geringeren Wassermengen und der steigenden Wasserentnahme für die Bewässerung könnten bis 2050 die Nutzungen der Donau als Verkehrsweg, Energielieferant, Lebensraum und Wasserquelle in Trockenperioden zunehmend in Konkurrenz geraten.

Besondere Sorge bereitet seit Jahrzehnten die Eintiefung der Donau: Durch die vielen Sperren und Kraftwerke im Verlauf des Stromes ist der Transport der Sedimente unterbrochen. Das gibt dem Fluss die Chance, sich weiter in die Landschaft einzuschneiden, was den Pegel zusätzlich sinken lässt und dazu führen kann, dass Nebenarme oder Zubringer vom Hauptstrom abgetrennt werden und der Grundwasserspiegel absinkt. Als die Flüsse in einem neben dem Hochwasserschutz, der Nahrungsmittelproduktion und der Schifffahrt dienenden sowie auch als Wirtschaftsförderungs- und Beschäftigungsprogramm gedachten Vorstoß im vergangenen Jahrhundert stark verbaut wurden, war die Regulierung vielfach "zu eng", wie Habersack betont.

Hier setzen die länderübergreifenden EU-Projekte "DanubeSediment_Q2" und "DANUBE4all" an: Man arbeitet an einem Sedimentmanagement- und einem Flussrenaturierungsplan. Gerade das politisch so umstrittene Wort "Renaturierung" treffe den Kern des Vorhabens aber nicht wirklich, so Habersack: Es gehe nicht darum, den Zustand des 19. Jahrhunderts nachzuahmen, sondern eine Art "Bauprogramm für die kommenden 20 bis 25 Jahre zu entwickeln, das die Resilienz der Donau und der Zubringer u.a. gegen Hochwässer und Dürren stärkt". In einem neuen Online-Tool unterteilen die Wissenschafterinnen und Wissenschafter den Fluss in über 3.000 Abschnitte, für die jeweils angegeben wird, ob es dort Probleme im Bereich der Sohlentwicklung, Flussmorphologie oder Ökologie gibt. "Auf Basis der Probleme werden Lösungsansätze vorgeschlagen", erklärte Habersack.

Darauf aufbauend könne man dann konkrete Pläne für Maßnahmen entwickeln. So zeigt sich etwa, dass das Wiederanbinden von Seitenarmen und Überflutungsflächen viele positive Effekte für die Natur, aber auch für den Schutz vor Hochwasser und Dürre bringen. All das muss geplant und umgesetzt werden, was wiederum Arbeitsplätze bedeutet. In Phasen der wirtschaftlichen Rezession denke man vor allem an Straßenbau- oder Gebäudeprojekte, um das Wachstum anzuschieben. "Wir haben hier auch eine Infrastruktur und ein Ökosystem vor uns, das widerstandsfähiger gemacht werden muss", sagte Habersack. Das rentiere sich ökonomisch, wenn Wasserstraßen offen bleiben und Trockenheit und Hochwasser besser abgefedert werden können, aber auch Arbeitsplätze entstehen. Letztlich brauche es ein von der Politik geschnürtes, wissenschaftlich fundiertes und international abgestimmtes Bauprogramm für die Flüsse.

Service: Links zu einschlägigen Forschungsprojekten: https://stars4water.eu , https://www.danube4allprojecteu , https://interreg-danube.eu/projects/danubesediment-q2

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