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Debatte zu Deutschförderung in Sondersitzung des Wiener Landtags

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Diskutiert wurde in einer Sondersitzung des Landtags
©APA, GEORG HOCHMUTH, THEMENBILD
Nachdem am gestrigen Dienstag die Fördermittel für private Kindergärten Thema im Wiener Gemeinderat waren, ist am Mittwoch erneut die Elementarpädagogik im Zentrum einer Sitzung des Stadtparlaments gestanden. Im Rahmen eines Sonderlandtags wurde auf Antrag der ÖVP über Deutschförderung diskutiert. Die Volkspartei führte vor allem die hohe Zahl außerordentlicher Schülerinnen und Schüler in Wien ins Treffen. Viele von ihnen hätten einen Kindergarten besucht, wurde bemängelt.

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Als "außerordentlich" gelten Schüler, die dem Unterricht wegen Deutsch-Defiziten nicht ausreichend folgen können. ÖVP-Klubobmann Harald Zierfuß kritisierte, dass - wenn die Vorschulkinder mitberücksichtigt würden - die Hälfte aller Schulanfänger in diese Kategorie falle. Dies müsse ein Grund zum Umdenken sein, da viele davon auch in Österreich geboren seien und hier im Kindergarten waren.

Man müsse sich die Frage stellen, warum es möglich sei, dass diese Kinder mit sechs Jahren so schlecht Deutsch könnten, dass sie nicht einmal ihre Lehrer verstünden, befand Zierfuß. "Das ist eine Bankrotterklärung dieser Stadtregierung aus SPÖ und NEOS." Er forderte, den Sprachstand schon bei Dreijährigen zu erheben. Wenn es Förderbedarf gebe, sei die Besuchspflicht "hinaufzuschrauben". Auch eine Aufstockung der Deutschförderkräfte forderte er. Hier würden die NEOS mit ihrer Bildungsstadträtin Bettina Emmerling die selbst gesteckten Ziele nicht erreichen.

Auch der grüne Landtagsabgeordnete Felix Stadler rief die Stadtregierung auf: "Machen Sie endlich mutige und wirkungsvolle Bildungspolitik." Die Deutschförderung versage: "Das funktioniert einfach nicht." Die betreffenden Kinder hätten weniger Chancen, warnte er. Wie Stadler ausführte, sind auch die Grünen für ein zweites verpflichtendes Kindergartenjahr. Dieses mache aber nicht wett, dass es keine ordentliche Sprachförderung gebe, zeigte er sich überzeugt.

FPÖ-Mandatar Bernd Saurer konstatierte ebenfalls, dass es große Sprachdefizite in den Kindergärten gebe. "Die massive Zuwanderung hat auch den Elementarbereich unter Druck gebracht." Die Probleme würden bei Schuleintritt nicht einfach verschwinden. "Sie werden mitgenommen und überfordern die Volksschulen vom ersten Tag an." Er machte nicht zuletzt Personalmangel in den Kindergärten dafür verantwortlich. In der frühkindlichen Bildung werde gespart, beklagte Saurer.

NEOS-Bildungssprecherin Dolores Bakos verriet, dass sie von den Zahlen ebenfalls "schockiert" sei. Für diese sei unter anderem der Familiennachzug verantwortlich, durch den 300 Kinder neu in das Bildungssystem gekommen seien. Auch auf den Ukraine-Krieg ging sie ein. "Ein autoritärer Despot hat sein Nachbarland angegriffen." Dadurch seien tausende Schülerinnen und Schüler nach Österreich gekommen. "All das bindet Ressourcen." Es seien aber auch wichtige Projekte wie die Sommerdeutschkurse ins Leben gerufen worden. NEOS-Bildungsminister Christoph Wiederkehr sei zudem eine Verdoppelung bei den Deutschförderkräfte zu verdanken, hob Bakos hervor. "Es zeigt, wir schauen nicht weg."

Der SPÖ-Landtagsabgeordnete Nikola Poljak zeigte sich überzeugt, dass der Spracherwerb am besten im Kindergarten erfolge. Auch er selbst habe dort Deutsch gelernt, verriet er. "Hier geschieht echte Deutschförderung." Das gemeinsame Lernen sei wichtig. "Wir haben Probleme, wir sehen sie, wir nehmen sie wahr, wir drehen an allen Schrauben, an denen wir drehen können", versprach er. Man arbeite etwa an einer Erhöhung der Sprachförderkräfte. Skeptisch zeigte sich Poljak bezüglich zu früher Sprachtests, da der Wortschatz bei Dreijährigen noch sehr gering sei, wie er ausführte.

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