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Aus Grasland und Feuchtgebieten werden oft neue Agrarflächen

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++ ARCHIVBILD ++ Landwirtschaftsflächen werden vielerorts stark ausgeweitet
©APA, dpa, Jan Woitas
Der Landhunger des Menschen ist so groß wie nie zuvor in der Geschichte. Aus Klimaschutz-Sicht ist das großflächige Umwandeln von Waldgebieten für die landwirtschaftliche Nutzung - Stichwort: Regenwaldrodungen - ein großes Thema. Ein Forschungsteam zeigt aber nun, dass auch Grasländer und Feuchtgebiete weltweit im großen Stil in Agrarflächen verwandelt werden. Das oft "übersehene Problem" ist in Brasilien, Russland, den USA, Indien und China am größten, zeigt eine Analyse.

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In ihrer Untersuchung im Fachjournal "PNAS" haben die Wissenschafterinnen und Wissenschafter um Siyi Kan und den lange Jahre an österreichischen Universitäten tätigen Letztautor Thomas Kastner vom Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrum in Frankfurt (Deutschland) analysiert, wie viele Flächen, auf denen Pflanzen nicht höher als fünf Meter wachsen, zwischen 2005 und 2020 zu Landwirtschaftsflächen umgewandelt wurden. Diese nicht bewaldeten Landflächen speichern immerhin zwischen 20 und 35 Prozent des weltweit gebundenen Kohlenstoffes und beherbergen rund ein Drittel der globalen Hotspots der Artenvielfalt, heißt es in einer Aussendung der Senckenberg Gesellschaft.

Während aber über den Verlust an Waldflächen, die bekanntlich in ihren Böden und der darauf stehenden Biomasse viel CO2 speichern, relativ viel gesprochen und geforscht wird, "wurde die Umwandlung von 'Nicht-Wald-Ökosystemen - besonders im Zusammenhang mit Viehzucht und der globalen landwirtschaftlichen Nachfrage - bisher kaum untersucht", wird Kan zitiert. Im Zuge der Studie habe man gemerkt, dass "diese Ökosysteme in alarmierendem Tempo in Weide- und Ackerflächen umgewandelt werden. Haupttreiber sind die Nachfrage sowohl auf dem Binnenmarkt als auch international nach verschiedenen Agrarprodukten, vor allem Fleisch, Getreide, Nüsse und Ölsaaten", so Kastner, der lange Zeit am Institut für Soziale Ökologie Wien der Universität Klagenfurt tätig war.

Ein zentrales Ergebnis der Studie ist, dass Gras- und Feuchtgebiete insgesamt über den 15-jährigen Untersuchungszeitraum rund vier Mal so rasch in Landwirtschaftsflächen umgewandelt wurden, als das bei bewaldeten Gebieten der Fall war, heißt es. Wie auch beim Roden von Waldflächen liegt hier Brasilien weit vorne: Gleich 13 Prozent der umgewidmeten Nicht-Wald-Flächen liegen im größten südamerikanischen Land. Für je sechs Prozent zeichnen die USA, Indien, China und Russland verantwortlich.

Auf einem erklecklichen Anteil der neuen Agrarflächen wird entweder Futter für die Viehzucht angebaut oder selbige betrieben. Über ein Drittel der umgewandelten Flächen dient alleine der Tierfutterproduktion. In den großen Ländern Südamerikas, den USA und China, aber auch in der EU liegt dieser Anteil sogar bei über 50 Prozent. "In Brasilien und Argentinien wurden rund 70 Prozent der umgewandelten Ackerflächen insgesamt und etwa 80 Prozent der Flächen für Futter für Exportproduktion genutzt", so Kastner. Das Gros dieser tierischen Produkte geht also wiederum in reiche Länder.

Das zeigt einmal mehr, wie die weltweite Nachfrage nach Tierprodukten den Druck auf Grasland oder Feuchtgebiete antreibt. Dementsprechend plädieren die Forschenden dafür, die Schutzmaßnahmen, die vielerorts für Waldflächen gelten, auch in diese Richtung auszuweiten. Es brauche eine austarierte Politik, die die schädlichen wirtschaftlichen Abhängigkeiten und Lieferketten sowie Überlegungen zum Artenschutz mitberücksichtigt, so die Autorinnen und Autoren.

(S E R V I C E - https://doi.org/10.1073/pnas.2521183123 )

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