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Auch in Mathematik haben Volksschulen mit der niedrigsten "Sozioökonomischen Ausgangslage" (SÖL; besonders viele Kinder mit Migrationshintergrund und nicht-deutscher Erstsprache, besonders viele Eltern mit geringem Bildungsstand und Einkommen) im Mittel der vergangenen drei Jahre deutlich seltener die erwarteten Kompetenzen erreicht bzw. übertroffen als Kinder in der höchsten der sechs SÖL-Kategorien (61 gegenüber 91 Prozent).
In Mathematik liegen Schulen der niedrigsten und der höchsten SÖL-Kategorie im Mittel um 92 Punkte auseinander, das entspricht 15 Lernmonaten. In Deutsch ist die Kluft mit 107 Punkten bzw. 22 Lernmonaten noch einmal größer. Dementsprechend kommt es an Schulen mit den unvorteilhaftesten Lernvoraussetzungen auch deutlich häufiger vor, dass 30 Prozent oder mehr an den Bildungsstandards in Mathematik oder Lesen scheitern als in Schulen mit dem besten Lernumfeld (45 Prozent gegenüber fünf). Gleichzeitig hat in fast keiner der Schulen aus der untersten SÖL-Kategorie mehr als die Hälfte der Kinder in beiden Bereichen die Standards erreicht, in SÖL-Kategorie zwei war es immerhin schon jede vierte Schule.
Schulen mit unvorteilhafter sozioökonomischer Ausgangslage findet man vor allem in Städten. In Wien fallen etwa 58 Prozent der Schulen in die SÖL-Kategorien eins und zwei, über die übrigen Bundesländer hinweg sind es nur 14 Prozent. Am auffälligsten sind die Leistungsunterschiede in den SÖL-Kategorien eins bis drei, der Unterschied der Mittelwerte zwischen Stufe ein und Stufe zwei entspricht sechs (Mathe) bzw. neun Lernmonaten (Lesen). In den drei oberen Kategorien sind sie nur noch vergleichsweise gering.
Die Sozioökonomische Ausgangslage allein ist beim Leistungsniveau allerdings nicht spielentscheidend, wie die Daten zeigen: Jede vierte Volksschule hat bei den IKM-PLUS-Tests ein Ergebnis unter dem Österreich-Mittelwert geliefert, obwohl sie vor allem von Kindern mit besonders guten Lernvoraussetzungen besucht wird. Und in fast einem Zehntel dieser Schulen erreichen weniger als die Hälfte der Kinder die Standards sowohl in Mathe als auch in Lesen. Gleichzeitig sind einige Schulen mit besonders schwierigen Voraussetzungen (Kategorie 2) über dem Mittelwert bzw. sehr nahe dran gelandet.
Eine größere Rolle als in anderen Ländern spielt beim Erreichen der Bildungsstandards - also der seit 2009 zusätzlich zum Lehrplan vorgegebenen Kompetenzen - immer noch der Sprachhintergrund. Unter Kindern mit der Erstsprache Deutsch haben zuletzt 69 Prozent sowohl in Deutsch als auch Mathematik die Standards erreicht, bei Kindern mit Migrationshintergrund waren es gerade einmal 31. Gleichzeitig haben in dieser Gruppe 29 Prozent in keinem der beiden Bereiche die Standards erreicht, unter Schülern mit Erstsprache Deutsch waren es nur neun.
Die meisten Schüler mit einer anderen Erstsprache als Deutsch besuchen Schulen mit schwierigerem Lernumfeld. Dabei macht es gerade für diese Gruppe einen deutlichen Unterschied, ob sie gemeinsam mit vielen Kindern mit Förderbedarf unterrichtet werden oder nicht. Kinder der niedrigsten und der höchsten SÖL-Kategorie liegen bis zu 89 Punkte auseinander, das sind fast eineinviertel Lernjahre. Bei Kindern mit der Erstsprache Deutsch sind es nur bis zu 59 Punkte.
In der Mathematik wirkt sich der Sprachhintergrund insgesamt deutlich geringer aus, hier haben immerhin 70 Prozent der Kinder mit einer anderen Erstsprache die Bildungsstandards erreicht. In Deutsch war es nicht einmal ein Drittel (Lesen: 32, Zuhören: 30, Textverfassen: 20).
In der Studie wird allerdings betont, dass es auch unter den Schülern mit deutscher Erstsprache einen "nicht zu vernachlässigenden Anteil" gibt, der gezielte Förderung braucht, um die grundlegenden Kompetenzen zu erreichen. Immerhin hat auch in dieser Gruppe ein Drittel die Standards in keinem oder nur einem Bereich erreicht.
Zwischen Buben und Mädchen gibt es zwar Unterschiede bei den Leistungen, im Vergleich zu den anderen Faktoren ist der Einfluss des Geschlechts aber gering. Wie schon bei früheren Bildungsstandard-Testungen und internationalen Vergleichsstudien schneiden in Mathematik die Buben besser ab, im Mittel erreichen sie um 21 Punkte mehr. In Deutsch liegen hingegen die Mädchen vorne, bei der Textproduktion sind sie 33 Punkte voran und erreichen auch deutlich öfter die Bildungsstandards (50 gegenüber 36 Prozent). Auch in den Kompetenzbereichen Lesen und Zuhören erreichen sie im Mittel mehr Punkte (14 bzw. 7).
(Studie abrufbar unter https://go.apa.at/r7hwpj4o)
ARCHIV - 13.05.2011, Bayern, Burgebrach: Schüler eines Gymnasiums schreiben eine Klausur. (zu dpa: «Stellenmoratorium führt zu größeren Klassen und weniger AGs») Foto: Armin Weigel/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Erreichen der Bildungsstandards Mathematik und Deutsch nach Erstsprache und sozioökonomischer Ausganglage an Schulen, Quelle: BMB/IQS;.Die Auslieferung der APA-Grafiken als Embed-Code ist ausschließlich Kunden mit einer gültigen Vereinbarung für Grafik-Pauschalierung vorbehalten. Dabei inkludiert sind automatisierte Schrift- und Farbanpassungen an die jeweilige CI. Für weitere Informationen wenden Sie sich bitte an unser Grafik-Team unter grafik@apa.at. GRAFIK 0315-26, 88 x 146 mm






